Autofahrer fühlen sich vom Ordnungsamt abgezockt

In Kleinolbersdorf-Altenhain galt baustellenbedingt Tempo 30. Als die Arbeiten beendet waren, blieb die Geschwindigkeitsbegrenzung bestehen - offenbar versehentlich. Geblitzt wurde dennoch weiter.

Kleinolbersdorf-Altenhain.

Sie habe den Eindruck, dass das halbe Dorf an dem Tag geblitzt wurde, berichtet eine Bewohnerin von Kleinolbersdorf-Altenhain. Denn immer wieder würden Betroffene, zu denen sie auch selbst gehört, ihrem Ärger über die Blitzaktion des städtischen Ordnungsamtes Anfang Oktober auf der Shakespearestraße Luft machen. "Das war nur Abzocke", sagt sie. Denn im Ort gebe es wichtigere Stellen, beispielsweise an der Grundschule, wo nach ihren Worten dringender geblitzt werden müsste.

Ein zweiter Betroffener berichtet der "Freien Presse", auf dem Blitzfoto, das ihm zugeschickt wurde, stehe die Nummer 176. Er nimmt an, dass nach der Geschwindigkeitskontrolle mindestens so viele Autofahrer solche Verwarn- oder Bußgeldbescheide erhalten haben. Verärgert sind die Kleinolbersdorfer, weil die vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzung, die auf der Brücke über die Bundesstraße 174 nur in Richtung der alten Zschopauer Straße angeordnet war, eigentlich nur für die Zeit des Baues eines sogenannten begehbaren Randstreifens, also eines Ersatzfußweges, gelten sollte. Dessen Bau hatte der Stadtrat Ende Januar dieses Jahres beschlossen, nachdem Einwohner das in einer Petition gefordert hatten. Denn an der Shakespearestraße, wo sowohl Schulkinder als auch ältere Menschen unterwegs sind, fehlt ein richtiger Fußweg.

Eine von Stadträten mehrerer Fraktionen vorgeschlagene dauerhafte Herabsetzung des erlaubten Tempos auf der Shakespearestraße von 50 auf 30 lehnte der Ortschaftsrat jedoch einstimmig ab. Benötigt werde ein Fußweg und keine Geschwindigkeitsbegrenzung, lautete die Begründung. Lediglich vorübergehend, während des Gehwegbaus, sei Tempo 30 akzeptabel, so der Ortschaftsrat.

Diesem Vorschlag folgte die Stadtverwaltung auch, ordnete Ende März in Richtung Zschopauer Straße Tempo 30 an und ließ den Randstreifen befestigen. In der Gegenrichtung durfte auch während der Bauzeit weiter Tempo 50 gefahren werden. Doch die Bauarbeiten waren nach Angaben betroffener Autofahrer Anfang Oktober längst abgeschlossen. Trotzdem bestand die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 in Richtung Zschopauer Straße weiter und wurde mittels Blitzaktion kontrolliert. Erst am vergangenen Mittwoch, nachdem "Freie Presse" deswegen im Rathaus angefragt hatte, wurde das Tempo-30-Schild entfernt.

Dafür hatte sich auch der Ortschaftsrat eingesetzt, wie von Ortsvorsteher Marco Gerlach zu erfahren war. "Es ist schade, dass man wegen solcher Dinge immer wieder Druck machen muss", sagt er. Denn eigentlich sei vereinbart gewesen, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung gleich nach Abschluss der Bauarbeiten aufgehoben wird.

Die Frage, warum die Tempo-Begrenzung erst mit mehrwöchiger Verspätung aufgehoben worden war, beantwortet die Pressestelle der Stadtverwaltung gar nicht erst. Nur soviel: Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Brücke habe dem Schutz der Fußgänger und insbesondere von Schulkindern bis zur Fertigstellung des begehbaren Seitenstreifens gedient und werde jetzt entfernt, hieß es lediglich.

Der Sicherheit der Fußgänger hätten auch mehrere Geschwindigkeitskontrollen gedient, die in diesem Jahr zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt worden seien. Dabei seien die schnellsten Autofahrer mit Geschwindigkeiten zwischen 70 und 80 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Die Frage nach konkreten Zahlen zur Kontrolle Anfang Oktober lässt die Stadtverwaltung ebenfalls unbeantwortet. Mehrere der geblitzten Autofahrer, von denen einigen Punkte in Flensburg oder sogar Fahrverbote drohen, wollen dagegen juristisch vorgehen.

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2Kommentare
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  • 23
    4
    sunhiller
    09.11.2019

    is Schild 30 dann 30,
    is Schild 50 dann 50,
    is Schild 70 dann 70,

    wer schneller fährt is selber schuld !!!

  • 20
    6
    Pixelghost
    09.11.2019

    30er-Schild, keine Schule, kein Kindergarten oder Altenheim. Fahrlehrer: „Es gibt wichtigere Stellen, nu fahren sie schon...“

    Weil einem die 30 nicht sinnvoll oder erklärbar ist, fährt man einfach schneller. Den umgedrehten Weg - die 30 beachten und dann bei OA nachfragen - kommt offenbar nicht in den Sinn.



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