Anzahl der Schulschwänzer hat sich seit 2015 verdoppelt

In diesem Jahr hat es in Mittelsachsen bereits knapp 500 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen die Schulpflicht gegeben. Als Sanktion kommt nicht nur gemeinnützige Arbeit infrage.

Freiberg/Burgstädt.

Fragt man einzelne Schulen in Mittelsachsen, so scheint Schwänzen im Landkreis kein großes Problem zu sein. Ein oder zwei Kinder, die im Jahr einen unentschuldigten Fehltag zu verbuchen haben - das sei das Bild, dass sich in der Evangelischen Oberschule in Lunzenau ergebe, sagt Schulleiter Daniel Illgen. "Dass ein Schüler nicht da ist und keine Entschuldigung nachweisen kann, ist der absolute Einzelfall." Dennoch, so räumt Illgen ein, gebe es Fälle, bei denen Kinder ungewöhnlich oft oder auffällig nur an bestimmten Tagen als krank entschuldigt würden. "Darüber machen wir uns Gedanken, suchen das Gespräch mit den Eltern und haben erst jüngst in solch einem Fall eine Lösung gefunden", so der Schulleiter.

An der Oberschule Niederbobritzsch gibt es aktuell keine Vorfälle von Schulschwänzerei. Das hat Schulleiter Karsten Hennig auf Anfrage der "Freien Presse" mitgeteilt. Einen Grund dafür sieht er darin, dass eine Schule im ländlichen Raum für dieses Thema im Vergleich zu einer Einrichtung in der Stadt eventuell weniger anfällig ist. Da müsse man differenzieren. "Das heißt aber nicht, dass auch uns dieses Problem nicht schnell mal ereilen kann", meint er. Das "Schulschwänzerprojekt", das die Stadt Freiberg initiiert hat, findet Hennig sehr wichtig. "Wir haben uns deshalb auch dafür engagiert und wurden in die Planungen mit einbezogen ", so der Schulleiter.

Insgesamt stellt das Thema Schulschwänzen im Landkreis Mittelsachsen allerdings durchaus ein Problem dar. Deutlich wird das vor allem an den Anzeigen der Schulen, die beim Referat Bildung des Landkreises eingehen. Wie Kreissprecherin Cornelia Kluge mitteilt, sind in diesem Jahr bereits 474 Verfahren wegen Schulpflichtverletzung eingeleitet worden. Das sind schon jetzt 35 mehr als im gesamten vergangenen Jahr (439 Anzeigen) und etwa doppelt so viele wie im Jahr 2015 (242 Anzeigen). Die wirkliche Anzahl der Schulverweigerer werde deutlich höher eingeschätzt. Am häufigsten werden laut der Kreissprecherin dem Landratsamt Fälle von Oberschulen und Berufsschulen gemeldet.

Die Anzeigen erfolgen laut Kluge in der Regel nach dem fünften Tag unentschuldigten Fehlens. Bei unentschuldigten Schulversäumnissen werde zunächst geprüft, ob ein vorsätzliches oder fahrlässiges Verhalten Ursache ist. Schüler und Erziehungsberechtigte bekämen Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Der Verstoß gegen das Schulgesetz kann teuer werden - bis zu 1250 Euro Bußgeld können verhängt werden. Aber auch das Ableisten gemeinnütziger Arbeit ist eine mögliche Sanktion. Abhängig ist das von verschiedenen Faktoren, zum Beispiel von der Anzahl der Fehltage und davon, ob es das erste Mal ist oder oft geschwänzt wird.

Die Ursachen für das Schwänzen sind Kluges Angaben zufolge ganz unterschiedlich und reichen von psychischen Problemen, überhöhten Erwartungshaltungen und daraus folgenden Versagensängsten bis hin zu Konflikten mit einzelnen Lehrern oder mit Mitschülern.


Hilfsangebote für Schüler und Eltern

Das Jugendamt in Mittelsachsen bietet Beratungen an, bei denen gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen, den Eltern und der Schule versucht wird, den Ursachen fürs Schwänzen auf den Grund zu gehen, um so bei der Integration in den Schulalltag zu helfen. Auch die Erziehungs- und Familienberatungsstellen im Landkreis, die es in Burgstädt, Rochlitz, Frankenberg, Döbeln und in Freiberg gibt, stehen zur Unterstützung bereit.

Ein Modellprogramm "Jugend stärken im Quartier" läuft in der Stadt Freiberg. Es bietet Maßnahmen insbesondere für schulverweigernde junge Menschen. So werden unter anderem eine Jugendberatungsstelle und das Teilprojekt "Neustart" gefördert, in denen insbesondere sozialpädagogische Fachkräfte zielgerichtet mit Kindern und Jugendlichen und bei Bedarf mit Eltern und Lehrkräften arbeiten.

Sogenannte alternative Schulformen bieten weitere Möglichkeiten, um unter anderem dem Schulschwänzen vorzubeugen oder dieses zu vermeiden. Beispiele im Landkreis sind das "Produktive Lernen" in der Oberschule Am Holländer in Döbeln und das Angebot "Alternative Beschulung Mittweida" in der Fichte-Oberschule Mittweida.

Auch die Diakonie Rochlitz bietet in der Erziehungs- und Familienberatung Hilfe bei Schulproblemen. (bp)

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