Bauarbeiten am Bernsbachplatz dauern länger als angekündigt

Maßnahmen der Verkehrsbetriebe zum Chemnitzer Modell abgeschlossen - Leitungs- und Straßenbau nicht fertig

Reitbahnviertel.

Seit mehr als zwei Jahren müssen Autofahrer auf mehreren Straßen im Reitbahnviertel immer wieder nach der richtigen Fahrspur suchen. Der gesamte Knotenpunkt ist eine Großbaustelle mit mehrfach wechselnden Verkehrsführungen und wird das noch einige Zeit bleiben, obwohl im Juli Schluss sein sollte. "Freie Presse" erklärt, warum und was bisher geschah.

Wird noch immer an der neuen Straßenbahntrasse gebaut?

Seit März 2016 meldet die Stadtverwaltung Woche für Woche Vollsperrungen und weitere Einschränkungen im Bereich Bernsbachplatz mit stets der gleichen Begründung: Arbeiten für die Stufe 2 des Chemnitzer Modells - das ist die neue Straßenbahntrasse zum Campus der Technischen Universität, an deren Verlängerung bis nach Thalheim und Aue derzeit gebaut wird. Doch der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) als Bauherr des Chemnitzer Modells und der städtische Nahverkehrsbetrieb CVAG verweisen darauf, dass die Arbeiten an der Straßenbahntrasse längst abgeschlossen und sie somit nicht mehr für die Sperrung verantwortlich sind.

Welche Arbeiten hat der VMS durchführen lassen?

Der Anteil des VMS an dem Bauvorhaben habe im Errichten von vier neuen Bahnsteigen bestanden, erläutert Pressesprecherin Jeanette Kiesinger auf Nachfrage. Im Zeitraum von April 2016 bis April 2017 seien an den Haltestellen Annenstraße und Bernsbachplatz jeweils in beiden Richtungen 38 Zentimeter hohe Bahnsteige gebaut worden, um Rollstuhlfahrern und anderen Gehbehinderten sowie Eltern mit Kinderwagen einen barrierefreien Ein- und Ausstieg bei den neuen Citylink-Bahnen zu ermöglichen. Die Gesamtverantwortung für die Errichtung der Haltestellen habe aber bei der CVAG gelegen, so Kiesinger.

Wofür war die CVAG zuständig?

Außer den neuen Bahnsteigen, die neben den erhöhten Abschnitten für die Citylink-Bahnen auch flachere für Niederflurbahnen aufweisen, habe die CVAG auch die Straßenbahngleise zwischen Annenstraße und Südbahnstraße auswechseln und anschließend teilweise begrünen sowie die Fahrleitungsmasten und Fahrleitungen erneuern lassen, berichtet CVAG-Sprecher Uwe Albert auf Anfrage. Diese im März 2016 begonnenen Arbeiten seien aber ebenfalls bereits seit Herbst vergangenen Jahres abgeschlossen, so der CVAG-Sprecher. Schon seit dem Frühjahr 2017 fahren auf der Strecke wieder Straßenbahnen bis Bernsdorf und auf der neuen Trasse bis zum Stadlerplatz, seit Dezember bis zum Uni-Campus und der vorläufigen Endstation Technologiepark an der Fraunhoferstraße.

Wer baut jetzt noch auf der Bernsdorfer und Reitbahnstraße sowie am Bernsbachplatz?

Seit Abschluss der Gleisbauarbeiten für das Chemnitzer Modell werden Leitungen erneuert und die Straßen wiederhergestellt, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. An dieser koordinierten Baumaßnahme sind nach Angaben aus dem Rathaus die Stadt, der städtische Abwasserentsorgungsbetrieb ESC und der Netzbetreiber I-Netz des Versorgers Eins beteiligt. Dabei würden unter anderem ein Abwasserkanal sowie Strom-, Trinkwasser- und Gasleitungen ausgewechselt sowie Kabel für Breitband-Internet verlegt. Die Stadtverwaltung will insbesondere die Reitbahnstraße attraktiver machen, indem sie Fahrspuren reduzieren, die Parkplätze neu anlegen und Bäume pflanzen lässt.

Wie ist dabei der aktuelle Stand?

Für 2018 hatte die Stadtverwaltung den Ausbau der Bernsdorfer Straße zwischen Bernsbachplatz und Turnstraße sowie der Südbahnstraße zwischen Bernsdorfer und Reichenhainer Straße angekündigt. Dabei sollten auch alle Kanäle und Leitungen für Abwasser, Strom, Trinkwasser und Straßenbeleuchtung in diesem Bereich neu verlegt oder instand gesetzt werden. Auf Nachfrage nach dem konkreten Baufortschritt wird lediglich mitgeteilt, die Arbeiten seien noch auf keinem Straßenzug abgeschlossen. Derzeit müssten auch noch Restarbeiten aus dem ersten Bauabschnitt erledigt werden - das waren Leitungsverlegung und Straßenbau auf der Reitbahnstraße, die 2016 begonnen hatten und eigentlich schon 2017 abgeschlossen sein sollten.

Wann sollen die Straßensperrungen aufgehoben werden?

Noch bis Ende vergangener Woche hatte die Stadtverwaltung den Abschluss der Bauarbeiten für Juli 2018 angekündigt. Auf Nachfrage von "Freie Presse" hat sie jetzt eingeräumt, dass es an zwei Stellen zu Verzögerungen kommt. Die Reitbahnstraße soll jetzt am 3. August und der Bereich Bernsdorfer Straße/Südbahnstraße erst am 21. September, also mit fast zwei Monaten Verspätung, wieder freigegeben werden. Lediglich der Bernsbachplatz soll wie angekündigt ab 31. Juli wieder ungehindert befahrbar sein.

Warum verzögert sich die Fertigstellung?

Die Stadtverwaltung nennt als Ursache die sehr umfangreichen unter irdischen Leitungsbestände, deren Lage zum Teil von den in Plänen eingezeichneten Verläufen abweiche. Darüber hinaus seien zusätzliche, ursprünglich nicht geplante Bauleistungen bei den Gasleitungen und Breitbandkabeln hinzugekommen. Auch die Restarbeiten aus dem ersten Bauabschnitt seien ein Grund für die Verzögerung. (mib)

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2Kommentare
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  • 3
    2
    ZwischenDenZeilen
    14.07.2018

    Scheinbar gibt es in der Stadtverwaltung den festen Willen, den Stadtteil großräumig und nachhaltig lahmzulegen. Anders ist eine derart langanhaltende Sperrung nicht zu erklären. Oder will man das Seaside Hotel in die Pleite treiben? ..
    Zum Lachen wenn's ein Witz wäre. Zur Baustellensituation im gesamten Stadtgebiet wurde bereits einiges geschrieben .. ein Trauerspiel. Stad(t)t der Moderne ???

  • 0
    0
    Hinterfragt
    14.07.2018

    Also das Foto passt nicht zur Bildunteschrift. Dieses zeigt den Abschnitt von der Südbahnstraße (nicht mehr im Bild) bis zur Turnstraße.



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