Besser als der Ruf

Der Fall der Mauer vor 30 Jahren resultierte nicht nur aus dem Freiheitsdrang der Menschen heraus, sondern hatte auch handfeste ökonomische Ursachen. Der riesige Unterschied im Wohlstandsniveau zwischen der Bundesrepublik und der DDR war offenkundig. Die sozialistische Planwirtschaft war gescheitert. Erinnert sei an das sogenannte "Schürer-Papier" vom 31. Oktober 1989, damals noch als "Geheime Verschlusssache" behandelt. Der Chefplaner der DDR, Gerhard Schürer, zog in der Expertise mit seiner Expertenkommission eine schonungslose Bilanz über die wirtschaftliche Lage in der DDR, deren industrieller Kapitalstock verschlissen und reparaturanfällig war, um nicht zu sagen: marode.

Mit der Einführung der D-Mark, die damals aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung politisch alternativlos erschien, brachen die bestehenden ökonomischen Strukturen zusammen. Klar wurden in der Wendezeit und danach Fehler gemacht. Viele umstrittene Entscheidungen der Treuhandanstalt können heute kritisch hinterfragt werden, aber den Zusammenbruch als westdeutsches Komplott von Politik und Großkonzernen darzustellen wäre zu einfach. Der wirtschaftliche Niedergang nach der Wende war die Folge von 40 Jahren sozialistischer Misswirtschaft in einer von der westlichen Marktwirtschaft abgeschotteten Volkswirtschaft.

Deshalb musste ein grundlegender Neuanfang her, bei dem Ostdeutschland enorme Fortschritte gemacht hat. Trotz der Abwanderung von fast zwei Millionen jungen Fachkräften ist es gelungen, wieder eine leistungsfähige mittelständische Wirtschaft aufzubauen. Inzwischen erkennen immer mehr junge Menschen, dass der Osten eine Zukunft hat, dass junge Talente und neue Technologien in Chemnitz, Dresden und Leipzig willkommen sind. Die Chancen im Osten sind deshalb besser als der Ruf.

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