Ballett verlegt "Nussknacker" in die Villa Esche

Die Leiterin des Ensembles verknüpft die Handlung des Stücks mit Chemnitzer Stadtgeschichte. Sogar der Maler Edvard Munch kommt vor.

Weihnachten und Tschaikowskis Ballett "Der Nussknacker" gehören für so manchen Ballettfan zusammen. Das Fest ist erst komplett, wenn der "Blumenwalzer" oder der "Tanz der Zuckerfee" erklingen. In Chemnitz hat am Samstag eine Neuproduktion des traditionsreichen Ballettes Premiere.

Ballettdirektorin Sabrina Sadowska entführt ihr Publikum auf eine Reise ins Jahr 1904. Örtlich müssen sich die Zuschauer dafür gedanklich nicht wegbewegen, denn die Handlung spielt in Chemnitz. Es geht um das Weihnachtsfest in einer wohlhabenden Familie. Das Mädchen Marie bekommt von ihrem Patenonkel einen Nussknacker geschenkt. Nachts träumt sie von ihm. Dabei verwandelt er sich in einen Prinzen und reist mit ihr ins Reich der Süßigkeiten. Da der Nussknacker aus dem Erzgebirge stammt und das für sie "das Kernland des Weihnachtsfestes" sei, kam Sadowska schnell auf die Idee, das Stück in Chemnitz spielen zu lassen. Und beim Gedanken an die Familie, die Weihnachten feiert, sei sie schnell auf den Textilunternehmer Herbert Eugen Esche gekommen, der den Auftrag für den Bau der Villa Esche gegeben hatte. Zum Fest trifft sich die Industriellen-Elite der Zeit im Hause Esche. Zu Gast sind zum Beispiel Friedrich Nevoigt, Gründer der Diamant-Fahrradwerke, Hans Vogel, Inhaber einer Möbelstoffweberei, und Louis Ferdinand Schönherr, Erfinder des mechanischen Webstuhls, mit ihren Familien. Ebenfalls eingeladen ist Gertrud Koerner, Schwester von Herbert Esches Frau Johanna. Auch der Architekt der Villa Esche, Henry van de Velde, und der Maler Edvard Munch, der auf Einladung von Esche tatsächlich in Chemnitz weilte, haben Rollen. Der Zuschauer wird sehen, wie Munch sich vorbereitet, die Familie zu porträtieren. Esche wiederum fotografiert ihn dabei - auch das ist historisch belegt.

Für die Inszenierung wurde auch ein Film, der in die Szenerie einführt, in der Villa Esche gedreht, verrät Andrea Pötzsch, Leiterin dieses Hauses. "Ich war vom ersten Moment an von der Idee begeistert", sagt sie. Es sei immer toll, wenn Geschichte lebendig wird. Es habe sogar schon Besucher in der Villa gegeben, die Karten für den "Nussknacker" geschenkt bekommen haben und als Vorbereitung eine Führung vor Ort machten. Für Sadowska stellte Pötzsch auch Kontakte zu den Nachfahren der Familien Esche und Vogel her, die auch eine Aufführung des Balletts besuchen werden. Ingo Esche, Großneffe von Herbert Esche, sei vom Projekt begeistert, so Pötzsch.

Der Nussknacker feiert am Samstag um 19 Uhr im Opernhaus Premiere. Sie ist ausverkauft. Die nächste Vorstellung ist am 5. Dezember um 19 Uhr.

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