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Basenfasten: Die Beilage wird zum Hauptgericht

Jetzt ist wieder Fastenzeit. Um zu entschleunigen und seiner Gesundheit Gutes zu tun, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Heute: Das Basenfasten.

Chemnitz.

"Wie vielseitig und köstlich Obst und Gemüse sind, habe ich beim Basenfasten erst richtig erfahren dürfen", sagt Anne-Katrin Dawidjan aus Chemnitz. Frischkost stehe bei der Psychologin zwar täglich auf dem Tisch, doch eher als Beilage, nicht als Hauptmahlzeit. Dass man sich wirklich ausschließlich davon ernähren und dabei so zufrieden sein kann, konnte sie sich lange Zeit nicht vorstellen.

"Wenn ich faste, verzichte ich normalerweise komplett auf feste Nahrung. Ein- bis zweimal im Jahr steht eine solche einwöchige Kur fest in meinem Terminplan", sagt die 50-Jährige. Doch letztes Jahr sei aus verschiedenen Gründen für sie "nur noch" Basenfasten möglich gewesen. Eine glückliche Fügung, wie sie heute weiß, denn aus der anfänglichen Skepsis wurde Begeisterung. "Ich habe noch nie so herrliche Kartoffeln oder Gemüsesuppe gegessen mit so vielen duftenden Kräutern", schwärmt sie.

Beim Basenfasten wird auf Säurebildner (siehe Kasten) verzichtet. Es gibt Obst, Gemüse (roh oder gedünstet), Nüsse und Kerne sowie gutes Öl. "Wir verwenden ausschließlich Bio-Produkte. In erster Linie wegen der Qualität, aber auch aufgrund des besseren Geschmacks", sagt Anita Büttner, die als ausgebildete Fastenleiterin tätig ist. Dass sich der Geschmacks- und Geruchssinn durch das Fasten verbessert, kann auch sie bestätigen: "Viele, die vorher sehr süß oder sehr scharf gegessen haben, empfinden das nach dem Fasten viel zu intensiv. Sie können sich nicht mehr vorstellen, dass ihnen das einmal geschmeckt hat."

Doch zuerst muss "Altes und Belastendes" aus dem Körper. Damit beginnt jedes Fasten. Die Darmreinigung mithilfe von Glaubersalz oder einer Hydro-Colon-Therapie (Darmspülung) sei unerlässlich. Darmspülungen würden zum Beispiel bei Heilpraktikern oder in naturmedizinischen Praxen angeboten. Anne-Katrin Dawidjan sieht bei dem Ganzen auch einen meditativen Aspekt: Mit dem Herausbefördern von Nahrungsrückständen, die dem Körper nicht guttun, könne man auch belastende Gedanken oder Sorgen "abgeben". Das macht frei. Ein gereinigter Körper sorge für frische Gedanken und einen klaren Geist. Man sieht vieles in einem ganz anderen Licht, weiß die Psychologin.

"Viele Projekte und Ideen für meine Arbeit habe ich während der Fastenaufenthalte entwickelt und von A bis Z durchgeplant. Diese einwöchige Auszeit ist aus dem Grund für mich keine Zeitverschwendung - dieses Argument höre ich oft - sondern ein Zeitgewinn", sagt Anne-Katrin Dawidjan. Basenfasten werde mitunter auch als arbeitsbegleitende Methode angeboten. Doch davon hält die Psychologin nichts.

Als besonderes Phänomen bezeichnet die Basenfasterin die Kraft der Gruppe. "Sechs bis zehn völlig fremde Menschen finden sich zum Fasten zusammen, analysieren ihr Essverhalten, sprechen auch private Sorgen an. Das ist im normalen Leben schwer vorstellbar. Und die Chemie stimmt im Grunde immer. Eine Besonderheit, die es wahrscheinlich nur im Fasten gibt", hat sie festgestellt.

