Abriss abgewendet - Absperrgitter an Denkmal-Haus entfernt

Nach einer Notsicherung des Gebäudes an der Annaberger Straße wird nun auf die Zwangsversteigerung gewartet.

Altchemnitz.

Der Abriss des denkmalgeschützten Hauses Annaberger Straße 110 scheint wohl endgültig vom Tisch zu sein. Denn die Stadtverwaltung, die das Gebäude Anfang vergangenen Jahres wegen seines schlechten Zustandes und der damit verbundenen Gefahr für Passanten abreißen lassen wollte, hat die damals aufgestellten Absperrgitter vor dem Haus entfernen lassen. Auch die Warnbaken sind verschwunden. Damit war seit Februar 2018 eine Fahrspur der Annaberger Straße in landwärtiger Richtung gesperrt, weil die Stadtverwaltung fürchtete, dass sich Teile von dem maroden Gebäude lösen und auf die Fahrbahn fallen könnten. Auch der Bürgersteig direkt am Haus war etwa ein Jahr nicht begehbar.

Hintergrund der abgebauten Sperrgitter sind Sicherungsmaßnahmen, die am Gebäude im Februar und im März erfolgten, erklärt eine Stadtsprecherin auf Nachfrage. Der Eigentümer des Hauses Annaberger Straße 110 hatte damit den Besitzer der anderen Gebäudehälfte - Annaberger Straße 110a - beauftragt, so die Sprecherin. Im Anschluss an die Bauarbeiten habe ein Statiker bestätigt, dass die Standsicherheit des Daches wieder hergestellt wurde. Zudem seien bei der Notsicherung die Fassade des Hauses an der Annaberger Straße und der freistehende Giebel verankert worden. Dadurch sei die Gefahr eines Gebäudeeinsturzes beseitigt worden, teilte die Pressestelle der Stadtverwaltung weiterhin mit. Somit "bedarf es keines Eingreifens der Stadt mehr", betont die Sprecherin. Von einem Abriss werde deshalb "gegenwärtig Abstand genommen". Bereits vor einigen Wochen hatte Baubürgermeister Michael Stötzer erklärt, dass ein Abriss des Hauses momentan nicht mehr zur Debatte stehe.

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Wie es mit dem markanten Gebäude weitergeht, steht aber noch nicht fest. Es gibt Pläne des Hauseigentümers der Annaberger Straße 110a, auch die andere Haushälfte zu erwerben und somit in den Besitz des gesamten, Anfang des vergangenen Jahrhunderts errichteten Ensembles zu kommen. Doch das ist nur über eine Zwangsversteigerung möglich, da das Gebäude mit Altschulden belastet ist. Obwohl die Stadtverwaltung bereits im Januar vorigen Jahres einen Antrag auf Zwangsversteigerung beim Amtsgericht gestellt hatte, gibt es noch keinen Termin, sagte die Stadtsprecherin. Die Verwaltung sei jedoch zuversichtlich, dass es noch in diesem Frühjahr zu einem Termin komme. Geht der Plan auf und der Besitzer des Hauses 110a erwirbt das angrenzende Gebäude, wolle dieser den gesamten Komplex sanieren, fügte die Sprecherin hinzu.

Als die Pläne der Stadtverwaltung, das Haus abreißen zu lassen, Anfang 2018 öffentlich wurden, hatten Stadträte fraktionsübergreifend protestiert und das Vorhaben kritisiert. Sie forderten eine Notsicherung des Gebäudes. Die Verwaltung stoppte daraufhin den Abriss, für den der Bagger schon bereitstand.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    2
    bürgerenergie
    03.04.2019

    Noch vor wenigen Wochen hatten Stadträte im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss, in bezeichnender Visionslosigkeit und offenbar ohne Zutrauen in Engagement, sinngemäß nachgefragt, ob dies denn nun an der Annaberger Straße 110 endlich mal würde. Mit nicht gerade schmeichelnden Worten in Richtung des jetzigen Investors, der nun die Ernsthaftigkeit seiner Absichten mehr als deutlich belegt hat. Ich kann mich da bei ihm für manche Äußerungen von Stadtratskollegen nur stellvertretend entschuldigen und für das Engagement bedanken!

    So etwas macht Mut und sollte wieder mal ein klares Zeichen sein gegen weit verbreiteten Kleinmut, der in unserer Stadt viel zu viel wertvolle Initiative lähmt.

    Schön, dass sich das Baudezernat nach anfänglicher Skepsis den guten Argumenten zum Gebäudeerhalt von engagierten Bürgerinnen und Bürgern geöffnet hat. Einfach war die Sicherung eines solchen, fast einstürzenden Gebäudes ganz sicher nicht. Dass das nun aber sogar hier gelungen ist, das muss Hoffnung machen und Ansporn geben für viele andere, ähnliche (baulich aber meist weit einfachere) Fälle.

    Bernhard Herrmann
    Stadtrat B90/Grüne



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