Altes Fabrikanten-Porträt zufällig in Chemnitz entdeckt

Ein Chemnitzer Künstler malt einen Chemnitzer Industriellen. Jetzt ist das Werk erstmals öffentlich gezeigt worden. Doch es gibt noch Rätsel auf.

Schlosschemnitz.

Ein Überraschungsfund ist gestern in der Schönherrfabrik erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden: ein erst kürzlich entdecktes, 107 Jahre altes Ölgemälde des Chemnitzer Industriellen Louis Ferdinand Schönherr. Es wurde ein Jahr vor Schönherrs Tod 1910 vom Künstler Hugo Schimmel gemalt und zeigt den greisen Fabrikbesitzer auf einen Stock gestützt und mit weißen Haaren und weißem Bart.

Zufällig sei man bei Arbeiten für ein Buch über den Industriestandort Schönherrfabrik auf das Gemälde gestoßen, berichtete Steffen Jacob, Inhaber und Geschäftsführer der Werbeagentur Punkt 191 Marketing und Design. "Wir wussten nicht, dass wir einen solchen Schatz heben würden", sagte er. Bei Bildrecherchen im Internet wurde das Porträt zu Jahresbeginn entdeckt. "Es stand zum Verkauf bei einem Kunstsammler in Chemnitz", erzählte Jacob. Wie viel Geld er für die Schenkung ausgegeben habe, wollte Jacob nicht verraten. Darüber wurde mit dem Verkäufer Stillschweigen vereinbart, sagte er. Auf einer Auktionsseite im Internet ist das Bild nach wie vor zu sehen. Mit dem Verweis "Verkauft" ist das Ergebnis der Versteigerung nachzulesen: 420 Euro.

Das Gemälde, von Hugel Schimmel signiert und mit der Nummer 156 versehen, übergab Jacob gestern als Schenkung an die Vorsitzende des Vereins Schönherr 200. "Ich finde es berührend, ausgerechnet im Jubiläumsjahr dieses Bild zu erhalten. Das ist toll", sagte Birgit Eckert, zugleich Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Weba der Schönherrfabrik. Louis Ferdinand Schönherr wurde vor 200 Jahren geboren. Das Werk soll künftig, für die Öffentlichkeit sichtbar, in der Schönherrfabrik ausgestellt werden, kündigte Birgit Eckert an. Wo, das sei noch unklar.

Somit sollen die Chemnitzer und ihre Gäste die Möglichkeit erhalten, ein Gemälde zu sehen, das nicht nur den Erfinder des mechanischen Tuchwebstuhls und Gründer der Sächsischen Webstuhlfabrik zeigt, sondern auch von einem einheimischen Künstler gestaltet wurde. Hugo Schimmel stammt aus einer Chemnitzer Industriellenfamilie. Er malte das Bild von Louis Ferdinand Schönherr in München. Doch der greise Schönherr musste die beschwerliche Reise aus dem Vogtland, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, ins Bayerische nicht auf sich nehmen. Schimmel zeichnete das Porträt anhand eines Fotos, das 1905 aufgenommen worden war, brachte Steffen Jacob in Erfahrung. Doch gelte es noch einige Rätsel um das Bild zu lösen, sagt er. So sei unklar, in wessen Besitz das Bild nach seiner Fertigstellung kam und warum es gemalt wurde. Licht ins Dunkel könne hier vielleicht der Verein Schönherr 200 bringen, hofft Jacob.

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