Während einer Woche Basenfasten werden täglich drei rein basische Mahlzeiten angeboten, meist in Buffetform. Jeder nimmt, was er mag. Getrunken wird jede Menge Quellwasser und verdünnte Kräutertees - zwei bis drei Liter am Tag. Doch was sind basische Lebensmittel? In erster Linie Gemüse - roh und gedünstet, Obst - möglichst roh -, Nüsse und Kerne. Auch Schlagsahne ist basisch, doch wird sie während einer Fastenkur nicht empfohlen, weil sie zu eiweißhaltig ist und damit die Entschlackung nicht unterstützt. Säurebildende Lebensmittel wie Fleisch und Wurst, Fisch, Milch- oder Weißmehlprodukte, Kaffee, Schwarztee und Früchtetee, Süßigkeiten, Limonade und Alkohol werden gemieden.

Das Basenfasten ist eine milde Form und eignet sich für Einsteiger, die vielleicht noch etwas Angst vor dem völligen Nahrungsverzicht haben, aber auch für Menschen, die länger als eine Woche fasten wollen. Vor allem kann es aber der Einstieg in eine bewusstere Ernährung sein. Auch Anne-Katrin Dawidjan hat sich von den kreativen Gemüserezepten inspirieren lassen. "Salate werden bei mir bunt gemischt. Obst, Gemüse, Gekochtes und Rohes - das passt alles wunderbar zusammen. Fleisch und Wurst werden für mich immer verzichtbarer."

Das Loslassen von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln ist aber nicht das einzige Anliegen des Fastens. "Um mit den überflüssigen Pfunden nicht auch die Muskulatur abzubauen, steht viel Bewegung an frischer Luft auf dem Programm, bei jedem Wetter", sagt Anita Büttner. Atemübungen, Gymnastik, Wandern tun Körper und Seele gut. Um Kreislauf und Hautdurchblutung in Schwung zu bringen, kommen tägliche Bürstenmassagen und bei Bedarf Saunaaufenthalte hinzu. "Nach einer solchen Woche fühle ich mich wie ein neuer Mensch - so, als hätte ich nicht nur eine, sondern drei Wochen Urlaub gemacht", bringt es Anne-Katrin Dawidjan auf den Punkt.


Alles in Maßen

Damit das Basenfasten gut bekommt, sollten folgende Tipps berücksichtigt werden.

Rohkost ist die gesündeste Art, Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Manche Menschen haben jedoch Probleme, viel Rohes zu verdauen. Dünsten ist eine gute Alternative. Obst und Rohkost am besten nur bis 14 Uhr essen, es ist schwer verdaulich.

Nicht zu spät essen: Die letzte Mahlzeit am Abend sollte nicht später als 18 Uhr zusich genommen werden. Damit entlastet man den Stoffwechsel.

Essensmengen begrenzen: Auch wenn basische Kost gesund ist, zu viel schadet immer. Man nimmt sich eine kleine bis mittlere Portion und hört auf, bevor man sich richtig satt fühlt. Das Sättigungsgefühl setzt dann nach einigen Minuten ein. Auf diese Art lassen sich auch unliebsame Pfunde abbauen.

Dezent würzen: Es ist völlig in Ordnung, Suppen, Salate, Carpaccios oder Gemüsegerichte etwas zu würzen, aber nicht zu stark. Gewürze irritieren die Geschmacksnerven. Man verliert so das Gefühl, wann eine Sättigung erreicht ist. Salz sollte so sparsam wie möglich eingesetzt werden. Ein Kräutersalz ohne Geschmacksverstärker wie Glutamat oder einzelne Kräuter sind besser.

Nicht ohne Appetit essen: Wenn sich einem beim bloßen Gedanken an Fenchel der Magen rumdreht, sollte man auch keinen essen, so gesund er auch sein mag. Begonnen wird mit Rezepten von Obst- und Gemüsesorten, die man schon immer mochte, allmählich tastet man sich dann in unbekannte Rezeptwelten vor. (sw)

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