Beklemmendes Spiel mit Stöcken

Ein italienisches Tanz-Duo erkundet eine imaginäre Landschaft im Theater Komplex - und wirbt damit auch für die Kulturstadt Chemnitz.

Die Bühne ist leer, Vögel zwitschern leise. Ein Paar, ganz in Grau, betritt die Szenerie. Es ist der Garten, "Le Jardin", wie das Stück heißt, das die Italiener Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi am Donnerstagabend im Theater Komplex vorstellen.

Mit zwei schwarzen Stöcken ausgerüstet, die wie Schlagstöcke wirken, aber auch als Fernrohr oder eine Art erhobene Fackel verwendet werden, erkunden die beiden das Gelände, versuchen sie, den Raum zu erobern. Ohne Worte, mit wenigen Geräuschen, dem Krächzen der Krähen, minimalistischer Musik, wofür Demetrio Castellucci, Vìctor Fernàndez De Tejada Pequeño und Dramaturg Thomas Schaupp verantwortlich zeichnen, durchstreifen Panzetti und Ticconi die Bühne. Begleitet vom "Klack-Klack" ihrer eisenbeschlagenen Schuhe sind sie neugierig, schauen, geben sich dem Garten hin. Dann aber versuchen sie, das Gelände abzugrenzen, in Besitz zu nehmen, scheinen mal einen imaginären Käfer zu töten, geraten miteinander in Konflikt, lachen, verzweifeln, erschrecken. Das nur etwa 45 Minuten lange Stück ist eine Metapher auf eine besitzergreifende Art zu leben, die sich dennoch auch nach Gelassenheit und Miteinander sehnt - eindrucksvoll, manchmal beklemmend.

Panzetti und Ticconi, beide 1985 in Rom geboren, arbeiten seit 2008 als Duo in Berlin und Turin. Ihre Arbeit vereint Tanz, Performance und visuelle Kunst. Beide absolvierten die Akademie der Bildenden Künste in Rom und besuchten Stoà, die Schule für rhythmische Bewegung und Philosophie in Cesena. 2010 zogen sie nach Deutschland und gingen zum Teil getrennte Wege, blieben aber als künstlerisches Duo vereint. Panzetti studierte Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, Ticconi Tanz und Choreografie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin. Mit ihren oft minimalistischen, aber sehr intensiven Performances werden sie zu vielen Theaterfestivals in Europa eingeladen. Ihr Gastspiel in Chemnitz wurde von den etwa 25 Gästen mit viel Applaus honoriert. Es sind gerade solche unabhängigen Initiativen wie die des Off-Theaters Komplex, aber auch vieler anderer kleiner Clubs und Bühnen, die für ein internationales, abwechslungsreiches Kulturangebot in der Stadt sorgen. Und dies ist für Mandy Knospe, Mitorganisatorin des Theaters, eines der besten Argumente für die Bewerbung von Chemnitz als Kulturhauptstadt.

Nächste Vorstellung im Theater Komplex, Zietenstraße 32, am Sonntag um 16 Uhr: "Frau Meier, die Amsel" nach dem Kinderbuch von Wolf Erlbruch.

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