Auf dem Weg zur Stadt von morgen

OB Ludwig will Chemnitz künftig planvoller entwickeln als bislang. Dabei setzt sie auch auf ein Leuchtturmprojekt.

Wie soll Chemnitz in 20, 30 Jahren aussehen? Wie sollen die Menschen hier leben, arbeiten, in der Stadt unterwegs sein? Wie positioniert sich Chemnitz im Wettbewerb der Regionen um kluge Köpfe, wie begegnet es der alternden Gesellschaft? Diese Schlüsselfragen der Stadtentwicklung sollen künftig stärker als bislang eine Rolle spielen, wenn im Rathaus Entscheidungen gefällt werden, die auf Jahre und Jahrzehnte hinaus wirken. Das hat Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig angekündigt. Anlass war die Vorstellung der Stadtanalyse "Morgenstadt", mit der das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation die Stärken, Chancen und Risiken der Chemnitzer Stadtentwicklung untersucht und beschrieben hat.

Ziel sei, die zunehmend zahlreichen Vorhaben und Programme der Stadtentwicklung - Kultur, Schullandschaft, Städtebau, Wirtschaftsförderung usw. - in einer längerfristigen Strategie zusammenzuführen. Die Zeit dafür sei nunmehr reif, sagte Ludwig. "Wir erleben derzeit, dass in Chemnitz vieles möglich ist, aber es wird nicht von allein werden."


Die "Morgenstadt"-Untersuchung bescheinigt Chemnitz eine gute Ausgangslage, zumal mit Blick auf eine funktionierende, innovative Wirtschaft, gesunde Kommunalfinanzen und eine vergleichsweise hohe Kaufkraft der Bevölkerung. Projektchef Bernd Bienzeisler spricht gar von "Riesenpotenzial", zumal angesichts der im Stadtgebiet zur Verfügung stehenden Entwicklungsflächen. "Chemnitz hat viel mehr Spielraum als andere Städte", verdeutlichte er. "Arbeit und Leben in der Stadt" könnte daher ein Schlüsselthema für die Stadtentwicklung sein, mit Strahlkraft weit über die Grenzen von Chemnitz hinaus. "Urbanisierung ist ein weltweiter Trend, nur dass es kaum irgendwo so viel Platz gibt wie hier, um neue Lösungen für die Zukunft auszuprobieren."

Bei hiesigen Unternehmen stößt dieser Ansatz durchaus auf Interesse. "Wir wollen ja, dass unsere jungen Mitarbeiter auch dann noch bei uns bleiben, wenn sie eine Familie gründen", betont etwa Basel Fardi, Geschäftsführer des Chemnitzer Software-Entwicklers Intenta. Ganz bewusst habe das Unternehmen sich dazu entschlossen, seinen künftigen Firmensitz nicht in einem Gewerbegebiet am Stadtrand zu errichten, sondern innenstadtnah an der Zwickauer Straße, am Fuße des Kaßbergs. "Kurze Arbeitswege, ein gutes und schönes Umfeld, das dennoch Wachstum erlaubt - die Kollegen freuen sich schon tierisch darauf", so Fardi.

Nachholbedarf attestiert die Studie - wenig überraschend - bei der Außenwirkung der Stadt. "Die Lebensqualität in Chemnitz ist viel höher als von außen wahrgenommen", resümierte Projektleiter Bienzeisler. "Jeder, der mal drei Tage am Stück hier war, wird die Stadt positiv sehen." Bei den Einheimischen, so die Erfahrung, sehe das schon etwas anders aus: Die Chemnitzer seien an der Entwicklung ihrer Stadt zwar überdurchschnittlich interessiert, die Identifikation der Bürger mit Chemnitz falle aber eher gering aus. "Die Chemnitzer sind sehr offen, man muss aber auf sie zugehen", beschreibt Diplom-Geografin Katja Manz von der TU ihre Eindrücke.

Ob das künftig besser gelingt, wird sich demnächst bei der Diskussion um die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 zeigen. Schon am 13. Dezember werde es dazu im Stadtbad eine Auftaktveranstaltung geben, kündigt OB Ludwig an. Dort sollen mit interessierten Chemnitzern erste Ideen für die inhaltliche Ausgestaltung der Bewerbung öffentlich diskutiert werden. "Und dabei geht es in erster Linie nicht um Kunst, sondern um Kultur im weitesten Sinne." Die Bewerbung - ein Projekt mit potenziell europaweiter Strahlkraft - entspricht ziemlich genau jenen Empfehlungen, die auch die "Morgenstadt"-Analysten Chemnitz mit auf den Weg geben: Um Aufmerksamkeit zu erreichen, müsse Chemnitz stärker als bislang Akzente setzen. Am besten mit innovativen Leuchtturmprojekten.

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