Autor und Kantor ehren Orgel - jeder auf seine Weise

Die Jehmlich-Orgel in der Auerbacher Sankt- Laurentius-Kirche und ihr Erbauer haben bei einer Vespermusik inklusive Buchlesung am Samstag im Fokus gestanden.

Auerbach.

Mindestens einmal pro Woche beeindruckt die Orgel an Auerbachs Stadtkirche Sankt Laurentius Besucher mit breitem Klangspektrum. Wer ihr Schöpfer ist, bleibt dabei im Hintergrund. Zur einstündigen Vespermusik mit Lesung brachte der Zwickauer Autor Siegfried Meyer am Samstag reichlich Informationen unter die wenigen, aber umso interessierteren Leute. Im Wechsel mit Hörproben aus der Feder von Johann Sebastian Bach, Jean-Adam Guilain, John Stanley und Felix Mendelssohn-Bartholdy erinnerte er an das "Leben und Werk einer Orgelbauerfamilie". So heißt sein 2017 erschienenes Buch.

Wie Siegfried Meyer stammt auch die Auerbacher Orgel aus Zwickau. Mit drei Instrumenten verewigten sich die Jehmlichs im Vogtland: Eine ist in Rodewisch, die andere in Lengenfeld zu Hause. 29 haben die Werkstatt von ihrer Gründung 1839 bis zur Firmenauflösung 1862 insgesamt verlassen und sind über Sachsen und Thüringen verstreut. Das Auerbacher Exemplar gehörte zu den ersten. Als ein Stadtbrand 1834 die Kirche samt Orgel zerstörte, musste ein neues Instrument in Auftrag gegeben werden. Vier Jahre später begannen die Bauarbeiten, nach zwei Jahren waren sie beendet. Genauso lange dauerte es, bis bei den Jehmlichs die Kasse klingelte. "Wenn die Orgel ein Jahr gespielt wurde, ging überhaupt erst mal eine Zahlung ein", schilderte Siegfried Meyer das damals gängige Prozedere.

Knapp 2000 Mark kostete die in zwei Raten bestrittene Orgel. Erbaut hatte sie Unternehmensgründer Carl Gottlieb Jehmlich persönlich. Seitdem unterzog sich das Instrument mehreren Restaurierungen durch die Orgelbaufirma, zuletzt 2003 in Form einer Reinigung, Stimmung und Nachintonierung. "Eigentlich ist sie recht klein", sagte Kirchenmusikdirektor Ulrich Meier zwischen den Hörproben. "Trotzdem füllt sie den Raum prächtig." Vor 1875 klingenden Pfeifen, zwei Manualen und 27 Tasten für die Füße sitzt der Kantor bei Konzerten. "Da weiß man, wie begnadet ein Orgelspieler sein muss", betonte Siegfried Meyer.

Dass in Dresden eine Wiege für Jehmlich-Orgeln stand und von dort über 6000 Exemplare in die Welt geliefert worden, ließ der Buchautor nicht unerwähnt. Er konzentrierte sich jedoch auf Zwickau. Denn sein Anliegen sei es gewesen, das gesamte Lebenswerk dieser Linie der Orgelbauerfamilie aufzuarbeiten, sagte er. "Bis dahin war es in der Fachwelt gar nicht so bekannt."

Zehn Jahre investierte Siegfried Meyer in die Entstehung seines bebilderten, 196 Seiten starken Werkes. Auf die Idee kam er dank seines Hobbys: Der Zwickauer singt seit 46 Jahren im Männerchor Liederkranz. Den gründeten einst auch Carl Gottlieb Jehmlich und einer seiner vier Söhne mit.

Service Erschienen ist Siegfried Meyers Buch im Eigenverlag, erhältlich für 29,50 Euro bei www.dkunert.de/Leben-und-Werk-einer-Orgelbauerfamilie.

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