120 Millionen Euro für Schulen - Wo saniert und neu gebaut wird

Wegen steigender Schülerzahlen investiert die Stadt in Bildungseinrichtungen. Weil die Vorhaben aber nicht rechtzeitig fertig werden, wird es Zwischenlösungen geben.

120 Millionen Euro für Schulen - Wo saniert und neu gebaut wird

Für Sie berichtet: Benjamin Lummer

Hintergrund: Die Stadt hat ein Investitionsprogramm für Schulen aufgelegt, das Neubauten und Sanierungen vorsieht. Nach Jahren, in denen Schulen geschlossen wurden, gebe es nun "eine Trendwende", sagt Schulbürgermeister Sven Schulze. "Die Kapazitäten reichen nicht mehr. Wir haben einen Bedarf, neue Schulen zu bauen." Besonders eng gehe es an den Oberschulen zu. Aber auch an den Grundschulen reichten die bisher vorhandenen Plätze in den kommenden Jahren nicht aus, so der Bürgermeister. Im Bereich der Grundschulen rechne man mindestens bis 2023/24 mit steigenden Schülerzahlen. Bei den Oberschulen zeigt die Kurve sogar bis 2027/28 nach oben. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Zum einen ist die Geburtenzahl in der Stadt zuletzt konstant gestiegen - von 2014 bis 2017 um etwa 20 Prozent auf nun 2460 Geburten im Jahr. Zum anderen verzeichne die Stadt Zuzüge, unter anderem auch von Migranten, so Schulze. Dazu kämen veränderte Rahmenbedingungen: So würden Kinder mit Einschränkungen, die in den vergangenen Jahren Förderschulen besucht haben, im Zuge der Inklusion häufiger in Regelschulen aufgenommen. Und nicht zuletzt geraten die Schulen im Chemnitzer Umland an ihre Kapazitätsgrenzen. Sie hatten Chemnitzer Schüler aufgenommen und damit zur Entspannung der Situation in der Stadt beigetragen, seien nun aber auch voll, so Schulze. Die Stadt hatte darauf zuletzt mit Sanierungen wie der Oberschule an der Arno-Schreiter-Straße und Neubauvorhaben wie der Oberschule am Hartmannplatz reagiert, die 2022/23 in Betrieb gehen soll.

Vorhaben: Geplant ist die Inbetriebnahme von vier Grundschulen und drei Oberschulen bis 2023/24. Die Vorhaben konzentrieren sich auf die Stadtteile Sonnenberg, Gablenz und Kaßberg, wo die Verwaltung den größten Bedarf sieht. Geschaffen werden sollen so Plätze für 800 Grund- und 1200 Oberschüler. Größtes Projekt ist der Neubau eines Schulcampus im Bereich Planitz-wiese. Dort sollen jeweils eine zweizügige Ober- und Grundschule geschaffen und damit das Konzept Gute Schule umgesetzt werden. Idee des gleichnamigen Vereins ist es, dass Kinder Grundschul- und Oberschulstufe im gleichen Klassenverband absolvieren können. Im Bereich Jakob-/Tschaikowskistraße ist der Neubau einer zweizügigen Grundschule vorgesehen. Im Bereich Zwickauer Straße/Reichsstraße gegenüber der Hochhausruine soll eine neue Oberschule entstehen. Der Standort eigne sich wegen der zentralen Lage und der guten Anbindung an den Nahverkehr, sagt Baubürgermeister Michael Stötzer.

Neben dem Neubau ist die Sanierung und Wiederinbetriebnahme leerstehender Schulgebäude geplant. Dabei handelt es sich um einen mehr als 100 Jahre alten Komplex an der Charlottenstraße, der bis 2013 vom Chemnitzer Schulmodell genutzt wurde und in dem künftig Grundschüler lernen sollen. Außerdem soll die ehemalige Neubauerschule an der Vettersstraße auf Vordermann gebracht werden und ab 2023/24 eine Oberschule beherbergen. Dritter Sanierungsschwerpunkt ist das Gebäude des ehemaligen Berufsschulzentrums Wirtschaft an der Ecke West-/Reichsstraße. Dort soll in fünf Jahren eine Grundschule in Betrieb gehen. An allen Standorten ist der Neubau von Sporthallen geplant.

Kosten: Für Sanierungen und Neubauten rechnet das Rathaus mit Gesamtkosten in Höhe von 120 Millionen Euro. Dabei handele es sich um eine grobe Schätzung, sagt Baubürgermeister Stötzer. Zum Vergleich: Das Jahresbudget der Stadt Chemnitz beträgt 750 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung rechnet mit Fördermitteln. Stötzer spricht dennoch von einem Kraftakt. Die Schulbauvorhaben würden "die zur Verfügung stehenden personellen Kapazitäten und finanziellen Ressourcen weitgehend binden", sagt er.

Hürden: Ein Großteil der Grundstücke, auf denen Neubauten entstehen sollen, sei im Stadteigentum, teilt das Rathaus mit. Einige Flächen müssten aber noch angekauft werden, beispielsweise an der Planitz-wiese. Zudem wisse man, wie schwierig es ist, Baufirmen für die Vorhaben zu bekommen, sagt Schulbürgermeister Schulze.

Übergangslösungen: Weil man den Bedarf in den Jahren bis zur Eröffnung der neuen Schulen mit den bestehenden Bildungseinrichtungen nicht abdecken könne, soll es Zwischenlösungen geben, so Schulze. Zum einen sollen Gebäude saniert und bislang nicht genutzte Räume für den Unterricht hergerichtet werden. Das ist zuletzt an der Baumgartenschule in Grüna geschehen. Zum anderen werden an mehreren Schulen mobile Klassenzimmer in Form von Containern aufgestellt, unter anderem in Schönau und Gablenz. Dafür stehen rund 52Millionen Euro zur Verfügung.

Reaktion: Marko Rößler vom Verein Gute Schule nimmt die Ankündigung der Stadt "sehr positiv" auf. "Es wurde erkannt, dass es sinnvoll ist, Gemeinschaftsstandorte zu haben. Das ist effektiv und günstiger", sagt Rößler zum geplanten Oberschul- und Grundschulstandort auf dem Sonnenberg.

Informationen: Das Rathaus will auf drei öffentlichen Veranstaltungen Eltern und Bürger informieren. Diese finden statt: am 19. September, 18 Uhr, in der Pablo-Neruda-Schule; am 27. September, 18 Uhr, im "All in" im Bürgerhaus am Rosenhof; am 4. Oktober, 18 Uhr, in der Mensa des Terra-Nova-Campus.

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