Amt gehen die Ärzte aus - Weniger Impftage als früher

Mehrere Stellen im Gesundheitsamt sind unbesetzt. Der Personalmangel führt sogar dazu, dass Kollegen aus dem Ruhestand einspringen.

Einmal im Jahr lädt das Gesundheitsamt normalerweise die Presse ein, um die Öffentlichkeit auf den Start der Grippeschutzimpfungen aufmerksam zu machen. Das war am Montag der Fall. Doch was dabei vor allem deutlich wurde: Die Mitarbeiter der Behörde haben unter Personalmangel zu leiden. Früher gab es eine regelmäßige Impfsprechstunde. In diesem Jahr bietet das Gesundheitsamt nur noch vier Termine (siehe Kasten) an, an denen man sich impfen lassen kann.

Amtsarzt Dr. Harald Uerlings sagt, man sei bei der Schutzimpfung ohnehin vor allem für Menschen zuständig, die keinen Zugang zu einem Hausarzt haben. "Wir können nicht alle Chemnitzer impfen", so der Leiter des Gesundheitsamtes. Im vergangenen Winter wurden in der Behörde 800 Chemnitzer geimpft. Das sei auch das Ziel für diese Saison, so Uerlings. Noch sei die Grippewelle nicht da. Man rechnet Anfang 2020 mit ihrem Beginn.

Uerlings, der ein optimistischer Mensch zu sein scheint, spricht von "dauerhaft großer Belastung". Insgesamt sollten in seiner Behörde 17 Ärzte arbeiten. Allerdings seien 3,5 Stellen seit langem nicht besetzt. Zwei davon gehörten zum Bereich Hygiene. Allerdings sei man damit nicht allein. Denn Fachärzte für Hygiene seien in Deutschland länger gar nicht ausgebildet worden. Erst seit kurzem werde das wieder getan.

Die weiteren offenen Stellen befinden sich im Bereich der Tuberkulose-Fürsorge sowie im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst. Erschwerend hinzu komme, dass eine Kollegin dauerhaft krank sei. Eine weitere verabschiede sich Anfang Dezember in den Mutterschutz. "Wir springen halt überall ein", sagt Dr. Karin Schreiter, die die Impfstelle und die Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit betreut.

Einspringen müssen auch andere Ärzte. Denn eine der großen Aufgaben des Gesundheitsamtes sind die Schuleingangsuntersuchungen. Jährlich müssen über 2000 Kinder begutachtet werden. Eine Aufgabe, die seit mindestens fünf Jahren Ärzte im Ruhestand übernehmen. Aktuell würde man mit sieben solcher Kollegen auf Honorarbasis zusammenarbeiten, so Uerlings.

Das Gesundheitsamt ist ebenso vom Ärztemangel betroffen wie Kliniken und niedergelassene Ärzte auf Nachfolgersuche. Darum hatte die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE) den Auftrag erhalten, sich auch um die Ansiedlung von Ärzten in der Stadt zu kümmern. Ärzte, die bei der Stadt angestellt sind, gehörten da ebenso dazu, sagt Susann Schaper, Fraktionsvorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der Partei Die Linke im Stadtrat. Sie weist darauf hin, dass hinter dem Gesundheitsamt "kein trommelnder Chor" stehe. Im Gesundheitsamt gebe es zwar eine extrem vielfältige Arbeit, aber keinen festen Patientenstamm. Niemand sehe die Arbeit, damit fehle die Lobby, so Schaper. Außerdem würden Ärzte außerhalb der Verwaltung das Dreifache verdienen können. Geregelte Arbeitszeiten wie im Amt würde auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bieten - allerdings bei besserer Bezahlung. "Ich wünsche mir die Flexibilität, die Ärzte außertariflich zu bezahlen", so Schaper. Andere Städte hätten das bereits erkannt, Chemnitz nicht.

Ganz genauso sieht das Stadträtin Ines Saborowski (CDU). Der Lohn im Amt sei für Ärzte nicht interessant, zumal es gleichwertige Angebote - auch sie nennt den MDK - gebe. Wie Schaper spricht sie sich für eine außertarifliche Bezahlung aus. Sie werde das Thema in den nächsten Sozialausschuss mitnehmen und anfragen, was die Stadt gedenke, zu tun, verspricht sie.


Amtsarzt: Grippeimpfung schützt vor dem Tod

Das Gesundheitsamt bietet vier Tage an, an denen sich Menschen, die keinen Hausarzt haben, gegen Grippe impfen lassen können. Die Termine sind am 10. Oktober, 7. und 28. November sowie 5. Dezember, jeweils 8 bis 11 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr. Geimpft wird Am Rathaus 8, Zimmer 240. Auch Hausärzte, Kinderärzte und Betriebsärzte impfen gegen Grippe.

Empfohlen wird die Impfung für alle Menschen. Die Impfung helfe in jedem Fall. "Wenn Sie geimpft sind, sterben sie nicht an der Grippe", sagt Amtsarzt Dr. Harald Uerlings, selbst wenn eine Variante des Virus greife, die nicht eins zu eins im Vierfach-Impfstoff enthalten sei. Im vergangenen Winter sind in Sachsen 74 Menschen an Grippe gestorben. (jpe)

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