Bahn sieht keine Hoffnung für Erhalt von Brücken

Während das Viadukt an der Beckerstraße saniert wird, sollen andere Bauten weichen. Der Bürgerverein will aber nicht aufgeben.

Sie schwitzen in der Sonne und schauen sich an, was jetzt doch nicht abgerissen werden soll: Martin Dulig, sächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Barbara Ludwig, Chemnitzer Oberbürgermeisterin, und Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB), waren am Mittwoch am Viadukt an der Beckerstraße zusammengekommen.

Grund für das Gipfeltreffen war der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes, der den von der DB bevorzugten Abriss des Viadukts ablehnt. Die Brücke soll in Abstimmung mit der Stadt Chemnitz saniert werden. Das sei an jenem Tag Anfang Juni so überraschend gekommen, dass man sich nur telefonisch austauschen konnte, sagte Fricke. Darum habe er sich nun vor Ort ein Bild machen wollen.

Die Brücke sei stadtbildprägend. Da gebe es noch großen Planungsbedarf - zum Beispiel dazu, wie das Umfeld des Viadukts aussehen soll. Das Bauwerk müsse sandgestrahlt werden, wofür es sicherlich nötig werde, es einzupacken. Temporär müsste das, was sich unter der Brücke befindet, verlagert werden. "Und dann kann man gleich überlegen, ob es dauerhaft verlagert wird", so Fricke. "Ich träume davon, dass das Viadukt einmal von unten beleuchtet werden kann", sagte er.

Dulig dankte dem Bürgerverein, der für den Erhalt des Viadukts gekämpft hatte. Dieser Verein will sich weiterhin engagieren und Planungen kritisch begleiten, kündigte Frank Kotzerke vom Vorstand an. Neben dem Erhalt des Viadukts sieht der Planfeststellungsbeschluss den Neubau von vier weiteren Brücken sowie von zwei Haltepunkten des Chemnitzer Bahnbogens vor. Der Verein hält auch diese Brücken für erhaltungswürdig. Doch dem setzte Fricke entgegen, man dürfe sich da keine Hoffnung machen.

Lutz Buchmann, Projektleiter für die Sachsen-Franken-Magistrale, erklärte, dass die heutigen Auflagen zum Beispiel für Lärmschutz und Gleisabstände so seien, dass die anderen Brücken, die enger in ihre Umgebung eingebaut sind, dermaßen verändert werden müssten, "dass vom Denkmal nichts mehr übrig bleibt". Für diese Brücken sei ein Neubau in alter Gestalt möglich, so Fricke. Das ist offenbar eine Lösung, die auch den Verein zufrieden stellen könnte. "Es ist unser Wunsch, dass der Duktus des Bahnbogens erhalten bleibt", sagte Kotzerke. Und so ganz abgeschrieben haben er und seine Mitstreiter die vier Brücken noch nicht. "Dass ein Entscheidungsspielraum da ist, hat ja schon das Viadukt-Verfahren gezeigt", sagte Anke Rödel vom Verein.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...