Anwohner fordern schnellen Brückenbau an Ortsdurchfahrt

Seit neun Monaten ist die Überführung gesperrt, weil sie einsturzgefährdet ist. Tauraer Einwohner kritisieren die Arbeit des Rathauses. Sie haben mehrere Lösungsvorschläge.

Joachim Heinze, Mike Eichhorn und Dieter Vollert (von links) wohnen an der Hauptstraße 109 bis 113 in Taura. Weil eine Zufahrtsbrücke baufällig ist, können sie nicht mehr mit dem Auto zu ihren Häusern. Jetzt soll das Bauwerk erneuert werden. Aber sie fordern eine Zwischenlösung.

Für Sie berichtet: Bettina Junge

Joachim Heinze hat sich einen großen Karren besorgt. Darauf laden er und Anwohner Wasser- und Bierkästen, alle nötigen Einkäufe. Die Tauraer müssen Besorgungen etwa 300 Meter auf dem Karren bugsieren. "Anfangs habe ich alles getragen, das war eine Schufterei", sagt der 66-Jährige. Denn seit neun Monaten kann er sein Auto nicht mehr direkt vor seinem Haus an der Hauptstraße 109 in Taura parken, weil die Zufahrtsbrücke gesperrt ist. Sein Auto muss er in der Ortsdurchfahrt oder in einer Nebenstraße abstellen. Das beträfe auch alle 22 Bewohner von drei Mehrfamilienhäusern, die etwa zehn Stellplätze und eine Garage nicht nutzen können.

"Für mich ist es auch belastend", sagt Mike Eichhorn. Der 45-Jährige betreibt eine Trocken- und Ausbaufirma. "Wenn ein Lkw Baumaterial liefert, wird das ein Verkehrschaos", fügt er hinzu. Denn die Fahrzeuge versperrten die Straße und könnten nicht mehr auf den Hof fahren. Außerdem könne er technische Geräte seiner Firma wie die Putzmaschine aus Sicherheitsgründen nicht im Firmenfahrzeug unweit des Grundstücks belassen. "Jeden Morgen packen mehrere Nachbarn mit an, um die Geräte zum Auto zu schaffen", ergänzt er. Seine Mutter Petra Eichhorn schimpft: "Mein Sohn bezahlt doch Grund- und Gewerbesteuer. Da erwarte ich, dass uns die Gemeinde hilft." Ein Bürgermeister müsse doch für die Bürger da sein, fügt die 66-Jährige hinzu.

Sie und weitere Anwohner fühlten sich von der Gemeinde allein gelassen. Deshalb hatte Joachim Heinze in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Problem angesprochen und vorgeschlagen, eine Behelfsbrücke für die Zwischenzeit zu bauen oder zu mieten bzw. eine andere Zufahrt zu den Grundstücken zu gewährleisten. Bauamtschef Hannes Langen versprach, das zu prüfen.

Heinze machte auf weitere Probleme aufmerksam: Vor ein paar Tagen sei ein Mieter gestürzt. Eine Geschäftsfrau habe den Mann mit gebrochenem Bein nach Hause bringen wollen. Aber weil die Brücke gesperrt ist, sei kein Herankommen gewesen, auch für den Rettungsdienst nicht. Etwa eine halbe Stunde lang habe das Fahrzeug die Ortsdurchfahrt versperrt. Es sei beinahe zu Unfällen gekommen, weil Autofahrer an einer Kurve das Hindernis zu spät bemerkt hätten, erzählt er.

"Jetzt zieht ein neuer Mieter bei mir ein", sagt Heinze. Er wisse noch nicht, wie er den Umzug bewerkstelligen solle, wenn der Möbelwagen weit entfernt vom Haus parken müsse. Und Mike Eichhorn ergänzt: "Wir sind froh, dass wir für September einen Termin beim Dachdecker erhalten haben. Ich weiß gar nicht, wie die Handwerker zu uns gelangen können." Es sei beschwerlich, Materialien, Gerüst und Werkzeug zum Haus zu bringen. Aber das Dach müsse gedeckt werden. Angesichts der guten Auftragslage im Handwerk sei es sowieso schwierig, Handwerker zu finden.

Finanziell hätten die Anwohner schon Einbußen hinnehmen müssen, sagt Heinze. Denn die Brücke gehört den Anwohnern, hieß es jahrelang bei Anfragen der Anwohner im Rathaus. Als 2009 eine neue Wasserleitung gebaut wurde, die durch den Dorfbach verlief, waren vor und nach der Brücke tiefe Schächte gegraben worden, erinnert sich Heinze. Dann habe die Baufirma wahrscheinlich nicht richtig die Erde verdichtet, die Brücke sei nach unten gesackt. "Wir wollten die Baufirma für die Schluderei haftbar machen", sagt Heinze. Ein Gutachten sei für 600 Euro erstellt worden. Die Anwohner nahmen sich einen Anwalt. Doch zum Gerichtsverfahren kam es nicht, sagt Heinze. Als er einen Kredit bei seiner Bank für den Brückenbau aufnehmen wollte, habe er dann erfahren, dass die Brücke gar nicht den Anwohnern, sondern der Gemeinde gehört. "Da lässt man uns jahrelang im Irrglauben und spekuliert noch drauf, dass wir die Brücke erneuern", sagt Petra Eichhorn.

Jetzt hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Brücke mit geschätzten Kosten in Höhe von rund 193.000 Euro erneuert wird. Geplant ist eine Betonbrücke mit einer befahrbaren Stahlbetondecke, heißt es im Ratsbeschluss. Wie ein Ingenieurbüro informiert, sei bei einer Prüfung im November 2017 empfohlen worden, die Brücke abzusperren, eine Absturzsicherung vorzunehmen und die Tonnage zu begrenzen. Seitdem könnten nur Fußgänger die Brücke passieren, hieß es zur Gemeinderatssitzung. Bürgermeister Robert Haslinger kündigte für nächstes Jahr den Bau an. Fördermittel sollen beantragt werden. Zu den Vorwürfen der Anwohner wolle er sich nächste Woche äußern, sagte er am Freitag auf Nachfrage.

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