Aufbruch in den Frühling

Das Sächsische Sinfonie- orchester überzeugt in der Stadthalle mit einem abwechslungsreichen Programm abseits der Klassik-Hitparade.

Ein Marsch mit Pauken, Trommeln und Trompeten leitete den letzten Satz ein, bevor das Sächsische Sinfonieorchester die dem norwegischen König Sigurd Jorsalfar gewidmete Suite von Edvard Grieg weit ausholend, nachdenklich, sanft, aber auch etwas pathetisch ausklingen ließ. Es war der Abschluss eines eindrucksvollen Frühlingskonzerts des größten Laienorchesters der Stadt und eines der bedeutendsten in Sachsen. Unter der Leitung von Musikdirektor Andreas Grohmann hatten die etwa 70 Musikerinnen und Musiker, eine volle Orchesterbesetzung, im sehr gut gefüllten Großen Saal der Stadthalle am Samstagabend vier romantisch-klassische Kompositionen interpretiert, die die Fähigkeiten des Orchesters eindrucksvoll zur Geltung brachten. Auch deshalb, weil sich das Orchester dabei nicht auf die Hits der klassischen Musik zurückzog, sondern eher selten gehörte Stücke spielte.

Begann das Konzert mit der Sinfonie in D-Dur von Leopold Mozart noch recht verhalten - es fehlte der zwar unterhaltsamen, abwechslungsreichen Komposition etwas an Frische und Spritzigkeit - war schon das zweite Stück eine bereichernde Entdeckung. Beim Concerto in C-Dur für Fagott und Orchester des böhmischen Komponisten Johann Anton Kozeluch überzeugten Orchester und die junge Solistin Selma Sofie Bauer mit einer subtilen, feinsinnigen Interpretation. Die eher leisen Fagottpassagen harmonierten weich mit dem zuweilen fast festlich-feierlichen Orchesterpart.

Um den Glauben an eine sichere Überfahrt und Ankunft geht es auch in Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt" nach den beiden gleichnamigen Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe. Geht es bei Goethe um die Hoffnung auf aufkommenden Wind nach einer langen Flaute, um die sich nähernde Ferne, die die Reisenden das Land zumindest sehen lassen, gönnt Mendelssohn Bartholdy der Musik auch eine glückliche Ankunft. Abschied und Aufbruch ins Fremde, Ungewisse klingen in der Ouvertüre ebenso mit wie die ruhende und die stürmische See, die brennende Sonne und der scharfe Wind. Dies passt ebenso zum Frühling, dem Aufbruch in die helleren, wärmeren Tage und vielleicht auch zum Aufbruch der Heimatstadt des Orchesters selbst, wie Edvard Griegs Orchestersuite Sigurd Jorsalfar. Sie ist Teil einer Bühnenmusik für ein Stück des Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson, das er dem norwegischen König Sigurd dem Kreuzritter widmete. Das Sächsische Sinfonieorchester, in dem Musikerinnen und Musiker aller Altersklassen mitspielen, unterstrich mit dem Konzert seine Klasse, mit der es eine hörenswerte Bereicherung der klassischen Musikszene der Stadt und darüber hinaus ist.

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