Anwohner lüftet Rätsel um das Hirsch-Denkmal

Bis Ende der 1950er-Jahre gab es in Rabenstein einen besonderen Wegweiser. Warum er verschwunden ist, blieb bislang ungeklärt.

"Wo ist der Hirsch von der Pelzmühlenstraße geblieben?" Diese Frage hatte unlängst eine "Freie Presse"-Leserin der Redaktion gestellt. Die Frau, Jahrgang 1955, erinnert sich noch daran, als Kind in Rabenstein eine Hirsch-Skulptur gesehen zu haben, die den Weg zur Pelzmühle wies. Später seien Figur und Sockel allerdings verschwunden.

Im Rathaus und im Tierpark sei dazu nichts mehr bekannt, hatte die Stadtverwaltung auf Anfrage erklärt und an die Unabhängige Bürgerinitiative Rabenstein verwiesen. Deren Mitglied, Ortschronist Lothar Schilde, wusste immerhin, wer den Wegweiser in Auftrag gegeben hatte: Es war der damalige Wirt der Pelzmühle, Arthur Peter, der 1927 nicht nur zwei Hirsch-Figuren am Eingang des Ausflugslokals von der Nevoigtstraße auf hohe, portalartige Sockel setzen, sondern auch einen dritten Hirsch am Abzweig der Pelzmühlenstraße von der damaligen Limbacher und heutigen Oberfrohnaer Straße aufstellen ließ.

Doch wann der Wegweiser abgebaut wurde und wohin der Hirsch geriet, wusste auch der Chronist nicht genau. Der heute 81-Jährige erinnerte sich nur, gehört zu haben, dass ein Lastwagen gegen den Sockel gefahren sein soll und diesen beschädigt hatte, sodass der Hirsch aus Sicherheitsgründen entfernt worden sei.

Lothar Schilde deckte dabei eine Fälschung auf: Auf einer Postkarte, die Gastwirt Peter damals drucken ließ, stand die Figur nicht auf der Pelzmühlenstraße, sondern an der Einmündung der Waldstraße in die Pelzmühlenstraße. Dort hat sie aber in Wirklichkeit niemals gestanden, stellte der Ortschronist richtig und lieferte als Beweis ein Foto des Wegweisers, das er selbst 1957 oder 1958 an der Einmündung der Pelzmühlstraße in die heutige Oberfrohnaer Straße aufgenommen hat.

Dass das Postkarten-Motiv eine Montage sein muss, bestätigt auch Frieder Bach, vielen bekannt als Experte für Fahrzeug-Oldtimer. Denn als Kind wohnte der heute 73-Jährige an der Waldstraße. "Wir hatten seit 1945 das Grundstück an der Waldstraße 5. An dieser Stelle stand nie ein Hirsch", berichtet Bach.

Auch er kann den wahren Standort des Wegweisers mit einem Foto belegen, das ihn, seine Mutter, seinen Großvater und einen Teil des Hirsch-Sockels im Sommer 1946 an der Einmündung der Pelzmühlenstraße in die heutige Oberfrohnaer Straße zeigt. "Der Hirsch war damals noch drauf", ist sich Bach sicher.

Und als damaliger Anwohner kann er auch das Rätsel um das weitere Schicksal des Wegweisers lüften: "Nach meiner Erinnerung wurde der Hirsch, der beim Anstoß eines Lkw an den Sockel beschädigt worden war, Ende der 1950er-Jahre entfernt." Der Sockel habe noch eine Weile gestanden, sei aber später ebenfalls abgebaut worden, weil er dem zunehmenden Busverkehr zur Pelzmühle und zu Veranstaltungen im Kulturpalast im Wege war.

Beschädigt worden sei durch den Lastwagen also nicht der Sockel, sondern die Figur selbst, und zwar offenbar irreparabel. Denn laut Bach bestand der Hirsch keinesfalls aus Metallguss, Bronze oder ähnlichem Material. "Er muss aus Beton oder sonstigem Kunststein gewesen sein, denn er war grau und wäre sonst auch nicht bei dem Lkw-Anprall beschädigt worden."

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