Bombensuche in Plauen: 17.000 Menschen droht Evakuierung

Nächste Woche Freitag kommen Kampfmittelsucher nach Plauen. Auf mehreren Baustellen im Stadtzentrum wurden Gegenstände aus Metall gefunden. Es kann sich um Weltkriegsbomben handeln, vermuten Experten.

Plauen.

Die Stadt Plauen bereitet die größte Evakuierung nach dem Zweiten Weltkrieg vor. Nächste Woche Samstag müssen rund 17.000 Einwohner damit rechnen, dass sie ihre Häuser und Geschäfte verlassen müssen. Das wäre ein Viertel der Stadtbevölkerung.

Grund sind mehrere Bomben-Verdachtsfälle im Stadtzentrum. Auf Baustellen am Schlosshang und am Weisbachschen Haus fand ein Kampfmittel-Suchtrupp Gegenstände aus Metall. Diese Gegenstände liegen noch unter der Erde. "Wir wissen nicht, ob es sich um eine alte Wasserleitung oder um Fliegerbomben handelt. Aber ich rechne damit, dass der Fall eintritt - mehr als mit einer Entwarnung", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) am Donnerstag. Aufgrund der Stadtgeschichte müsse davon ausgegangen werden, dass es sich um Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt.

Am Freitag nächste Woche kommt der Kampfmittelbeseitigungsdienst nach Plauen und wird die beiden Fundorte freilegen. Am frühen Samstagmorgen wisse man dann, ob evakuiert werde oder nicht. Beim Fund einer 250-Kilo-Bombe müssten Menschen im Radius von einem Kilometer ihre Häuser verlassen. Betroffen wären rund 17.000 Personen, sagte Ordnungsamtschefin Anja Ullmann. Wie groß das zu räumende Gebiet ist, hängt von den Funden selbst ab. Den Radius legen bei Bombenfunden Sprengstoffexperten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes fest.

Oberdorfer appelliert an die betroffenen Plauener, am Samstag nächster Woche von selbst ihre Quartiere zu verlassen und sich um ein Asyl auf Zeit zu bemühen. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen gestalte sich die mögliche Unterbringung der Menschen besonders schwierig. "Die Notunterkünfte sollen nur Notunterkünfte sein", sagte Thomas Müller vom Rettungszweckverband. Mehrere Turnhallen, die Festhalle und die Biller-Halle habe man als mögliche Quartiere vorgesehen. Im Falle einer Evakuierung rechne man mit einer Dauer von bis zu 24 Stunden.

Aufgespürt wurden die verdächtigen Metallgegenstände schon im April. Denn die Stadt Plauen muss auf Baustellen in Gebieten, auf die im Krieg Bomben fielen, Spezialfirmen hinzuziehen und mit Metalldetektoren nach verdächtigen Gegenständen suchen lassen. Zu diesen Verdachtsflächen gehöre die gesamte Innenstadt.

Den Großeinsatz legte die Verwaltung gezielt auf den Ferienbeginn. In dem Gebiet, das im Fall des Bombenfundes zu evakuieren wäre, liegen mehrere Schulen, Kindergärten und Pflegeheime. Mehrere hundert Hilfskräfte von Polizei, Rettungsdienst, Stadtverwaltung und Feuerwehr sind vorbereitet.

Es existieren zwei weitere Orte im Stadtgebiet, an denen Blindgänger vermutet werden. Bei ihren Arbeiten sind die Kampfmittelsucher auch an der Syra bei der Brauerei sowie einer anderen zentrumsnahen Baustelle auf Metallgegenstände gestoßen. Die verdächtigen Ort werden untersucht, sobald es am Schlosshang und am Weisbachschen Haus Entwarnung gibt. An der Syrastraße plane man längerfristig mit einer Untersuchung. Dort habe man mehr Zeit.

Dreiviertel der Häuser von Plauen war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Bis zu 50.000 Bomben fielen auf die Stadt. Seit 1979 zählt die Stadtverwaltung Bombenfunde und archiviert sie. Seitdem wurden 71 Blindgänger entschärft.

Die Plauener Stadtverwaltung informiert online zur Bombensuche und zur Evakuierung: www.freiepresse.de/bombe-plauen

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