"Als Einzelkandidat hat man es schwer"

Bürgermeisterbewerber Robin Helmert zu seinem plötzlichen Eintritt in die CDU, neue Bürgernähe und Vorschläge, die im Sande verliefen

Claußnitz.

Am 1. September wird in der Gemeinde ein neuer Bürgermeister gewählt. Nach 28 Jahren tritt Günter Hermsdorf (CDU) vom Amt zurück. Robin Helmert ist von der CDU nominiert worden. Er will sich gegen Mario Lorenz (SPD) und Andreas Heinig (Freie Wähler) behaupten. Bettina Junge sprach mit dem Kandidaten.

Freie Presse: Die CDU hat plötzlich einen Kandidaten aus dem Ärmel gezaubert, der bislang parteilos war und nicht auf der Liste der CDU stand. Das verwundert. Klären Sie den Sinneswandel auf?

Robin Helmert: Es stimmt, für viele war dieser Schritt überraschend. Auch für mich war es eine schwierige Entscheidung. Wahrscheinlich hätte ich sowieso für das Bürgermeisteramt kandidiert, doch der CDU-Ortsverband ist auf mich zugekommen. Als Einzelkandidat hat man es schwer. Mit einer Partei im Rücken geht vieles einfacher. Deshalb bin ich Ende Juni in die CDU eingetreten.

Aber die CDU liegt ja in den Umfragen nicht gerade im Trend?

Auf dem Dorf spielen Parteien eigentlich eine untergeordnete Rolle. Es gab bei uns in Claußnitz bisher keinen Fraktionszwang. Ich sitze seit zehn Jahren für die Wählervereinigung Chemnitztal im Gemeinderat. Wir alle haben gemeinsam viel bewirkt. Ich denke ganz aktuell nur an den Grundschulanbau und den Turnhallenneubau. Mit Günter Hermsdorf, unserem bisherigen Bürgermeister, verbindet mich nicht nur das Interesse für die Ortsgeschichte, sondern auch unsere gemeinsamen Ziele für die Entwicklung unserer Chemnitztalregion.

Was würden Sie aber anders als der Vorgänger machen?

Er hinterlässt eine sehr gut funktionierende Verwaltung und hat viel für den Ort erreicht. Ich würde aber neue Medienwege der Kommunikation angehen. Das Rathaus muss sich mehr öffnen. Um junge Menschen zu erreichen, sollte man in sozialen Medien präsenter sein. Die Tagesordnung einer Gemeinderatssitzung nur im Amtsblatt abzudrucken, ist nicht mehr zeitgemäß. Aber ich bedauere auch, dass einige meiner Vorschläge aus dem Gemeinderat nicht beachtet wurden und im Sande verlaufen sind.

Haben Sie dafür Beispiele parat?

Zur Gemeinderatssitzung im September 2009 hatte ich erstmals angefragt, ob man für größere Kinder einen Spielplatz um eine Halfpipe für Skateboarder ergänzen könnte. Seitens der Verwaltung hieß es, dass man das prüfen wolle. Bei meiner Nachfrage im November kam in der Diskussion der Vorschlag der Freien Wähler, den Standort Spielplatz Markersdorf zu prüfen. Aber es tat sich nichts. Im April 2010 fragte ich wieder nach. Diesmal schlug der Bürgermeister vor, dass sich eine Halfpipe auf dem Spielplatz in Markersdorf anbiete. Doch bis heute wurde nichts unternommen. Ähnlich sieht es mit einem Tempo-Smiley-Schild für unsere Ortsstraßen aus. Im Juni 2017 schlug ich das Aufstellen eines Leihgerätes zum Test vor. Es dauerte lang, bis diese Idee jetzt aufgegriffen wurde.

Wie könnte Ihre neue Bürgernähe aussehen?

