Schräg hinter dem Keller-Brunnen in Hainichen erhebt sich ein weißer Stapel. Es ist ein neues Werk für den Skulpturenpfad der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025. Doch was wird da am Sonntag eingeweiht?
Wer vom Rathaus in Hainichen am Keller-Brunnen stadtauswärts läuft, konnte am Hang der Grünanlage am Montag einen gut drei Meter hohen, weißen, schlanken Stapel sehen. Seit Dienstag ist das Objekt nun mit einer grünen Plane verhüllt. Einige Passanten rätselten schon, was es damit auf sich hat. Eine Infosäule, eine Kletteranlage? Nein, es ist ein neuer Beitrag für den Kunst- und Skulpturenweg Purple Path, der die Region an die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 anbindet.
Im August werden insgesamt vier neue Arbeiten eingeweiht, in Zschopau, Schwarzenberg, Niederwiesa und eben auch in Hainichen – dort nun am Sonntag (25. August) um 15 Uhr. Die Skulptur „Endless Column“ von Stijn Ank soll die Bedeutung des Mediums und Werkstoffes Papier für Hainichen und Europa versinnbildlichen. Es ist eine weißpatinierte Bronze.
Das Papier, Keller und der Brunnen
„Die Bronzeskulptur des belgischen Künstlers erinnert an einen Stapel Papierblätter“, heißt es in der Pressemeldung der Kulturhauptstadt. „Sie steht in dem Ort, wo einst das Holzschliffpapier erfunden wurde, worauf noch immer Zeitungen gedruckt wurden.“ Gemeint ist die Erfindung von Friedrich Gottlob Keller, der 1816 in Hainichen geboren wurde und der Ende 1843 mit seinem Verfahren die Papierherstellung revolutionieren sollte.
1845 wurde dann in Frankenberg die erste Zeitung auf Holzschliffpapier gedruckt. Und diese Herstellung mittels Holzschliffs ist heute noch gebräuchlich. Hainichen machte Keller schon zu Lebzeiten zum Ehrenbürger und ließ den Brunnen als Denkmal errichten. Keller starb 1895 in Krippen (Sächsische Schweiz).
Warum die Stadt nachbessern musste
Das Fundament für die neue Plastik war schon vor einigen Wochen gegossen worden. Ein großes Podest, wie es in einen früheren Entwurf mal vorgesehen war und das den Stapel noch gut 30 Zentimeter größer gemacht hätte, konnte die Stadt nicht bauen lassen, um Kosten zu sparen.
Das Kunstwerk traf im Juli in Hainichen ein und wurde eingelagert. Dabei stellte man ein großes Problem fest. Böse Zungen behaupten, man hätte einen Mitarbeiter „opfern“ müssen, um ihn einzuschließen und den Stapel befestigen zu können. „Die vier Verschraubungen waren im Inneren der Säule angebracht“, erläutert Thomas Böhme, Leiter- des Bau- und Ordnungsamtes. „Man konnte die Plastik also nicht einfach so anschrauben.“
So beauftragte die Stadt die ortsansässige Firma Sonnenberg, die einen Metallrahmen fertigte. Der verbindet nun den Papierstapel mit dem Fundament. „Mit Aushub, Beton und dieser Anfertigung hatten wir Kosten von etwa 1000 Euro“, antwortete Böhme auf eine Frage im Stadtrat. Mehr habe die Stadt nicht zu zahlen, abgesehen von der üblichen Versicherung.
Was wird aus dem Gellertplatz?
Vorerst fließt auch kein Geld in das Umfeld des Kunstwerks. Vor gut einem Jahr hatte der Stadtrat die ersten Pläne für die Umgestaltung und Sanierung des Gellertplatzes beschlossen. Zum Projekt gehört auch die Neugestaltung der Mühlstraße, also des Bereichs vor dem Kellerbrunnen. In der Anlage hinter dem Rathaus sollte es noch 2023 losgehen. Doch daraus wurde nichts. Bei der Erstellung des Haushalts für 2024 kam das Projekt auf die Streichliste.
Erstes Vorhaben war die Erneuerung der Treppenanlage und der Bau eines Podestes. Das sollte insgesamt rund 360.000 Euro kosten, davon etwa 240.000 Euro Fördermittel. Ganz verabschieden will man sich von der Umgestaltung des Areals aber nicht. Weil das mit einem großen Anteil an Fördermitteln geplant ist, hofft Oberbürgermeister Dieter Greysinger (SPD) doch noch irgendwie den Eigenanteil aufbringen zu können. Einige Treppenstufen sind nun vom Team des Bauhofs ausgebessert worden.
Wie geht es mit der Kunst weiter?
Greysingers Wunsch ist, dass sich aus dem Purple Path eine Art „Jakobsweg der Kunst“, wie er es nennt, entwickeln könnte. Nun hat Chemnitz 2025 immerhin 38 Partnerkommunen, einige haben bereits ein Kunstwerk. Zu Einweihung in Freiberg war Greysinger dabei.
Der nächste Standort in Mittelsachsen wird am 31. August eingeweiht. In Braunsdorf ist das die Skulptur „My Floating Home“ von Karolin Schwab im Mühlgraben an der Zschopau. (fa)






