Bauern protestieren in Chemnitz gegen Agrarpolitik

Bundesweit rollten am Dienstag Traktoren durch die Städte. Die Landwirte demonstrierten nicht nur für mehr Mitsprache in der Agrarpolitik.

Chemnitz.

Mit hunderten Traktoren haben Bauern in Deutschland gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestiert. In Sachsen beteiligten sich Landwirte in Chemnitz, Görlitz und Leipzig mit Sternfahrten an dem bundesweiten Protest unter dem Motto "Land schafft Verbindung - Wir rufen zu Tisch". In Chemnitz fuhren 158 Traktoren durch die Innenstadt zu einer anschließenden Kundgebung mit rund 300 Teilnehmern.

Der Protest richtete sich vor allem gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, mit dem neue Vorgaben für Düngung, Tier- und Insektenschutz verbunden sind. Die Landwirte halten das Programm für unausgegoren. "Wir brauchen praxisnahe, unbürokratische und mit anderen Rechtsgebieten abgestimmte Rechtsvorgaben", sagte Georg Stiegler, Landwirt aus Callenberg (Landkreis Zwickau) und Organisator der Chemnitzer Sternfahrt.

Die Landwirtschaft werde in Deutschland zu oft "weder fach- noch sachgerecht an den Pranger gestellt", sagte Stiegler. "Es geht uns hier um die Wahrnehmung, dass wir die Bösen sind", erklärte Landwirt Jörg Naumann aus Striegistal (Mittelsachsen), der ebenfalls zu den Organisatoren gehörte. Stiegler und Naumann freuten sich über die positiven Reaktionen der Passanten. Viele hätten sich erstaunt gezeigt über die Situation der Bauern.

Die Bewegung der Landwirte ist Anfang Oktober dieses Jahres spontan in den sozialen Netzwerken entstanden. Es gehe darum, gemeinsam Lösungen zu finden, die ein Fortbestehen der Branche in Deutschland ermöglichen, heißt es in einem Flyer, der auf den Demonstrationen verteilt wurde. Zentrum des Protests war Bonn. Dort versammelten sich laut Schätzungen der Polizei knapp 6000 Teilnehmer. 2000 Traktoren seien unterwegs gewesen. Auch in Richtung Berlin fuhren etwa 200 Traktoren aus Brandenburg. An der Fahrt in Leipzig beteiligten sich laut Organisator Paul Kompe mehr als 150 Betriebe mit mehr als 200 Traktoren aus der Region.

Hintergrund des bundesweiten Aktionstages ist, dass die Bauern durch die aktuelle Umwelt-, Landwirtschafts- und Handelspolitik die regionale Lebensmittelproduktion und ihre Existenz in Gefahr sehen. Die Bauern wollen mit ihrem Motto eine Verbesserung des Miteinanders bei gesellschaftlich wichtigen Themen wie Tierwohl, Insektenschutz und Lebensmittelsicherheit erreichen. Kritisiert wird zudem das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika. Die Bauern befürchten dadurch den Import von Waren, die nicht die EU-Standards für sichere und geprüfte Lebensmittel einhalten.

Agrarministerin Julia Klöckner äußerte Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Zugleich wies die stellvertretende CDU-Chefin auf nötige Veränderungen in der Landwirtschaft hin. "Ich mute den Landwirten Veränderungen zu, aber ich mache das nicht, ohne dass ich sie auch finanziell unterstütze mit Fördermaßnahmen", sagte Klöckner im ZDF. Landwirte würden in der gesellschaftlichen Debatte oft als Tierquäler oder Umweltverschmutzer abgetan. Das sei falsch.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter bezeichnete die bundesweiten Bauernproteste als Ergebnis einer "jahrzehntelang verfehlten Agrarpolitik". "Viele Bäuerinnen und Bauern stehen schlicht mit dem Rücken zur Wand, weil sie nicht mehr von dem leben können, was sie produzieren", sagte Hofreiter in Berlin. Deswegen könne er verstehen, dass sie massiv protestieren.

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14Kommentare
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  • 3
    1
    cn3boj00
    25.10.2019

    @Lesemuffel, richtig ich auch! Man muss es nur an die Richtigen adressieren. Und, meiner Meinung nach, gibt es viel zu viele aufgeregte Menschen. Haben wohl alle zu viel Zeit. Etwas mehr Gelassenheit täte schon manchmal gut, denn leider verpufft die viele Aufregung oder wird von bestimmten Kräften gern ausgenutzt.

  • 2
    1
    Lesemuffel
    25.10.2019

    Cn3 boy... Schön für Sie, dass Sie Brot backen können. Ich nehme trotzdem weiterhin diese aufgeregte, überbordende Politik aufs Korn. (nicht Roggen)

  • 4
    4
    cn3boj00
    25.10.2019

    @saxon1965, ihre Idee würde sicher nicht an den Jugendlichen scheitern. Sie sind nicht verantwortlich dafür. Sie sind auch nicht fürs Klima verantwortlich, jedenfalls nicht mehr wie alle Greta-Hasser.
    @Lesemuffel: ich weiß nicht ob Sie Brot backen können, wir können das. Unsere Kinder auch. Dass wir es trotzdem beim Bäcker holen hat andere Gründe. Und auf unseren 200 Hektar hinterm Gartenzaun hat noch nie Roggen gestanden. Sondern Mais, Raps, Wintergerste. Seit 20 Jahren im Wechsel. Nichts davon brauche ich für meine Ernährung. Und wir waren noch nie ein Agrarstaat. Aber Polemik können Sie ja.
    Vielleicht mal statt dauernd Umweltbashing mal über die wirklichen Ursachen nachdenken, zum Beispiel Freihandelsabkommen, Massentierhaltung, falsche Subventionsanreize - alles Dinge welche die Regierungen und nicht die Grünen zu verantworten haben.

