Bahn nennt Zeitplan für Viadukt-Sanierung

Für die Modernisierung des Bauwerks über der Annaberger und Beckerstraße wird zurzeit ein Planer gesucht. Über andere Brücken wird noch diskutiert.

Michael Falk (2. von rechts), Oberbauleiter von der Dresdner Brückenwerkstatt der Deutschen Bahn, erläutert Interessenten an einem Schaustück Möglichkeiten zur Sanierung historischer Eisenbahnbrücken, wie des Viadukts über der Annaberger und Beckerstraße (im Bild).

Für Sie berichtet: Michael Brandenburg

Viele Chemnitzer trauen dem Frieden nicht. Wird das historische Eisenbahnviadukt über der Annaberger und Beckerstraße auch wirklich nicht abgerissen? Kann es denn überhaupt saniert werden und wenn ja, wie? Mit solchen Fragen waren am gestrigen Sonntag Hunderte zur Beckerstraße gekommen. Dort standen Mitarbeiter des Bahn-Konzerns anlässlich des Tages des offenen Denkmals an Informationsständen als Ansprechpartner bereit. Selbst Max Maulwurf, die Symbolfigur des Unternehmens, warb in Mannesgröße als Fotomotiv in flauschigem Plüsch um Sympathie.

Knallhart waren dagegen die Fakten, die jeder, der danach fragte, zu hören bekam: Für die Ertüchtigung des sogenannten Chemnitzer Bahnbogens zwischen Hauptbahnhof und Kappel besteht seit 1. Juni Baurecht. "Das hat Gesetzeskraft und muss umgesetzt werden", erklärte Harald Dix, Teilprojektleiter von der Bahn-Tochter DB Netz. Für Änderungen sei es also zu spät. Einzige Ausnahme: Für die von der Bahn als Chemnitztalviadukt bezeichnete Brücke über der Annaberger und Beckerstraße wird ein Planänderungsverfahren durchgeführt. Denn sie darf nicht abgerissen und durch einen Neubau aus Stahlbeton ersetzt werden, wie die Bahn das ursprünglich geplant hatte. Das hat das Eisenbahnbundesamt entschieden. Bis Ende 2019 müssten die neuen Pläne zur Sanierung des über 100-jährigen Viadukts eingereicht werden. "Wir sind jetzt dabei, einen Planer dafür zu suchen", so der Teilprojektleiter. Bis Dezember solle er gefunden werden. Damit beginne ein neues Planverfahren, sodass die Arbeiten am Viadukt voraussichtlich erst 2022 und 2023 stattfinden werden.

Michael Falk, Oberbauleiter von der Brückenwerkstatt der Deutschen Bahn aus Dresden, zeigte am Sonntag an der Beckerstraße Interessenten, dass es durchaus technische Möglichkeiten zur Ertüchtigung alter Stahl-Fachwerk-Brücken gibt. Er ziehe den Hut vor den Altvätern, die solche Brücken konstruierten und bauten und finde gut, dass das Chemnitzer Bauwerk erhalten bleiben soll. "Sie ist etwas Besonderes", sagte er. Allerdings sollte die Stadt auch für ein denkmalwürdiges Umfeld des Viaduktes sorgen. Eine besondere Herausforderung bei dessen Sanierung gebe es allerdings: "Es müssen jetzt innerhalb kürzester Zeit die neuralgischen Punkte ermittelt und Entscheidungen getroffen werden, welche Teile ausgetauscht werden sollen", erläuterte Falk.

An den Widerlagern der Brücke wurden dafür in den vergangenen Wochen bereits Bohrungen durchgeführt, sagte Dix. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen am 22. Oktober dem Fachbeirat vorgestellt werden, der die Bahn bei der Viadukt-Sanierung berät.

Das Schicksal der vier anderen Brücken des Chemnitzer Bahnbogens ist laut Dix dagegen besiegelt, denn diesen Teil der Pläne habe das Eisenbahnbundesamt bestätigt. Die Überführungen über der Augustusburger und der Reichenhainer Straße am Südbahnhof, am Bahnhof Mitte neben der Reichsstraße und über der Stollberger Straße sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Dieser erste Bauabschnitt wird laut Dix im November nächsten Jahres beginnen und zwei Jahre dauern.

Die Mitglieder des Chemnitzer Viadukt-Vereins, der die Rettung der Brücke über der Annaberger und Beckerstraße maßgeblich bewirkt hat, haben sich damit noch nicht abgefunden. Sie hatten zum Tag des offenen Denkmals an den Südbahnhof eingeladen, um bei Führungen deutlich zu machen, dass auch die zum Abriss vorgesehenen Brücken erhaltenswert sind. Schließlich hat das Landesdenkmalamt den gesamten Bahnbogen zum denkmalgeschützten Ensemble erklärt, argumentieren sie. Auch bei ihnen machten Hunderte Chemnitzer Station und schauten sich, unterhalten vom Flöhaer Blasorchester, unter anderem eine Ausstellung zur Geschichte des Viadukts und seiner "Schwestern" im Südbahnhof an. "Wir können nur an die Bahn appellieren und versuchen, sie bei ihrer Ehre zu packen. Denn sie kann ja durchaus historische Brücken denkmalgerecht sanieren", sagte Johannes Rödel, Vorsitzender des Viadukt-Vereins.

Bürgerdialog mit Fachleuten der Deutschen Bahn zum Chemnitzer Bahnbogen am Freitag, 14. September, 14 bis 20 Uhr im Tropenhaus der Stadthalle.

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