Bahnfans droht Heizhausfest ohne Dampf

Tausende Freunde alter Lokomotiven werden vom 17. bis 19. August wieder nach Hilbersdorf strömen. Sie müssen hoffen, dass es weiter kräftig regnet.

Hilbersdorf.

Fauchende, zischende und pfeifende Dampflokomotiven gehören zum Heizhausfest im Sächsischen Eisenbahnmuseum (SEM) wie Glühweinbuden zum Weihnachtsmarkt. Doch in diesem Jahr droht eine Premiere: Wenn vom 17. bis 19. August wieder tausende Fans historischer Schienentransporttechnik zur 27. Auflage der Veranstaltung auf das Hilbersdorfer Museumsgelände strömen, könnten sie dort neben Zugfahrzeugen mit Diesel- und Elektroantrieb erstmals nur Dampfloks mit kalten Kesseln antreffen. Grund dafür ist die trotz der Regenfälle der beiden vergangenen Tage nach wie vor hohe Gefahr von Wald- und Wiesenbränden.

"Es wäre einfach fahrlässig, bei diesen Bedingungen Dampfloks fahren zu lassen", sagt Sven Liebold vom Vorstand des Trägervereins des SEM. Denn es lasse sich nicht ausschließen, dass aus den Schornsteinen der Loks mit dem Dampf auch Funken in die Umgebung geschleudert werden. Mehrere Schmalspurbahnen, darunter die Chemnitzer Parkeisenbahn, setzen deswegen zurzeit Dieselloks an Stelle von Dampfloks ein. Auch das größte Schweizer Dampftreffen an diesem Wochenende in Lyss muss wegen der Waldbrandgefahr auf mehrere Gastlokomotiven verzichten. "Früher, als nur Dampfloks fuhren, war entlang der Strecken ohnehin alles verbrannt", erklärt Parkbahn-Geschäftsführer Matthias Dietel. Heute, im Diesel- und Elektro-Zeitalter, reichen Wälder, Wiesen und Böschungen bis nahe an die Gleise heran. Das Risiko, im Falle eines Brandes für die Schäden haften zu müssen, könnten die ehrenamtlichen Betreiber des SEM nicht eingehen, macht Liebold deutlich. Er rechnet damit, dass die Deutsche Bahn am Montag oder Dienstag entscheidet, ob sie angesichts der Waldbrandgefahr in der kommenden Woche überhaupt den Betrieb von Dampfloks auf ihren Strecken erlaubt.

Noch haben die Hilbersdorfer Museumseisenbahner aber nicht aufgegeben: "Wir hoffen auf weiteren Regen", so Vereinsvorstandmitglied Liebold. Schließlich sind die Dampflokomotiven stets besondere Anziehungspunkte für die Heizhausfest-Besucher. Insgesamt sechs betriebsfähige Dampfloks will das SEM zur 27. Auflage rollen lassen - die museumseigene mit der Nummer 50 3648 und fünf Gastfahrzeuge unter anderem aus Nossen, Glauchau und Leipzig. Sie sollen an den Fahrzeugparaden teilnehmen, die am Samstag und Sonntag auf dem Programm stehen, und Besuchern die Möglichkeit zur Mitfahrt in ihren Führerständen bieten.

Geplant sind zudem Sonderzüge ins westliche Erzgebirge und nach Hainichen sowie Parallelfahrten von zwei Zügen nebeneinander nach Freiberg, die im Idealfall alle von Dampflokomotiven gezogen werden. "Wenn das nicht möglich ist, werden wir die Fahrten mit historischen Diesel- und E-Loks absichern", verspricht Liebold. Neben den eigenen Fahrzeugen erwartet das Museum sieben betriebsfähige Gastloks und -triebwagen mit Diesel- und Elektroantrieb.

Wetterunabhängig werden insgesamt etwa 40 Dampf-, Diesel- und Elektro-Loks ausgestellt sein. Zudem sind die Feldbahn und die Modellbahnen des Eisenbahnmuseums in Betrieb. Auch die Eisenbahnfreunde "Richard Hartmann" beteiligen sich wieder am Heizhausfest. Im Technikmuseum Seilablaufanlage auf dem ehemaligen Rangierbahnhof demonstrieren sie das Zusammenstellen von Zügen ohne Lokomotive und befördern Besucher mit einem Schienenkleinwagen zum Eisenbahnmuseum und zurück.


Größtes noch funktionstüchtiges Dampflok-Bahnbetriebswerk Europas

Das Sächsische Eisenbahnmuseum (SEM) Chemnitz-Hilbersdorf wird seit 1990 von einem Verein mit derzeit rund 180 Mitgliedern betrieben. Der ab dem Jahr 1900 entstandene, heute denkmalgeschützte Komplex gilt als größtes noch funktionstüchtiges Dampflok-Bahnbetriebswerk Europas. Attraktionen sind zwei Rund-Lokschuppen mit Drehscheiben sowie Kohlebunker und Wasserkräne, zahlreiche historische Dampf-, Diesel- und Elektro-Loks sowie eine Feldbahn.

Geöffnet ist das Museum, An der Dresdner Bahnlinie 130c, von Ende März bis Ende Oktober samstags, sonn- und feiertags sowie in den sächsischen Schulferien jeweils von 10 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Kontakt unter Telefon 0371 92092848, www.sem-chemnitz.de). Letzter Einlass ist jeweils 16 Uhr. An diesem Samstag, 11. August, bleibt das Museum aus technischen Gründen geschlossen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7, ermäßigt 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Das Technikmuseum Seilablaufanlage, Ebersdorfer Straße 2, wurde seit 2009 vom 28-köpfigen Verein Eisenbahnfreunde "Richard Hartmann" aufgebaut. Es befindet sich im und am Befehlsstellwerk 3 des einstigen Rangierbahnhofes Chemnitz-Hilbersdorf, der von 1902 bis 1996 in Betrieb war. Geöffnet ist das Museum von April bis August und im Oktober jeweils am ersten Samstag im Monat von 10 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 0371 46400890, www.

technikmuseum-seilablaufanlage.de). Jeweils 11 Uhr wird ein Wagenablauf präsentiert. Eintritt: 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

27. Heizhausfest vom Freitag, 17., bis Sonntag, 19. August, jeweils von 9 bis 18 Uhr. Eintritt für Erwachsene: ein Tag 12 Euro/drei Tage 30 Euro; Kinder: 5/12 Euro; Familien (2 Erwachsene + 2 Kinder): 29/77 Euro.

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