Wir müssen mehr für unsere Themen der Kommunalpolitik werben. Ich wünsche mir, dass die Bürgerfragestunde im Gemeinderat stärker genutzt werden würde, damit wir die Probleme der Bürger noch besser kennenlernen. Aber auch Bürgerversammlungen zu bestimmten Themen sind vorstellbar oder Abstimmungen über Projekte. Vielleicht lässt sich ein Budget im Haushalt einstellen, mit dem direkt Projektvorschläge von Einwohnern gefördert werden könnten. Als Bürgermeisterkandidat bin ich in den letzten Wochen von Haustür zu Haustür gegangen. Es gab viele Gespräche, ich bin in die Wohnungen eingeladen worden. Es gibt einiges, was den Leuten auf den Nägeln brennt. Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen. Oft gibt es Berührungsängste, dass man als Bürger im Gemeinderat Probleme anspricht. Da müssen wir neue Wege gehen und den Menschen zuhören.

Haben Sie heute noch Bauchschmerzen, wenn Sie an Entscheidungen des Gemeinderates denken, die Sie nicht verhindern konnten?

Ja. Vor allem, als die Einwohner von Markersdorf die Chance hatten, einen Netto-Markt zu erhalten, hat das der Rat abgelehnt - auch weil es Bedenken seitens des Simmel-Marktes gab. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass zwei Einkaufsmärkte bei uns eine Chance gehabt hätten. Oder die Schließung des Jugendklubs. Der Leipziger Verein hatte sich als Träger der Einrichtung zurückgezogen, weil die Besucherzahlen rückgängig waren. Hier hätten wir intensiver nach Lösungen oder Alternativen suchen sollen.

Und was halten Sie von einer Eingemeindung?

Wenn der Freistaat dies nicht zwangsweise verordnet, lehne ich eine Eingemeindung ab. Wir haben gut gehaushaltet, sind schuldenfrei. Es besteht also kein Grund, die Selbstständigkeit aufzugeben. Aber wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, beispielsweise die Vertreterrolle bei den Standesbeamten mit Königshain-Wiederau. Auch mit Taura und Lichtenau gibt es ein Miteinander. Es gibt aber noch Reserven.

Können Sie das näher erläutern?

Wir müssen noch mehr über den eigenen Tellerrand schauen. Bei großen Aufgaben sollten die Gemeinden besser zusammenarbeiten. Ich denke nur an die Grundschulen beziehungsweise Kindergärten in Köthensdorf und Claußnitz, die jetzt in beiden Orten aufgrund mangelnder Kapazität sehr kostenintensiv ausgebaut werden. In Taura steht dagegen die alte Schule leer. Hätten nicht Claußnitz und Taura in dieser Richtung gemeinsam Projekte angehen können?

Sollten Sie als Bürgermeister gewählt werden, bleibt Ihr Sitz der Wählervereinigung Chemnitztal dann verwaist?

Natürlich nicht. Martin Bauch als Ersatzperson würde dann nachrücken. Als Hochschuldozent und vor allem Dolmetscher und Übersetzer mit vielen Jahren Auslandserfahrung kann er ganz neue Blickwinkel einbringen. Wir hatten 2009 die Wählervereinigung Chemnitztal gegründet, damit Markersdorf ein stärkeres Gewicht in der Gemeinde erhält und der Chemnitztalradweg auf den Weg gebracht wird. Das ist gelungen. Die Wählervereinigung soll auch zukünftig das Sprachrohr der Ortsteile bleiben.

Und welche Optionen haben Sie, wenn es mit der Wahl nicht klappt?

Ich habe einen interessanten Job bei der Citybahn. Außerdem fordert mich der Eisenbahnverein, dessen Vorsitz ich als Bürgermeister allerdings abgeben würde, und wäre weiter Gemeinderat.


Robin Helmert

Der 37-Jährige ist in Karl-Marx-Stadt geboren und in Taura aufgewachsen. Er wohnt im Claußnitzer Ortsteil Diethensdorf. Helmert ist ledig, aber in einer festen Beziehung. Er ist ausgebildeter Triebfahrzeugführer, also Lokomotivführer. Bis 2018 arbeitete er in diesem Beruf bei der Deutschen Bahn. Seither ist er Personal- und Fahrzeugdisponent bei der Citybahn. Seit über zehn Jahren sitzt er für die Wählervereinigung Chemnitztal, die er 2009 mitgegründet hat, im Gemeinderat Claußnitz. Seit Juni 2019 ist er Mitglied der CDU. Seine Hobbys drehen sich um die regionale Industrie- und Verkehrsgeschichte und die Feuerwehr. Er ist Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Chemnitztal. (bj)

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