Als Chirurg hat er am Krankenbett Politik gemacht

Ein Arzt ist als Ehrenbürger von Burgstädt geehrt worden. Dabei wurde nicht nur sein Engagement in der Wende gewürdigt.

Burgstädt.

Der Burgstädter Mediziner Dr. Norbert Linke ist Ehrenbürger seiner Stadt geworden. In einer kurzweiligen, von Stadträten, Vertretern des gesellschaftlichen Lebens und Weggefährten begleiteten Feierstunde wurde dem 77-Jährigen die Auszeichnung zugesprochen. "Norbert Linke hat sich in herausragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht, auch wenn er in seiner bescheidenen Art allein von ihm erwarteter Pflichterfüllung spricht", begründete Bürgermeister Lars Naumann die Würdigung, die mit Linke der fünfte Einwohner der Stadt erhält. Allein sein fast 40 Jahre währendes Engagement als Arzt verdiene die Anerkennung. Zunächst als Facharzt für Chirurgie, dann als ärztlicher Direktor der Poliklinik und später als Chefarzt im nach der Wende neu gebauten Krankenhaus erarbeitete er sich einen Ruf als hochqualifizierter Mediziner, umsichtiger und kollegialer Chef. Ihn zeichne genauso Organisationstalent samt Beharrlichkeit und ein enormes Maß an Hilfsbereitschaft aus, nie vor Problemen wegschauend, so das Stadtoberhaupt in seiner Laudatio.

Ungezählte Nacht- und Wochenenddienste bestimmten den Berufsweg des gebürtigen Schlesiers über Jahrzehnte, in denen 100 Dienststunden unter der Woche der Alltag waren. "Doch damit nicht genug. Wir würdigen zugleich seine Anstrengungen für unsere Stadt, die ihm nicht minder am Herzen liegt", so Naumann weiter. Denn neben Ehefrau und zwei Kindern sowie unterdessen vier Enkeln war der 1988 zum Medizinalrat ernannte Neuehrenbürger nicht nur mit seinem Krankenhaus liiert, die Kommune lag ihm genauso am Herzen. 1990 wurde Linke Stadtrat und begleitete dieses Wahlamt bis 2019. Mit Mandat der Freien Wähler agierte er zugleich seit 1994 als stellvertretender Bürgermeister.

Schmunzelnd zeichnete Lars Naumann das Bild, wonach der Chirurg quasi am Krankenbett der Patienten auch Kommunalpolitik gestaltete. Insofern zolle er seinen Respekt, dass der Ausgezeichnete ein um den Dialog bemühter Moderator sei, der versucht habe, zwischen Amtsstuben und Bürgern Brücken zu schlagen. Genau diese Aufbruchstimmung nach der Wende rückte den Arzt, der kein Freund pathetischer Zeremonien ist, noch einmal in den Blickpunkt. "Ungezählte Debatten führten wir gerade bis Mitte der 1990er-Jahre im Stadtrat, manchmal bis nach Mitternacht im Bemühen, unser Gemeinwesen neu zu organisieren, es handlungsfähig zu machen, Weichen zu stellen", so Lars Naumann, dessen Vater zu dieser Zeit die Amtsgeschäfte führte.

"Arzt war immer mein Berufsziel", sagte der Geehrte. Durch den Zweiten Weltkrieg verlor er die Eltern, wuchs bei Pflegeeltern nahe Dresden auf. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker besuchte er die Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Dresden. Anschließend folgte die Ausbildung am Berliner Krankenhaus Charité. Im Jahr 1968 kam Linke als Assistenzarzt nach Burgstädt, 1972 zog er in die Stadt. Er versicherte zum Festakt, dass er sich weiterhin in der Stadt engagieren wolle.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...