Beethoven-Oper als letzte Premiere der Spielzeit

Ein Regisseur bringt nach über 20 Jahren "Fidelio" wieder auf die Chemnitzer Bühne. Kraft für seine Arbeit schöpft er in Afrika.

Nur eine Oper hat Ludwig van Beethoven geschrieben, davon aber gleich drei verschiedene Fassungen. Heute wird für gewöhnlich die dritte gespielt. So auch ab Samstag im Opernhaus. Es wird die letzte Premiere im Musiktheater in dieser Spielzeit sein. Zuletzt war Ende 1997 eine Fidelio-Inszenierung auf die Chemnitzer Bühne gekommen. Für die neue Inszenierung konnte Regisseur Robert Lehmeier gewonnen werden. Er dürfte Musiktheater-Fans als derjenige in Erinnerung sein, der 2017 die Operette "Südseetulpen" aus der Taufe hob.

Dem Fidelio widmet er sich nun zum dritten Mal. Ideen für immer neue Inszenierungen zu finden, falle ihm gerade bei dieser Oper leicht, da man sie von unterschiedlichen Richtungen betrachten könne. "Man wird mit dem Stück nie fertig", sagt er. Die Geschichte des Stücks sei schmal: Eine Frau, Leonore, schleust sich als Mann verkleidet unter dem Namen Fidelio als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco in ein Gefängnis ein, weil dort ihr Gatte als Regimekritiker zu unrecht festgehalten wird. Roccos Tochter Marzelline verliebt sich in Fidelio, will ihn heiraten. Es gelingt, den Gatten zu retten und am Ende wird die Freiheit gefeiert. Aber auf diese kleine Geschichte packe Beethoven eine große oben drauf, denn es gehe um nichts Geringeres als um Freiheit, Barmherzigkeit und Menschlichkeit. Leonore sei die einzige im Stück, die sich gegen das Angstsystem stellt. Als sie im Kerker zunächst ihren Gatten nicht erkennt, sagt sie: "Egal wer du bist, dich will ich befreien." Sie mache damit einen Sprung aus der kleinen Welt in die große Welt Beethovens. Aber Lehmeier stellt in seiner Inszenierung die Frage, wie das heute ist mit der Freiheit. Glauben wir an eine gerechte Gesellschaft? Was ist Freiheit? Haben wir noch Utopien? Oder sehnen wir uns nur nach dem Reihenhaus?


Daneben interessiert Lehmeier die Perspektive des Opfers. Denn ein solches sei Marzelline, deren Glück hehren Zielen geopfert werde. Darum wird die Oper aus ihrer Sicht erzählt, mit eingesprochenen Gedankensplittern, die Lehmeier aus Dialogen, die zur Oper gehören, extrahierte.

Kraft für seine Arbeit in Europa schöpft der Regisseur aus seiner Tätigkeit für "Umculo", einem Projekt in Südafrika, das jungen Leuten Gesang und Musiktheater nahebringen will, zum Beispiel durch Workshops und kostenfreie Aufführungen. Dort zu arbeiten, sei immer wie eine Reinigung für ihn, etwas Ursprüngliches, denn was er erlebe, sei, was Oper ausmache, so Lehmeier: "Eine Gemeinschaftsleistung für eine Gemeinschaft". Es gebe viel Leidenschaft und Talent, aber kaum Auftrittsmöglichkeiten in Südafrika. Im Gegensatz zu Deutschland, wo "alles da ist".

Fidelio feiert am Samstag, 19 Uhr, Premiere im Opernhaus. Karten kosten ab 18 Euro.

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