Autofahrer soll Arbeiter auf Baustelle verletzt haben

Gericht verhandelt wegen Verkehrsgefährdung und Unfallflucht

Die Vorwürfe klingen nach einer Amokfahrt. Um einen wegen Bauarbeiten voll gesperrten Abschnitt des Südrings zwischen Bahn- und Neefestraße zu passieren, soll ein 56-jähriger Autofahrer Ende März dieses Jahres dort über den Fußweg gefahren sein und dabei - nachdem er kurz gestoppt hatte - einen Arbeiter, der ihn anhalten wollte, verletzt haben. Der jetzt im Amtsgericht verlesenen Anklageschrift zufolge war der Angestellte einer Verkehrssicherungsfirma auf die Motorhaube des VW-Transporters geraten und schließlich gestürzt, wobei er sich Hämatome und Prellungen zugezogen habe. Trotzdem sei der 56-Jährige einfach weggefahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung, Nötigung und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor. Er habe sich "als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erwiesen", sagte der Staatsanwalt über den Angeklagten.

Dieser schildert das Geschehen allerdings völlig anders. Er gibt zu, im Schritttempo auf den Fußweg gefahren zu sein, um zu probieren, ob er bis zur Neefestraße kommt und sich dadurch einen langen Umweg ersparen kann. Vor dem Mitarbeiter der Verkehrssicherungsfirma habe er angehalten, doch der habe auf die Motorhaube des Autos eingeschlagen. Als er kurz angefahren sei, sei der Arbeiter auf die Stoßstange gesprungen, habe einen Scheibenwischer des Transporters abgebrochen und sei dann selbst wieder heruntergesprungen. Um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, habe er lieber das Weite gesucht, so der 56-Jährige zu "Freie Presse". Gegen den Mitarbeiter der Verkehrssicherungsfirma läuft laut Gericht inzwischen ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung und Falschaussage.

Vor Gericht kamen der Angeklagte und die Zeugen noch nicht zu Wort. Denn die Verhandlung soll erst fortgesetzt werden, wenn ein erkrankter Sachverständiger wieder gesund ist. Bereits am ersten Verhandlungstag erhielt der 56-Jährige seinen seit Ende Mai eingezogenen Führerschein zurück. Es wäre unverhältnismäßig, das Dokument noch länger einzubehalten, begründete die Richterin. Im Gegenzug verzichtete der selbstständige gelernte Maurer auf Schadenersatzansprüche gegenüber dem Freistaat.

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