Baulogistikfirma will nach Pleißa ziehen

Das Unternehmen kann am jetzigen Standort nicht mehr wachsen. Der Geschäftsführer stellt eine Investition in Millionenhöhe in Aussicht.

Limbach-Oberfrohna.

Wenn man die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna in den vergangenen Monaten auf freie Flächen im Gewerbegebiet Süd in Pleißa ansprach, so war die Antwort stets ähnlich: Ja, es gebe mehrere Interessenten. Nein, man könne noch nichts verraten, weil die Gespräche noch liefen. Das hat sich jetzt geändert, weil die Verhandlungen in einem Fall kurz vor dem Abschluss stehen. Am kommenden Dienstag soll ein Vertrag über den Verkauf einer gut 22.000 Quadratmeter großen Fläche - das entspricht etwa drei Fußballfeldern - unterzeichnet werden.

Potenzieller Käufer ist eine Firma mit einem komplizierten Namen: BPlus L Infra Log. Dahinter verbirgt sich ein Unternehmen, das vor zehn Jahren in Dresden gegründet wurde, seinen größten Standort aber schon lange in Niederdorf bei Stollberg betreibt. Wie Geschäftsführer Gunnar Förster erklärt, stellen er und seine Mitarbeiter Logistikmaterial für Baustellen zur Verfügung. Dazu gehören Absperrungen, Vorrichtungen für Strom und Wasser sowie Container, in denen Bauarbeiter temporär unterkommen. "Wir haben in Niederdorf eine eigene Containerfertigung", sagt Förster. So könne man auch für andere Auftraggeber individuelle Behausungen aus Blech liefern - etwa für Schulen, in denen Klassenräume fehlen.


B Plus L ist deutschlandweit tätig. Die Firma war zum Beispiel an Bauvorhaben auf dem Gelände des Frauengefängnisses in Chemnitz, in der Baumwollspinnerei in Leipzig und am Pergamonmuseum in Berlin beteiligt. Das Geschäft läuft offenbar hervorragend. Nach Försters Angaben konnte der Umsatz binnen eines Jahres von 25 Millionen (2017) auf gut 30 Millionen Euro (2018) gesteigert werden. Auch die Anzahl der Mitarbeiter wächst schnell: 2015 beschäftigte das Unternehmen etwa 90 Personen, jetzt sind es schon 145. Rechnet man Tochterfirmen hinzu, sind am Standort Niederdorf rund 200 Mitarbeiter tätig.

Die dortigen Flächen sind indes ausgereizt. Obwohl man sich in Niederdorf wohlfühle, sei weiteres Wachstum am jetzigen Standort nicht möglich, sagt der Geschäftsführer. Deshalb hat sich der gelernte Kaufmann nach einem neuen Standort umgesehen - und ist dank eines Tipps eines Bekannten in Pleißa fündig geworden. Die Firma will sich auf einem Grundstück niederlassen, das an den Standort des Logistikers GLS grenzt. Für Limbach-Oberfrohna habe vor allem die Nähe zur Autobahn gesprochen, erläutert Förster. "Die Anbindung ist optimal. So müssen wir mit den Containern nicht durch die Stadt fahren." Sechs bis sieben Millionen Euro will das Unternehmen im Gewerbegebiet Süd, dessen Erweiterung die Stadt seit Jahren plant, investieren. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Läuft alles nach Plan, kann der Umzug Ende 2020 oder Anfang 2021 stattfinden, sagt Gunnar Förster. Er spricht ein Lob an die Stadtverwaltung wegen der schnellen Bearbeitung des Projekts aus.

Das Rathaus bestätigt, dass die Anfrage kurzfristig kam und man sofort Gespräche aufgenommen habe. Bevor der Vertrag unterzeichnet wird, haben aber noch die Stadträte das Wort. Sie sollen am Montag über eine Beihilfe in Höhe von 150.000 Euro abstimmen, die die Stadt der Firma gewähren will. Die Verwaltung verweist darauf, dass das Grundstück im Gewerbegebiet ein Gefälle aufweist. Eine Begradigung werde B Plus L etwa 200.000 Euro kosten.


Bedauern in Niederdorf

Auf den geplanten Weggang der Baulogistikfirma B Plus L Infra Log reagiert Niederdorfs Bürgermeister Stephan Weinrich mit Bedauern. "Das ist ein wirklich herber Verlust für uns. Denn das Unternehmen ist auch ein sehr guter Gewerbesteuerzahler", stellt er fest. Mit Limbach-Oberfrohna könne die 1200-Einwohner-Gemeinde nahe Stollberg aber nicht mithalten. Eine ähnlich große Fläche wie jene, die in Pleißa zum Verkauf steht, könne er nicht bieten, erklärt Weinrich. "Da sind wir nicht konkurrenzfähig." (joe)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    CPärchen
    05.05.2019

    Die 150T€ Beihilfe gehen direkt in die Begradigung des Grundstücks. Des Weiteren reduziert die Beihilfe den Verlust des Unternehmens, wodurch die Steuerlast wiederum steigt und ein Teil des Geldes zurückfließt, wenn nicht investiert wird.
    150T€ ist nicht viel für 145 Arbeitsplätze, Tendenz steigend. Das Geld wird man schnell wieder rein haben.

  • 1
    6
    cn3boj00
    04.05.2019

    Warum muss man Unternehmen, denen es offenbar wirtschaftlich gut geht und die Investitionen durchaus selber stemmen können immer noch Beihilfen zahlen? Wo kommt das Geld her? Wann ist es in Form von Steuern wieder zurückgezahlt?



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