  • 6
    5
    Lesemuffel
    25.10.2019

    Nach Energiewende, Ernährungswende, Atomausstieg, CO2 - Bepreisung, Einstellung der Ölheizungen und weiterer Wenden und laufender Proteste gegen die reale Welt, Angstschüren vor dem Klimawandel hoffte ich, dass wir wenigstens als Agrarstaat überleben können. Mit der Drangsalisierung der Bauernschaft stirbt wohl nun auch diese Hoffnung.

  • 9
    1
    saxon1965
    24.10.2019

    @Blackadder: Ich möchte nicht behaupten, dass Kinder und Jugendliche per se faul sind. Letztlich liegt vieles auch an unserer s. g. BildungsPOLITIK.
    Unentgeltliche Arbeit ist jedoch sehr aus der Mode gekommen, dank einer immer materialistischeren Erziehung von allen Seiten!
    Meiner Meinung nach sollten alle Jugendlichen, die mindestens ein Jahrzehnt in den Genuss von Bildung und Betreuung gekommen sind, wenigstens ein Jahr gesellschaftlich nützliche Tätigkeiten verrichten. Dafür sollte es gerne auch ein Taschengeld geben. Dabei würde so manche kleine Persönlichkeit weiter reifen. Auch finde ich es nicht schädlich, wenn junge Männer einen Grundwehrdienst absolvieren. Nur für den Fall der Fälle bzw. um wenigsten etwas Ordnung, Pünktlichkeit und Einordnungswillen zu lernen.
    Das konnten auch schon vor Jahrzehnten nicht alles die Eltern leisten.

  • 9
    4
    Blackadder
    24.10.2019

    @ralf66: Genau dieses eindimensionale Denken ist das Problem, was hier viele haben.

  • 5
    7
    ralf66
    24.10.2019

    @Blackadder, ein Industriebetrieb um Geld zu verdienen, ist das für eine FFF-Aktivistin der rechte Ort, besser wäre es gewesen, sie hätte bei der Vereinigung Bund gearbeitet? Macht die Industrie nicht zu viel CO2?

  • 6
    5
    Blackadder
    24.10.2019

    @saxon1965: Da meine Tochter, die sehr aktiv bei FFF dabei ist, derzeit in den Ferien in einem Industriebetrieb arbeitet, um Geld dazu zu verdienen, möchte ich darauf hinweisen, dass dies durchaus vorkommt und man nicht von Vornherein behaupten soll, dass diese Kinder ja alle faul wären und nichts täten. Vieles, was her über die Jugend von heute verbreitet wird, sind nichts als Vorurteile und hat oft wenig mit der Realität zu tun.

  • 7
    2
    saxon1965
    24.10.2019

    "Friday for Future-Aktivisten können kein Brot backen." ... oder Getreide liefern, daran wollen wir uns nicht zerreiben!
    ABER vielleicht wäre es (wieder) angebracht, dass die Kits in den s. g. Kartoffelferien mal auf`s Feld gehen oder wenigstens mal für eine Woche in den Kuhstall, anstatt nach Malle zu fliegen?
    Engstirnigkeit kann man nur durch Selbsterfahrung begegnen und genau diese Beispiele zeigen doch, was wird wohl aus einer Gesellschaft, die den ESP-Unterricht, den Wehr- oder Ersatzdienst und Mathe/Sport-Stunden streicht? Dafür kann sich jedes Individeum entfalten wohin es ihm gefällt (m/w/d). Fördert so etwas den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
    Bitte nicht in den falschen Hals bekommen! Aber eine Gesellschaft funktioniert nur solange sozial gerecht, wenn möglichst viele Bürger an einem Strang ziehen und es keine tausendfachen Ausnahmen gibt bei Renten- u. Sozialkassen, beim Dienst für sein Land (etwas zurück geben) oder der Achtung vor Lebensleistungen und Berufsständen.

  • 4
    7
    Lesemuffel
    23.10.2019

    Sehr kurz gedacht, eben simple man. Leider!

  • 7
    6
    ralf66
    23.10.2019

    @SimpleMan, wer liefert das Getreide zum Brot backen, der Schmied?

  • 8
    6
    SimpleMan
    23.10.2019

    @Lesemuffel Die Bäcker backen das Brot, nicht die Bauern.

  • 8
    8
    Lesemuffel
    23.10.2019

    Wer den Bauernstand ruiniert, beschädigt unseren Wohlstand und setzt unsere Zukunft aufs Spiel. Friday for Future-Aktivisten können kein Brot backen.

  • 16
    1
    saxon1965
    23.10.2019

    Es lebe die Globalisierung! (Sarkasmus aus)
    Wie intelligent ist eine Politik, die eine Produktion mit Steuergeldern subventioniert, damit die Verbraucherpreise erschwinglich bleiben. Objektiv gesehen zahlen wir so bereits einen wesentlich höheren Preis, als am Supermarktregal steht.
    Das dient vor allem den Handelsketten, denn die können schön billig Massenware verkaufen. Der Staat hilft dem Bauer zu überleben, damit die "Albrechtbrüder" Millionäre werden konnten!
    Auch wird die Landwirtschaft subventioniert, damit man s. g. Freihandelsabkommen schließen kann und die heimische Produktion gegen die Billigimporte bestehen kann. Wie dumm sind wir eigentlich, so etwas zuzulassen?!
    "Es stinkt gewaltig im Staate Dänemark, sorry DEUTSCHLAND/EUROPA!"



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