Archäologen unterwegs in der Chemnitzer Unterwelt

Vor den Bauarbeiten an der Bahnhofstraße untersuchen Forscher das Areal. Ein bestimmter Fund würde sie besonders freuen.

Auf eine Reise in die Geschichte von Chemnitz begibt sich ab Montag ein fünfköpfiges Grabungsteam des Landesamtes für Archäologie. Bis Dezember untersuchen die Forscher ein 5700 Quadratmeter großes Gebiet zwischen Archäologiemuseum und Johannisplatz an der Bahnhofstraße. Dort entstehen ab 2019 ein Hotel und der Firmensitz des Energieversorgers Eins.

Am Montag wird zunächst die Baustelle eingerichtet, einen Tag später beginnen die Grabungen. Von ihnen erhoffen sich die Archäologen neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte, sagte am Freitag Landesarchäologin Regina Smolnik vom Landesamt für Archäologie. Vorgrabungen im vergangenen Jahr ergaben, dass bei den jetzigen Arbeiten mit Funden aus der Frühzeit der Stadtentwicklung gerechnet werden könne, sagte Smolnik. Rückschlüsse bis ins 14. Jahrhundert seien möglich. Da es zur Vorgeschichte von Chemnitz nur etwa sieben bis zehn Quellen gebe, sei jeder Fund wichtig. "Wir hoffen, wir können Fragen zur Bebauung der Stadt klären. Das ist sehr spannend", so die Landesarchäologin. Könnte sie sich einen Fund wünschen, wäre das Holz. "Holz wäre fantastisch, da es sich wegen der Jahresringe gut zurückdatieren lässt." Das Grabungsteam wird vor allem in einer Tiefe von zwei bis drei Metern arbeiten, sagte Grabungsleiterin Susanne Schöne. Trotz eines engen Zeitrahmens sei bei wichtigen Funden eine Fortsetzung bis Februar möglich.

Die Chemnitzer können sich von den Grabungen selbst ein Bild machen. Interessierte verfolgten ihre Arbeit oft vor Ort, sagte Susanne Schöne. Über den Grabungsfortschritt und mögliche Funde werde an Tafeln am Bauzaun informiert. Weitere Grabungen folgen ab Mitte September am Getreidemarkt. Der Beginn der Arbeiten auf dem Parkplatz an der Johanniskirche sei ungewiss, so Smolnik. Beide Bereiche sollen anschließend bebaut werden.


Bauarbeiten am Johannisplatz

Zur Vorbereitung der Bauarbeiten für den Firmensitz des Energieversorgers Eins werden ab Montag im Umfeld des Johannisplatzes Versorgungsleitungen verlegt. Bis Ende Februar könne es deshalb bei der Erreichbarkeit des Johannisplatzes sowie von dessen Umfeld zu Einschränkungen für Fußgänger und Autofahrer kommen, so ein Sprecher des Unternehmens am Freitag. Die Ein- und Ausfahrt zur Bahnhofstraße werde jedoch immer gewährleistet. Insgesamt werden rund 900 Meter Energie- und Trinkwasserleitungen verlegt. (hfn)

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