Ärger um Taxi-Stopp vorm Ärztehaus

Mitarbeiter des Ordnungsamtes dulden offenbar keine Ausnahmen - auch nicht bei Fahrgästen mit Behinderungen.

Auf diesem Gehweg vor dem Ärztehaus Carolastraße 1 dürfen laut Stadtverwaltung keine Taxis halten, die Patienten abholen.
Ärger um Taxi-Stopp vorm Ärztehaus

Für Sie berichtet: Michael Brandenburg

Fahrgäste, die er von Ärztehäusern abholen soll, sind meistens nicht gesund. Deshalb ist es für Taxifahrer Claus Tanneberger selbstverständlich, dass er den überwiegend älteren, häufig gehbehinderten, mitunter auch sehschwachen Patienten weite Wege zu seinem Auto ersparen will. Also fuhr er auch vor dem Ärztehaus Carolastraße 1 auf dem breiten Gehweg bis vor die Tür, als er kürzlich per Funk den Auftrag erhielt, dort mehrere Fahrgäste abzuholen.

Doch dabei hatte Tanneberger, der nach eigenen Angaben seit 46 Jahren in Chemnitz Taxi fährt, nicht mit der Kompromisslosigkeit der Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes gerechnet. Einer von ihnen forderte ihn auf, den Gehweg unverzüglich frei zu machen. Denn diesen zu befahren und dort zu halten, sei auch Taxis verboten. "Er zwang mich wegzufahren, meine Fahrgäste hatten eben Pech", berichtet Claus Tanneberger. Er findet das Vorgehen des Ordnungsamtes nicht nur herz- und rücksichtslos gegenüber Kranken und Behinderten, sondern auch geschäftsschädigend für die Taxibranche.

Doch die Stadtverwaltung nimmt ihren Bediensteten in Schutz. Der Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung habe korrekt gehandelt, erklärt die Pressestelle des Rathauses auf Nachfrage von "Freie Presse". Der für Kontrollen des ruhenden Verkehrs zuständige Vollzugsbedienstete habe den Taxifahrer aufgefordert, vom Gehweg herunter zu fahren und auf der Straße zu parken, wo Platz dafür frei gewesen sei. Für den Fahrgast wäre der Weg bis zum Taxi nur etwa vier Meter länger gewesen. Der Bordstein vor dem Ärztehaus sei nur für Rollstuhlfahrer, nicht jedoch für Autos abgesenkt worden, teilt die Stadtverwaltung weiter mit. Und Gehwegparken gehöre nicht zu den erlaubten Ausnahmen für Taxis, was deren Fahrer eigentlich wissen müssten, hieß es. Zuwiderhandlungen hätten dagegen negative Vorbildwirkung für andere Autofahrer, so beispielsweise für Kunden einer benachbarten Bankfiliale an der Carolastraße.

Taxifahrer Claus Tanneberger hat dafür kein Verständnis. Er wünscht dem Mitarbeiter des Ordnungsamtes ironisch, "ewig gesund und kräftig zu bleiben".

3Kommentare
👍2👎1 Hinterfragt 10.08.2018 Bei dem stellenweise herablassenden und "ich habe Recht" -Umgang von Behördenmitarbeitern mit der Bevölkerung, muss man sich nicht wundern, dass diesen gegenüber dann auch oft mit Aggressivität gekommen wird.
Ich wünsche dem "Bediensteten", dass er auch in einer Ähnlichen Situation erst mal weit Laufen muss!
👍1👎2 Zeitungss 09.08.2018 @HHCL: Erfolgszwang treibt diese Leute, vorgegeben vom Arbeitgeber, da gibt es nun mal keine eigene Meinung. Wer das erwartet, lebt nicht in der Gegenwart.
👍6👎2 HHCL 09.08.2018 Es geht eben nicht um die Menschen, sondern darum stur irgendwelche Regeln abzuarbeiten. Diese Leute haben überhaupt keinen Kontakt zum realen Leben mehr.
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