Bergbau, Sport, Textilgestaltung: Wo sich Ehrenamtler engagieren

Die Stadt hat zwei Frauen und einen Mann für außerordentlichen Einsatz ausgezeichnet. Eine der Geehrten hilft mit ihrem Hobby zugleich kranken Menschen.

Limbach-Oberfrohna.

Jedes Jahr Anfang Dezember zeichnet die Stadt Limbach-Oberfrohna engagierte Bürger mit der Ehrennadel aus, die mit 1000 Euro Preisgeld verbunden ist. Dieses Mal wurden 14 Ehrenamtler vorgeschlagen, der Stadtrat wählte drei Preisträger aus. Die "Freie Presse" stellt sie vor. Regina Rößler: Regina Rößlers Leben dreht sich seit jeher um den Sport. "Es hat mir schon immer Spaß gemacht, mich zu bewegen, speziell bei Gymnastik", erzählt sie. Im Alter von 14 Jahren trat sie in die BSG Motor Oberfrohna ein, die sich seit der Wende als Turnverein Oberfrohna bezeichnet. 1970 war Regina Rößler Mitbegründerin der Kindersportabteilung und dort Übungsleiterin bis 1989. "Die Kinder hatten bei mir immer Priorität, es war eine schöne Zeit", erinnert sie sich zurück. 1984 gehörte Regina Rößler zu den Gründerinnen einer Frauensportgruppe, die sie bis heute einmal in der Woche, immer mittwochs im Jahnhaus, trainiert - und das mit 79 Jahren. "Wenn man nichts macht, rostet man ein. Ich kann jedem daher nur empfehlen, sich zu bewegen", sagt Regina Rößler. Zur Gymnastik sei sie durch die Welle der Popgymnastik gekommen, die in den Achtzigern von Amerika nach Deutschland schwappte, erzählt sie. Zu Hochzeiten hatte Regina Rößler nach eigenen Angaben 183 Personen im Training. Neben der Tätigkeit als Übungsleiterin war sie auch viele Jahre Vorstandsmitglied im Turnverein Oberfrohna. "Die Gemeinschaft war mir immer wichtig -dafür habe ich gern meine freie Zeit gegeben."

Wolfgang Faust: Seit 24 Jahren ist Wolfgang Faust der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau/Geologie Westsachsen mit Sitz in Wolkenburg. Mindestens einmal im Monat treffen sich die derzeit 17Vereinsmitglieder, um zu hauen, zu werkeln und zu erforschen. Faust begann seine ehrenamtliche Tätigkeit als Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft "Historischer Bergbau Limbach-Oberfrohna" bereits im Jahr 1980. "Alles begann mit einer Mineraliensuche in Niederwinkel", erinnert er sich. Und da Bergbaugeschichte immer auch Heimatgeschichte sei, für die er sich sehr interessiert, habe er sich dem Hobby nicht mehr entziehen können, erzählt der 69-Jährige.

Auch während seiner Berufstätigkeit - Faust arbeitete in der Forschung des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme in Chemnitz - widmete er seine freie Zeit gern dem Verein. Unter seiner Mitwirkung konnte der Segen-Gottes-Erbstollen nahe Niederwinkel 1985 als erstes Besucherbergwerk der Region für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seit 1996 wird unter seiner Führung auch die St.-Anna-Fundgrube nahe der ehemaligen Papierfabrik in Wolkenburg als touristischer Anziehungspunkt ausgebaut, die seit dem Jahr 2000 für die Öffentlichkeit begehbar ist. Eine große Herausforderung für den Verein war in den letzten Jahren die Sanierung des Bergamtshauses. Rund 1500 Arbeitsstunden, die Faust koordinierte, haben die Mitglieder in Eigenleistung aufgebracht. Die dortige Einrichtung des musealen Bereichs zur Geschichte des Wolkenburger Bergbaus geschah ebenfalls unter seiner Anleitung.

Gudrun Schmidt: Textilien in ihrer ganzen Vielfalt sind es, die seit Jahrzehnten das Leben von Gudrun Schmidt prägen. "Meine Mutter und Großmutter waren Schneiderinnen, wahrscheinlich ist mir das einfach in die Wiege gelegt worden", erzählt die 84-Jährige. 1964, nach ihrem Studium an der Limbacher Wirkschule, begann Gudrun Schmidt damit, erste Handarbeitszirkel für Frauen in DDR-Betrieben zu leiten. Seit 1992 führt sie die Gruppe Künstlerische Textilgestaltung Limbach-Oberfrohna, die sich ein bis zwei Mal im Monat trifft, um kreativ zu werden. Gudrun Schmidt geht es beim textilen Gestalten aber nicht nur um die Vermittlung der Handwerkskunst. "Es ist einfach schön, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten", sagt sie. Die ehrenamtliche Arbeit - früher hat sie mehrere Zirkel gleichzeitig geleitet - habe sie immer glücklich gemacht und ihr über so manche schwierige Zeit im Leben hinweggeholfen. Unterstützt wurde Gudrun Schmidt, als sie noch arbeitete, von ihrem Mann und ihren Eltern.

Seit 2010 ist die Limbacherin in der bundesweiten Textilgestaltungs-Gilde Mitglied. In einem Projekt unter ihrer Leitung werden für behinderte und kranke Menschen wie Alzheimer-Patienten sogenannte Fühl-, Erkennungs- und Beschäftigungsdecken gefertigt. Die in Fachkreisen als Nesteldecken bezeichneten Textilien erzeugen taktile Reize bei den Patienten. Mit der Fertigung der Decken wollen Gudrun Schmidt und die Gruppenmitglieder dazu beitragen, die Lebensqualität für diesen speziellen Personenkreis zu erhöhen.

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