Anwohner-Kritik wegen Kraftwerksplänen

Das Vorhaben des Abfallwirtschafts-Verbandes, am Weißen Weg Müll-Pellets zu verbrennen, sorgt für Unmut. Wer in der Nähe wohnt, fürchtet nicht nur gesundheitliche Folgen.

Hilbersdorf/Euba.

Als Renate Prater gestern früh aus der "Freien Presse" von den Plänen des Abfallwirtschaftsverbandes erfuhr, reagierte sie verärgert. "Ich halte gar nichts davon, dass hier Müll verbrannt werden soll. Das habe ich zu DDR-Zeiten schon einmal erlebt", sagt sie. Damals habe sich der Rauch auf das nahe Wohngebiet und umliegende Felder gelegt, erinnert sie sich. Die 82-Jährige lebt seit 1965 am Weißen Weg nahe der Sortieranlage des Verbandes. Direkt nebenan will die kommunale Organisation ein Kraftwerk errichten, das jene Pellets verbrennen soll, die zuvor aus dem Hausmüll der Region erzeugt wurden. Bislang werden die Pellets in die Lausitz gebracht und dort in Kohlekraftwerken verwertet. Da aber die Verträge mit den Anlagenbetreibern auslaufen, will der Verband die Verbrennung ab 2020 selbst übernehmen. Damit sollen Strom und Fernwärme erzeugt werden.

Laut Stadtverwaltung befinden sich die Wohnhäuser weit genug entfernt von jenem Grundstück zwischen Weißem Weg und Dresdner Straße, wo das Kraftwerk entstehen soll. Renate Prater fürchtet dennoch Auswirkungen. "Die Schadstoffbelastung würde sicher steigen", sagt die Rentnerin. Zudem ist sie sicher, dass der Wert der Grundstücke in dem Wohngebiet sinken wird. Auch ihr Nachbar Stefan Tetzner ist entschieden gegen die Pläne. "Ich dachte, die Verbrennung in der Lausitz wäre so optimal", sagt er. Dort gebe es schließlich schon bestehende Anlagen zur Entgiftung. Zudem sei die Lausitz deutlich weniger dicht besiedelt. Sollten die Pläne Realität werden, könne er sich vorstellen, sich mit seinen Nachbarn dagegenzustellen.

Helga Dietz, die mit ihrem Mann in einem Haus an der Straße Am Beutenberg wohnt, sorgt sich um den Status des Zeisigwaldes als Naherholungsgebiet. "Die Anlage gehört einfach nicht hierher", sagt sie. Sie befürchte Lärm und Geruchsbelästigung. Eine Bekannte von ihr habe nach Bekanntwerden der Pläne angekündigt, ihr Gartengrundstück in dem Wohngebiet aufzugeben.

Viele Besitzer der Kleingärten in den umliegenden Anlagen wollen dagegen zunächst abwarten. ,,Bislang habe ich davon noch gar nichts gehört", sagt Heinrich Behnke. Der 78-Jährige besitzt eine Parzelle in der Anlage ,,Hilbersdorfer Höhe", die etwa 500 Meter von der potenziellen Baufläche entfernt liegt. Behnke schätzt die Auswirkungen deshalb als ,,wahrscheinlich relativ gering" ein. Allerdings habe er sich mit der Thematik bislang nicht im Detail beschäftigt, sagt er.

Deutlich näher am Weißen Weg liegt die Kleingartenanlage Reichsbahn-Wohlfahrt. Dort befindet sich das Grundstück von Rolf Winter, der von den Plänen des Verbandes ebenfalls überrumpelt wurde. ,,Das ärgert mich ganz besonders", sagt der 72-Jährige. Er will allerdings erst einmal die Entwicklung abwarten. Noch gut erinnert sich Winter an die ehemalige Tierkörperbeseitigungsanlage an der Dresdner Straße, die 2004 geschlossen und ein Jahr später schließlich abgerissen wurde. ,,Der Gestank war damals je nach Windrichtung phasenweise bestialisch", berichtet er. So schlimm, fügt er hinzu, könne es mit dem Müllkraftwerk gar nicht werden. Renate Waldeck, deren Schrebergarten in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, stimmt ihm zu. ,,Mir wäre es natürlich lieber, wenn das Kraftwerk woanders gebaut wird, aber eine Geruchsbelästigung wie bis vor reichlich zehn Jahren befürchte ich nicht", sagt sie.

Auch Anwohner Jörg Feldkamp, bis 2011 Direktor des Chemnitzer Industriemuseums, ist gegen die Neubaupläne. Schon jetzt gebe es Tage, berichtet er, an denen ein deutlicher Müllgeruch über dem als Naherholungsgebiet ausgewiesenen Zeisigwald schwebt. Von dem Kraftwerk würden zusätzliche Emissionen ausgehen, ist er überzeugt. "Ich kann nur hoffen, dass sich die Stadträte nicht voreilig entscheiden werden", stellt Feldkamp fest.

Die Pläne des Verbandes sorgen auch im Chemnitzer Nachbarort Niederwiesa für Verunsicherung. Sie habe aus der "Freien Presse" von den Vorhaben erfahren, sagte gestern Bürgermeisterin Ilona Meier und fügte hinzu: "Ich muss mich über das geplante Vorhaben zunächst einmal informieren, bevor ich mich dazu äußern kann."

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