Asylkritiker muss an Pro Asyl zahlen

Weil er bei einer Flüchtlingsankunft Weisungen der Polizei ignorierte, hat ein AfD-Funktionär gestern auf der Anklagebank gesessen.

Markersdorf.

Die Sorge um seine Familie habe ihn getrieben. So begründete Lars Franke gestern als Angeklagter im Amtsgericht den Abstecher an die Markersdorfer Straße an dem Tag im Oktober vergangenen Jahres, als dort knapp 60 Flüchtlinge in einer Turnhalle untergebracht werden sollten. Als Opfer mehrerer Einbrüche eines aus Libyen stammenden, inzwischen verurteilten Seriendiebs habe er sich die Ankömmlinge in Markersdorf ansehen wollen, so der 41-Jährige, der zu den bekanntesten Asylkritikern der Region gehört. 2014 war er Stadtratskandidat für Pro Chemnitz, seit Ende Oktober sitzt er im erweiterten Vorstand des AfD-Kreisverbandes.

Nur aus Neugier sei er mit dem großen Geländewagen seiner kleinen Baufirma auf den Parkplatz eingebogen, auf dem schon Polizisten, Rathaus- und Medienvertreter sowie etwa 100 zum Großteil asylkritische Schaulustige auf die Ankunft der Busse mit den Flüchtlingen aus der Ebersdorfer Erstaufnahmeeinrichtung warteten. Als ein Polizist ihn aufforderte, die Einfahrt freizumachen, habe er sich zunächst geweigert, räumte Franke ein.

Der Polizeibeamte sagte gestern als Zeuge aus, der aufgebrachte Autofahrer habe ihm durch das nur einen Spalt geöffnete Türfenster gesagt, bald kämen noch mehr Leute, um die Parkplatz-Zufahrt zu blockieren. Dabei habe Franke telefoniert. Er habe seinen Anwalt angerufen, um zu fragen, wie er sich verhalten soll, erklärte der Angeklagte gestern.

Der Polizist seinerseits beriet sich mit seinem Vorgesetzten und forderte Franke nach wenigen Minuten auf, auszusteigen und sich auszuweisen. Er fahre gleich weg, habe der Bauunternehmer erwidert, ließ den Motor an, legte den Rückwärtsgang ein und gab Gas. Weil der Fahrer dabei nach rechts lenkte, habe er wegspringen müssen, um nicht vom linken Vorderrad des Geländewagens getroffen zu werden, so der Polizist. Erst als der Beamte mit der Faust an die Scheibe schlug, stoppte Franke, stieg aus und zeigte seine Papiere.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ihn Anklage wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung erhoben. Doch der Polizist entkräftete die Vorwürfe: "Ich glaube nicht, dass er mich bewusst verletzten wollte", sagte er gestern vor Gericht auf Nachfrage. Damit blieb aus Sicht des Richters nur der Anklagepunkt Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte übrig. "Sie hätten nicht dort stehen dürfen und hätten wegfahren müssen, das ist klar", fasste er zusammen. Alle Beteiligten einigten sich, dass das Verfahren eingestellt wird, wenn Lars Franke bis zum Jahresende 1000 Euro an die Flüchtlings-Hilfsorganisation Pro Asyl überweist.

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2Kommentare
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  • 8
    4
    hkremss
    22.11.2016

    Wer hätte das gedacht. Lars Franke legt sich mit der Polizei an und unterstützt Pro-Asyl. Ist das nicht das, was er immer anderen zum Vorwurf macht?

  • 10
    7
    Blackadder
    22.11.2016

    War es nicht aussaugerges, der immer schrieb "Rechtsstaat vor Rechtsbruch" oder so ähnlich. Tja, auch die AfD muss sich an die Gesetze halten und die Polizei achten!



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