Anwohner fordern wegen Lärm neuen Hubschrauber-Standort

Die Flüge der Bundespolizei über den Norden der Stadt sorgen für Frust. Die Entscheidung über eine neue Basis für den Helikopter liegt in Berlin.

Borna-Heinersdorf.

Die nahegelegene Autobahn, reger Lkw-Verkehr aus und zu den Gewerbegebieten - Bewohner des Chemnitzer Nordens leben mit reichlich Verkehrslärm. Doch am meisten stört sie das Fluggetöse, das der Hubschrauber der Bundespolizei verursacht. Der starte und lande an seinem Standort an der Bornaer Straße 205 nicht nur vorrangig am späten Abend und nachts, sondern fliege auch besonders tief über die Wohnhäuser, lauteten die häufigsten Vorwürfe bei einer Bürgersprechstunde der Partei Die Linke am Dienstagabend im Freizeitzentrum Glösa.

Schon seit längerem beschweren sich Anwohner über die Flüge der Bundespolizei. Deshalb luden die Stadträte Susanne Schaper und Hans-Joachim Siegel Vertreter zur Sprechstunde ein. Die Beamten beantworteten Fragen der rund 40 Besucher, machten aber auch klar, das der Fluglärm nicht abnehmen wird und eher mit einer Zunahme der Flüge zu rechnen ist. "Hubschrauber machen Lärm, das ist nicht zu ändern", sagte Pilot Jürgen Errerd.


Er bestätigte die Wahrnehmung von Anwohnern, dass es seit einiger Zeit mehr Flüge gibt. Seit zwei Jahren teile sich der Chemnitzer Standort die Bereitschaft mit der Helikopter-Basis in Halle, so Errerd. "Je zwölf Stunden übernehmen die Kollegen dort, die anderen zwölf Stunden die Chemnitzer, so dass wir 24 Stunden abdecken können", erklärte der Pilot. Tages- und Nachtdienste wechselten. Von Chemnitz steuerten die Piloten vorrangig Einsätze in Thüringen und Mittelsachsen an, darunter oft bei Fußballspielen, etwa in Erfurt und Jena, so Errerd. Diese Flüge erfolgten vorrangig am Wochenende. Da die Einsätze oft spät zu Ende gingen, landeten die Helikopter häufig erst am späten Abend oder in der Nacht in Chemnitz, so Errerd. Zudem werden vom Standort an der Bornaer Straße Einsätze entlang der Grenze und über Bahnschienen geflogen, wie die der ICE-Verbindung von Berlin nach München, die durch den Thüringer Wald führt. Hinzu kommen nächtliche Einsatzflüge für das Land Sachsen. Werden Menschen vermisst, werde man vom Land angefordert, sagte Reinhard Wulf von der Bundespolizei in Pirna. Insgesamt gibt es in Mitteldeutschland drei Hubschrauberstandorte der Bundespolizei. Neben Chemnitz und Halle werden Einsätze auch von Bautzen geflogen, so Wulf.

Gerüchten, wonach die Piloten in Chemnitz nach Lust und Laune durch die Gegend und über Häusern besonders tief fliegen würden, trat Jürgen Errerd energisch entgegen. "Wir fliegen nur nach Auftrag, der vorher durch die Bundespolizei in Pirna geprüft wird. Wir fliegen nicht aus Spaß, Jux und Tollerei." Für die Flugrouten bei Start und Landung orientierten sich die Piloten an der Windrichtung. Es sei generell nicht einfach, von Chemnitz zu fliegen, da sich der Start- und Landeplatz in einem Kessel befinde, erklärte der Pilot. Vom Fliegerischen her sei der Standort deshalb nicht optimal.

Susanne Schaper nahm diese Neuigkeit mit Interesse auf. Das sei ein Argument, um auf einen anderen Standort zu drängen, sagte sie. Zuvor hatte sich in der Versammlung herauskristallisiert, dass nur eine Verlegung des Hubschrauberstandortes zu einer Verbesserung der Lärmsituation führen kann. "Die Flüge zu jeder Tageszeit sind eine Zumutung für die Anwohner. Es wird so tief geflogen, dass man denkt, der Hubschrauber landet auf dem Garagendach", kritisierte eine Frau. Und sie fragte: "Was ist mit einer Verlegung des Standortes?"

Darum will sich Susanne Schaper nun kümmern. Entscheidungen über die Lage eines Standortes trifft das Bundesinnenministerium, dem die Bundespolizei untergeordnet ist, sagte Pilot Errerd. Deshalb will sich die Landtagsabgeordnete an das Ministerium wenden und parallel mit der städtischen Baubehörde nach Ausweichflächen suchen, um dem Ministerium Alternativen zu bieten.

Das Bundesinnenministerium ist Arbeitsplatz des CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Chemnitzer Umland, Marco Wanderwitz. Der Staatssekretär ist für die Themen Wohnen und Heimat zuständig, will aber Erkundigungen zum Chemnitzer Fluglärm einziehen. Zunächst müsse man das Thema im Ministerium fachlich bewerten, sagte Wanderwitz. Es könne jedoch kein Nachteil sein, wenn alternative Flächen vorhanden wären.

Fragen der "Freien Presse" zum Hubschrauberstandort beantwortete das Bundesinnenministerium bis Mittwochabend nicht.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    1371270
    09.08.2019

    @tfr: Da werden sich mit Sicherheit in Jahnsdorf und Umgebung ebenso viele durch die Hubschrauber gestört fühlen!

  • 2
    1
    tfr
    09.08.2019

    Warum kann der Standort nicht auf den Flugplatz Jahnsdorf verlegt werden?



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