Bauwetter genutzt - durch Erlaus Kulturzentrum pfeift der Wind

In Regie der Gemeinde wird zurzeit der Landgasthof in Crossen saniert. Die Firmen kommen gut voran. Doch beim Öffnen der Wände kommt so manche Überraschung zum Vorschein.

Erlau.

Wenn Bürgermeister Peter Ahnert durch die offene Wand des Crossener Landgasthofs schaut, direkt im Saal, wo viele Jahre getanzt und gefeiert wurde, dann fühlt er sich erneut bestätigt. Vor Monaten musste er mehrfach androhen, das Kulturzentrum der Gemeinde zu schließen, damit Besucher bei starkem Wind nicht durch herunterfallende Dach- oder Fassadenteile verletzt werden. "Die Wandstärke betrug nur noch etwa ein Drittel bis ein Viertel. Das Holz wäre irgendwann mal rausgeflogen", zeigt er auf die bereits neu eingesetzten Balken und den Blick ins Freie neben der Bühne. Bis August soll das Loch in der Wand geschlossen sein.

Wie in diesem Bereich, so haben Zimmerer und Dachdecker seit dem Sanierungsstart im Mai auch an anderen Stellen des über 200 Jahre alten Gebäudekomplexes schon fleißig Hand angelegt - bei laufendem Betrieb von Gaststätte und Kegelbahn. "Ob am Südgiebel des Altgebäudes das Fachwerk bleiben kann, ist noch nicht entschieden", sagt der Bürgermeister. Zu groß seien teilweise die Schäden an den Balken. An der Ost- und Nordseite jedoch könne man das Fachwerk wahrscheinlich erhalten. Getauscht wurden bereits Teile des Westgiebels am etwas jüngeren Saalgebäude. Das Dach bekam neue Schalbretter, ein Großteil ist bereits mit Schiefer gedeckt. Der Dachboden über dem Saal erhielt neue Balken.

Auch an der Bühne, deren Tragwerkskonstruktion laut Ahnert noch in einem guten Zustand ist, laufen zurzeit Sanierungsarbeiten. Im Außenbereich neben der Bühne wird gemauert, nachdem das alte Mauerwerk entfernt worden war. In den erneuerten Gebäudeteil soll ein Fahrstuhl eingebaut werden, mit dem Besucher dann barrierefrei in den Saal gelangen können. "Leute mit Rollator hatten es bislang immer schwer. Doch das soll sich in Zukunft ändern", so Ahnert.

Wann die Sanierung beendet ist, ob im Februar schon wieder Fasching im Landgasthof gefeiert werden kann und wie weit das Geld reicht - das sind noch immer die großen Unbekannten. "Und Überraschungen kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Für die Generalsanierung hat die Gemeinde laut Ahnert für dieses Jahr rund 621.000 Euro eingeplant - 465.000 Euro sind Fördergeld vom Freistaat. Über diese Summe hat die Kommune einen Kredit aufgenommen, gut 155.000 Euro steuert die Gemeinde selbst bei. "Wir müssen nun erst einmal schauen, wie weit wir kommen", sagt Ahnert. Ob auch der Ausschankbereich neben dem Saal und die Sanitäranlagen erneuert werden können, lasse sich noch nicht abschätzen. "Das zählt unter Zugabe."

Insgesamt schätzt Ahnert die Finanzlage seiner Gemeinde als stabil ein. "Klar, wenn die Coronakrise nicht gekommen wäre, könnten wir finanzkräftiger durch dieses Sanierungsvorhaben kommen." Denn die Rücklage, die Erlau zu normalen Zeiten angehäuft habe, werde nun vor allem durch den Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen aufgefressen. "Trotzdem können wir dieses Jahr noch alle geplanten Bauprojekte mit unserer Rücklage und mit der Hilfe des Freistaates stemmen", blickt der Bürgermeister voraus. Wie es nächstes Jahr aussehe, das müsse man jedoch erst einmal abwarten.

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