Arbeitslose Mutter beraubt im Alkoholrausch Rentnerin

Einer 81-jährigen Frau war im April ihr Portemonnaie mit 700 Euro entrissen worden. Die Täterin vergoss auf der Anklagebank Tränen.

Es geschah um 12 Uhr mittags. Vor einem Discounter-Markt in Schloßchemnitz an der Arthur-Bretschneider-Straße rangen am 17. April dieses Jahres zwei Frauen um ein Portemonnaie, das die jüngere der älteren entreißen wollte. Die 39-Jährige, knapp halb so alt wie ihr Opfer, setzte sich durch und rannte mit ihrer Beute davon, hatte in dem Gerangel allerdings ihren Ausweis verloren. Herbeigerufene Polizisten stellten die Frau kurze Zeit später in ihrer Wohnung und gaben der 81-Jährigen ihr Eigentum zurück.

Die inzwischen 40 Jahre alt gewordene Täterin musste sich jetzt vor dem Amtsgericht wegen Raubes verantworten. Die gebürtige Karl-Marx-Städterin, die eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert, aber nicht abgeschlossen hat, leugnete nichts. "Ich kann mir das selbst nicht erklären", sagte sie, und: "Es tut mir ganz sehr leid."


An dem Vormittag sei sie wieder einmal stark alkoholisiert und zudem verzweifelt gewesen, weil ihr Hartz-IV-Geld alle und sie nicht gewusst habe, wovon sie für die zwei jüngeren ihrer drei Kinder, die noch bei ihr wohnen, Essen kaufen sollte. Als sie auf der Sparkasse nachfragte, ob eine erwartete Rückzahlung von ihrem Vermieter schon gutgeschrieben wurde, habe sie zufällig gesehen, wie die 81-Jährige 700 Euro abhob, ins Portemonnaie legte und dieses in die Tasche des Rollators steckte. Als sie die Frau vor dem Discounter wiedersah, sei es zu der Kurzschlusshandlung gekommen. "Ich wollte eigentlich nach Hause gehen", so die Angeklagte unter Tränen. Bei ihrem Opfer habe sie sich inzwischen schon mit Blumen und einem Brief entschuldigt.

Dennoch hielt selbst ihr Verteidiger die Mindeststrafe wegen Raubes von einem Jahr Haft auf Bewährung für angemessen. Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung mit der Auflage, eine Alkoholtherapie zu absolvieren, sowie 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Dem folgte das Gericht und legte die Bewährungszeit auf zweieinhalb Jahre fest. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da die Verurteilte und ihr Verteidiger sowie die Staatsanwältin erklärten, auf Rechtsmittel zu verzichten.

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