Ärger auch auf offizieller B-95-Umleitung

Chemnitz diskutiert: Obwohl es während der Sperrung der B 95 eine eigene Umfahrung für Lkw gibt, kürzen die Brummis über eine Siedlung ab. Oft sind sie schnell unterwegs. Doch Anwohner frustriert auch die Kommunikation mit der Stadtverwaltung.

Klaffenbach.

Die Bewohner der Siedlung an der Chemnitzer Straße in Klaffenbach benötigen derzeit starke Nerven. Durch ihr Wohngebiet quält sich seit Anfang April der Umleitungsverkehr von der wegen Bauarbeiten gesperrten Annaberger Straße. Stoßstange an Stoßstange stehen die Fahrzeuge insbesondere im Berufsverkehr. Doch das ist bei weitem nicht das Schlimmste, sagt Anwohner Ronny Kurz. "Durch unser Wohngebiet fahren auch Lkw, obwohl für die eine andere Umleitung gilt", sagt er. Zudem würden sich viele Autofahrer nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern halten. "Bei uns wackeln die Gläser im Schrank, wenn der Busfahrer der Linie 210 durchbrettert", sagt Kurz. Er macht sich vor allem Sorgen um seine Tochter. Deren Schulweg führt zu einer Bushaltestelle in der Nähe des Kaufland-Marktes an der Chemnitzer Straße. "Dorthin gibt es keinen durchgängigen Fußweg", sagt Kurz. Weil ihm die Unfallgefahr zu groß ist, wird die Tochter nun zur Bushaltestelle gefahren, sagt Kurz. Er hält es für absurd, sagt er, dass der Verkehr einer Bundesstraße über ein Wohngebiet geführt wird, in dem Tempo 30 gilt.

Kurz wünscht sich von der Stadt neben Tempomessungen Kontrollen der Lkw-Fahrer, die über eine Straße fahren, die für sie verboten ist, sagt er. Ähnlich sieht das ein weiterer Anwohner. Ihm sind vor allem die Brummis ein Dorn im Auge. "Die rasen mit 100 Sachen über die Chemnitzer Straße", sagt der Mann. Weil zwei Lkw auf der engen Straße nicht aneinander vorbei passen, fahren sie auch über den Fußweg, hat er beobachtet. Weil ihm das zu gefährlich ist, fährt sein Kind nicht mehr mit dem Schulbus. "Wir fahren es mit dem Auto zur Schule", so der Vater. Doch das ist nicht sein einziger Ärger. Sauer ist er auch auf die Stadt. Vor vier Wochen habe er sich das erste Mal wegen des Verkehrsproblems auf der Chemnitzer Straße an das Rathaus gewandt. Bis heute hat er keine Antwort erhalten. "Die Stadt reagiert einfach nicht auf Bürgeranfragen. Das ist ein unmögliches Verhalten." Immerhin habe er kürzlich einen Mitarbeiter per Telefon erreicht. Der habe ihm gesagt, dass man sich mit der Situation auf der Chemnitzer Straße erst um Ostern herum beschäftigen könne. In den vergangenen Tagen habe man mit der Feudelstraße, über die ebenfalls Umleitungsverkehr der B 95 fließt, viel zu tun gehabt, habe ihm der Rathaus-Angestellte gesagt. In seiner Not hat sich der Anwohner am Freitag an das Wirtschaftsministerium in Dresden gewandt und in einer E-Mail die Probleme geschildert. Von der Stadt wünscht er sich vor allem Kommunikation. "Redet mit uns und setzt Tempo 30 um", fordert er. Mit einer Tafel, die die jeweilige Geschwindigkeit und je nach Tempo ein Lächeln oder ein trauriges Gesicht anzeigt, wäre seiner Ansicht mehr getan als mit punktuellen Geschwindigkeitsmessungen. "Und die Stadt sollte überdenken, ob sie mit der Chemnitzer Straße die richtige Umleitungsstrecke gewählt hat", so der Mann.

Die Stadt weist den Vorwurf zurück. "Die Chemnitzer Straße ist eine Vorfahrtsstraße und Ortsverbindungsstraße. Andere Straßen stehen in direkter Nähe nicht zur Verfügung", so eine Sprecherin. Sie kündigt Tempomessungen des Ordnungsamtes an der Chemnitzer Straße an. Die Frage, ob der Lkw-Verkehr an der Chemnitzer Straße kontrolliert wird, blieb unbeantwortet. Die Sprecherin nennt die Umleitung für Lkw über Neukirchen und die Stollberger Straße. Lkw, die aus dem Erzgebirge nach Chemnitz fahren, wird die Umleitung in Burkhardtsdorf angezeigt, so die Sprecherin. Dort wird auf eine Umfahrung über die B 180 verwiesen.


Wer will mitdiskutieren: Wie soll die Stadt mobil bleiben?

Am 30. April veranstaltet die "Freie Presse" unter dem Motto "Wie soll die Stadt mobil bleiben?" ein weiteres Leserforum aus der Reihe "Chemnitz diskutiert". Eingeladen sind Chemnitzer Bürger, im Business-Village an der Beckerstraße über alle Fragen der Verkehrsentwicklung in Chemnitz zu debattieren. In kleinen Gruppen soll diskutiert werden, wo genau welche Probleme liegen und was getan werden muss, um sie zu lösen. Die Moderation übernehmen Redakteure der "Freien Presse"; den Teilnehmern stehen mehrere beratende Experten zur Verfügung. Die "Freie Presse" wird den Verlauf und die Ergebnisse der Workshops dokumentieren und im Anschluss in der Zeitung sowie auf der Internetseite von freiepresse.de veröffentlichen. Wer an der Veranstaltung teilnehmen möchte, kann sich mit nebenstehendem Coupon bewerben. Insgesamt ist eine Anzahl von 25 Teilnehmern vorgesehen; sollte es mehr Bewerber geben, entscheidet das Los. (su)


Kommentar: Redet!

Die Bitte des Familienvaters aus Klaffenbach ist klar: "Redet mit uns", wendet er sich an die Stadtverwaltung. Seit vier Wochen wartet er auf eine Antwort aus dem Rathaus. Hinweise, dass das Rathaus Kommunikationsdefizite hat, kommen auch aus Harthau. Eine Einwohnerversammlung zur Großbaustelle B 95 hat es nicht gegeben. Stattdessen sollen Einwohner einen Brief der Verwaltung bekannt machen. Da kommt Frust auf. Für die Einwohner und ihre Probleme da zu sein, sollte die allererste Aufgabe einer Verwaltung sein. Dafür sind persönliche Gespräche nötig, vor Ort und das schnell.

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