31-Jähriger ist Deutschlands bester Nachwuchs-Bauarbeiter

Die Oberlichtenauer Baugesellschaft hat einen Super-Azubi. Nächstes Jahr bewirbt er sich noch um einen weiteren Titel.

Oberlichtenau.

Wenn Henning Lederer mit seiner elfjährigen Tochter Zoe in Chemnitz unterwegs ist, schaut er sich gern markante Gebäude an. "Ich bin begeistert von moderner Architektur", sagt der 31-Jährige. Mit Stolz zeigt er ihr das Intenta-Firmengebäude an der Ahornstraße. Das neue Gebäude der Softwareentwicklungs-Firma erhielt dieses Jahr einen Chemnitzer Architektur-Preis. "Und für mich war dieses besondere Bauwerk die erste Baustelle", sagt der Rochlitzer, der im Oktober 2016 seine Ausbildung bei der Oberlichtenauer Baugesellschaft begann, die die Gebäude-Konstruktion errichtete.

Inzwischen hat Lederer seine zweijährige Ausbildung abgeschlossen - als bundesbester Nachwuchs-Hochbaufacharbeiter. Der junge Mann ist als Super-Azubi bei einer Feier von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geehrt worden. Insgesamt gab es in diesem Jahr 213 Bundesbeste in 215 Ausbildungsberufen. Höchstmögliche Punktzahl für den Abschluss war 100. Lederer schaffte 95. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, sagte: "Nutzen Sie den Rückenwind dieser Ehrung für Ihren weiteren Lebensweg."

Und Lederer ist beflügelt von dieser Ehrung. Am nächsten Tag absolvierte er seine schriftliche Abschlussprüfung als Beton- und Stahlbetonbauer, die weitere Spezialisierung in seinem Beruf. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagt der Super-Azubi. Dabei habe er zuvor nur vier Stunden Schlaf gehabt, "weil wir auf der Rückfahrt eine Autopanne hatten", so Geschäftsführer Dirk Siegel, der ihn nach Berlin begleitet hatte.

"Henning ist ein Super-Typ", sagt der 50-Jährige, der seit knapp 30 Jahren im Unternehmen ist. Er hatte sich vom Zimmermann, über Vorarbeiter, Polier, Bauleiter und Oberbauleiter bis zum Geschäftsführer "hochgearbeitet". Und hier sieht er Parallelen im Lebenslauf von Lederer. "So eine Karriere ist für Dich auch vorstellbar", sagt Siegel zum Azubi mit einem breiten Lächeln.

Lederer gibt sich bescheiden. Erst einmal wolle er seinen Abschluss machen, dann sich weiterqualifizieren. Dabei fasse er die Stationen Vorarbeiter und Polier schon ins Auge. "Auf der Baustelle hilft jeder dem anderen, wir sind eine gute Truppe", sagt Lederer. So gefalle ihm, dass man sich auch außerhalb der Arbeitszeit treffe, dieses Jahr etwa bei Paddeltour, Sommerfest und Weihnachtsfeier. Für ihn sei die gute Atmosphäre im Unternehmen wichtig, 65 Mitarbeiter seien überschaubar. Neben ihm werden aktuell weitere drei Lehrlinge ausgebildet. Henning werde im Team anerkannt und geschätzt, nicht nur wegen seines Super-Abschlusses, sagt Chef Siegel. Mit 31 Jahren verfüge er auch schon über einige Lebens- und Berufserfahrung, um für andere Vorbild zu sein. Lederer hatte nach dem Realabschluss zunächst Chemielaborant gelernt, aber gemerkt, dass diese Richtung ihm nicht liegt. "Das sture Auswendiglernen ist nicht mein Ding. Ich muss es gleich richtig begreifen", sagt der Rochlitzer. Nach Bundeswehr und Bauhelfer wurde er schließlich 2016 bei einer Ausbildungsmesse in Mittweida auf die Oberlichtenauer Baugesellschaft aufmerksam. "Da stimmte die Chemie sofort", sagt Bauingenieur Matthias Zimmermann, der den jungen Mann anheuerte.

Und Henning Lederer liebt die Herausforderungen. "Sonderschalungen für Betonteile, die nicht von der Stange kommen, üben auf mich einen Reiz aus", sagt der Super-Azubi. Die geschwungenen Rundungen seien für einen Schaler nicht einfach herzustellen. "Aber das macht unseren Beruf aus, Beton überlebt uns", sagt der 31-Jährige. Gegenwärtig ist er bei der Sanierung eines Wohnheims des Studentenwerks Chemnitz-Zwickau an der Vettersstraße in Chemnitz anzutreffen.

Das Bauunternehmen profitiert vom anhaltenden Bauboom. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Aktuell beginnen die Arbeiten an einem "baulich anspruchsvollen Verbindungsbauwerk" des Technischen Rathauses in Erfurt, erläutert Siegel. Die Arbeiten an der neuen Volksbank-Filiale an der Zschopauer Straße in Chemnitz stehen kurz vor dem Abschluss. Am Wochenende wurde eine neue Aldi-Filiale in Frankenberg zur Nutzung übergeben, ergänzt er. Damit sei der Umsatz des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent auf reichlich 17 Millionen Euro erhöht worden. Für nächstes Jahr sei der Bau eines neuen Erweiterungsbaus eines Bürogebäudes in der Nähe von Leipzig für rund 2,2 Millionen Euro in Bearbeitung. Über Fachkräftemangel klagt Siegel nicht. "Wir versuchen, uns die jungen Leute auszusuchen, die zu uns passen", sagt der Chemnitzer. Und wenn dann noch ein Super-Azubi darunter ist, freue es ihn umso mehr. Und vielleicht ist Henning Lederer wieder bei den bundesbesten Azubis dabei, denn in der Spezialisierung Beton- und Stahlbetonbauer vergleicht er sich im Herbst 2019 wieder mit besten Azubis dieses Fachs. "Die Prüfungsergebnisse stehen noch aus", sagt Lederer, der im Januar vorzeitig seine Lehrzeit abschließen darf.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...