Abrisshaus: Neues Gutachten aufgetaucht

Boden an der Annaberger Straße lehmig - Warnung vor Gebäude-Abbruch

Wird das denkmalgeschützte Haus Annaberger Straße 110, wie von der Stadtverwaltung bereits angeordnet, abgerissen oder gibt es für das Gebäude eine Rettung in letzter Minute? Mit dieser Frage haben sich am Dienstagabend die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses beschäftigt. Den Stadträten lag ein Papier des Bauamtes vor, laut dem der Abbruch des Gebäudes "schnellstmöglich" erfolgen soll. Begründet wird das mit der Gefahr für die Öffentlichkeit, die von dem baufälligen Gebäude laut Verwaltung ausgeht.

Doch auch ein Abriss könnte zu einer Gefahr werden: für die andere Gebäudehälfte, die Annaberger Straße 110a. Deren Eigentümer, Dietmar Jung, hatte von den Stadträten in der Sitzung Rederecht erhalten und warnte eindringlich vor einem Abriss des anderen Gebäudeteils. "Der Untergrund, auf dem das gesamte Haus steht, ist lehmig. Es wäre Leichtsinn, eine Hälfte abzureißen", betonte Jung. Das Haus könne nicht einfach in der Mitte abgebrochen werden, da es auf einer Bodenplatte stehe. Sollte es bei einem Abriss zu Schäden an seinem Haus kommen, so Jung weiter, werde er die Stadtverwaltung auf Schadenersatz verklagen. Jung bezog sich mit seiner Warnung vor dem lehmigen Untergrund auf ein rund 60 Jahre altes Gutachten der damaligen Technischen Hochschule Dresden. Es war für den Bau eines Hochhauses erstellt worden, das in den 1950er-Jahren gegenüber dem Häuserensemble Annaberger Straße 110/110a errichtet worden war. Dieses Haus lässt Vosi-Stadtrat und Unternehmer Lars Fassmann derzeit sanieren. "Während das Haus gebaut wurde, kippte das Fundament. Das Gutachten ergab, dass nach vier Metern Boden eine Lehmschicht kommt", erklärte er. Das erfordere eine Fundamenttiefe von sieben bis acht Metern, so Faßmann. Als er die Sanierung vorbereitete, habe er die Bauakte des Hochhauses angefordert, deren Bestandteil das Gutachten war.

Bernhard Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen) fragte die Verwaltung, ob die Risiken, die der Baugrund offensichtlich darstelle, beachtet wurden. Das musste die Leiterin des Baugenehmigungsamtes verneinen. "Das Baugrundgutachten liegt dem Amt nicht vor", räumte sie ein. Man werde jetzt Einsicht nehmen und die neue Situation prüfen, kündigte sie an.

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