Bahn startet Großprojekt mitten in Chemnitz

Bis 2024 soll die Strecke zwischen Sonnenberg und Kapellenberg erneuert werden. Anwohner und Pendler müssen mit Beeinträchtigungen auf wichtigen Straßen rechnen.

Jetzt wird es ernst. Nachdem bereits seit März dieses Jahres auf der Zschopauer Straße Vorarbeiten dafür erfolgt sind, hat die Deutsche Bahn am gestrigen Freitag die Modernisierung des sogenannten Chemnitzer Bahnbogens offiziell gestartet. Als erster Bauabschnitt sollen zunächst bis Ende 2021 beide Gleise der Strecke in und aus Richtung Zwickau auf rund 2,8 Kilometern Länge zwischen Sonnenstraße und Goethestraße einschließlich Schotterbett, Oberleitungen, den Bahnsteigen an den Haltepunkten Chemnitz-Süd und Chemnitz-Mitte sowie aller Brücken erneuert werden - mit Ausnahme des Viadukts über die Annaberger und Beckerstraße. Die Gesamtkosten dafür werden nach derzeitigem Stand mit rund 65 Millionen Euro angegeben.

Voraussichtlich ab 2022 bis zum Sommer 2024 soll anschließend das oben genannte Viadukt denkmalgerecht saniert und ertüchtigt werden. Die Pläne dafür will die Bahn Ende dieses Jahres zur Genehmigung beim Eisenbahnbundesamt einreichen. An ihrer Erarbeitung ist ein Fachbeirat beteiligt, dem Vertreter der Stadtverwaltung und des Chemnitzer Viadukt-Vereins sowie weitere nicht von der Bahn bezahlte Experten angehören.

Aus Sicht der Bahn geht es bei dem seit mehr als 15 Jahren v0rbereiteten Vorhaben Chemnitzer Bahnbogen darum, den letzten Abschnitt der sogenannten Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Dresden und Hof fit für die Zukunft zu machen. Die Strecke soll danach für alle Arten von Schienenverkehr vom Güterzug bis zum schnellen Personenzug geeignet sein. Die Fahrtzeit zwischen Dresden und Hof werde sich um eine auf etwa zweieinhalb Stunden verkürzen, sagte Martin Walden, neuer Konzernbevollmächtigter der Bahn für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, zum feierlichen Baustart. Die Haltepunkte Chemnitz-Süd und Chemnitz-Mitte sollen mit Aufzügen barrierefrei erreichbar, der Haltepunkt Mitte zudem an die Stollberger Straße und damit näher an die Haltestellen von Bus und Straßenbahn verlegt werden.

Geplant ist, die beiden Gleise aus und in Richtung Zwickau nacheinander jeweils innerhalb eines Jahres auszuwechseln, während der Zugverkehr über das andere Gleis abgewickelt wird. In Verbindung mit dem Bauvorhaben der Bahn lässt die Stadtverwaltung seit August die Straßenbrücke über die Bahngleise auf der Zschopauer Straße abreißen und neu bauen. Die Kosten dieses aktuell größten städtischen Verkehrsbauprojektes, das bis Herbst 2021 abgeschlossen sein soll, haben sich gerade wegen gestiegener Baupreise um 3,5 Millionen auf reichlich zwölf Millionen Euro erhöht.

Von den Bauvorhaben betroffen sein werden nicht nur Zugpassagiere und Anwohner der Bahnstrecke, sondern auch Fahrgäste des Nahverkehrs und andere Pendler. Denn ebenso wie die Straßenbrücke Zschopauer Straße werden auch die Eisenbahnbrücken über die Augustusburger, Bernsdorfer, Reichenhainer und Stollberger Straße abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Dafür sind ab November jeweils mehrere, teilweise bis zu vier Wochen andauernde Vollsperrungen mit Unterbrechungen des Straßenbahnverkehrs vorgesehen.

Die Sperrzeiten des Bahn-, Nah- und Straßenverkehrs seien koordiniert worden, um sie kurz zu halten, sagte Bürgermeister Miko Runkel. Bahn-Bevollmächtigter Walden versicherte, während des Baus werde größtmögliche Rücksicht auf die Anwohner und deren Schutz vor Lärm genommen. Auskünfte zum Bauverlauf erhalten Betroffene und andere Interessenten in einem Informationszentrum der Bahn im Wirkbau, Lothringer Straße 11.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    AchimAdams
    29.09.2019

    Die Fahrzeiten verkürzen sich von jetzt von 2:39h um eine Stunde auf etwa 2:30h? Das wolllen wir doch bitte nochmal nachrechnen!



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