Berliner Modemacher beantragt Markenrechte für "#wirsindmehr"

Der junge Mann erklärt, er wolle einen Missbrauch des Konzert-Slogans durch Rechtsextremisten und die AfD verhindern. Was bedeutet das für Chemnitz?

Chemnitz.

Es war eine Antwort auf die Ausschreitungen in Chemnitz im Spätsommer vergangenen Jahres: Am 3. September 2018 versammelten sich 65.000 Menschen im Zentrum der Stadt. Auf der Bühne standen Stars wie die Toten Hosen, Kraftklub und Marteria - das Konzert unter dem Titel "Wir sind mehr" wurde zum größten Event in der jüngeren Chemnitzer Stadtgeschichte und fand international Beachtung. Bei Twitter wurde der Hashtag #wirsindmehr zum meistverwendeten Schlagwort des Jahres.

Ein Berliner Modemacher hat diesen Slogan jetzt als Marke angemeldet. Ein entsprechender Antrag auf Markenschutz unter anderem in den Bereichen Veranstaltungen, Textilien und Werbung ging am 15. Mai beim Deutschen Marken- und Patenamt in München ein, wie aus dem Meldeportal der Behörde hervor geht. Benjamin Hartmann, Gründer des Modelabels Human Blood, schrieb am Donnerstag der "Freien Presse": "Wir möchten vermeiden, dass die rassistische Partei AfD den Slogan für sich nutzt." In einer Pressemitteilung der Firma heißt es, der Schritt richte sich auch gegen Rechtsradikale.


"Da das Thema durch Erwähnung des Konzerts in Chemnitz im aktuellen Verfassungsschutzbericht wieder aktuell wurde, war es an der Zeit, den Slogan zu schützen", schrieb Hartmann weiter. Im Jahresbericht 2018 des sächsischen Verfassungsschutzes war das Konzert unter dem Kapitel Linksextremismus aufgetaucht; der Eintrag hatte für eine heftige Kontroverse gesorgt.

Human Blood erklärte, Kleidung mit dem Hashtag #wirsindmehr sei derzeit nicht geplant. Man werde aber Nutzungslizenzen vergeben. Rechte Gruppen und Unternehmen würden hier ausgeschlossen und gegebenenfalls abgemahnt. Zugleich heißt es in der Mitteilung: "Die Veranstalter von #wirsindmehr brauchen sich hier keine Sorgen zu machen, dort schließen wir eine Abmahnung ausdrücklich aus." Alle Einnahmen durch die Marke werde man an private Organisationen der Seenotrettung spenden.

Ob die Eintragung gelingt, steht jedoch noch nicht fest, wie ein Mitarbeiter des Marken- und Patenamts erläuterte. So entschied die Behörde im Herbst 2013 gegen die Eintragung des Satzes "Wir sind das Volk", den zwei Rechtspopulisten - versehen mit dem Zusatz "WSDV" - angemeldet hatten. Begründung damals: Der Satz "Wir sind das Volk" gehöre untrennbar zur neueren deutschen Geschichte, dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands und erreiche daher die markenrechtlich geforderte Unterscheidungskraft nicht. Auch der Zusatz WSDV ändere daran nichts.

Der 31-jährige Benjamin Hartmann gründete vor einigen Jahren in Berlin das Modelabel Human Blood, das Mode für junge Leute mit politischen Statements vertreibt. Dazu gehören T-Shirts mit Aufdrucken wie "Human blood is all one color" samt muslimischem Halbmond, jüdischem Davidstern und christlichem Kreuz. Die Firma mit Sitz in London produziert in Berlin, ihr Gründer lebt laut einer Unternehmenssprecherin inzwischen in Barcelona. Dies habe auch mit rechten Anfeindungen zutun.

Zum Konzert "Wir sind mehr" schrieb Hartmann: "Dieses Zeichen hat Deutschland und vor allem Chemnitz nach den vielen negativen Schlagzeilen gebraucht - national, aber auch international." Als Nachfolgeveranstaltung plant die Chemnitzer Wirtschaftsförderung für 4. Juli in der Stadt ein Konzert mit dem Titel "Kosmos Chemnitz - Wir bleiben mehr".

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 2 Bewertungen
13Kommentare
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  • 1
    4
    08.06.2019

    Man ?ann sich vielleicht die Markenrechte an dem Spruch sichern aber niemals es wirklich zu sein.

  • 3
    8
    07.06.2019

    @ArndBremen: Danke. Ich fühle mich geehrt! ;-)

  • 3
    9
    ArndtBremen
    07.06.2019

    @Thomboy: Ich liebe Sie!

  • 5
    8
    07.06.2019

    @HHCL: Und 74% haben die CDU NICHT gewählt und 85% haben die SPD NICHT gewählt und 90% haben die Linken NICHT gewählt und 82% haben die Grünen Nicht gewählt. Soviel dazu.

  • 7
    8
    Hinterfragt
    07.06.2019

    Da kommt mir doch glatt der Gedanke die Markenrechte für "Klimawandel" zu erwerben/ eintragen zu lassen ...

  • 5
    8
    Hinterfragt
    07.06.2019

    "... Parteien, die Sie toll finden auch von 75% der Bevölkerung NICHT gewählt...."
    Die Prozentzahl derer in der Bevölkerung, welche die SPD NICHT gewählt haben ist dabei noch GRÖSSER ...

  • 4
    4
    686752
    06.06.2019

    Endlich können mal wieder paar Rechte gesichert werden. Die leben wirklich gefährlich zur Zeit.

  • 15
    7
    HHCL
    06.06.2019

    @Thomboy: Deswegen wurden Sie und die Parteien, die Sie toll finden auch von 75% der Bevölkerung NICHT gewählt. Aber Sie sind in der Mehrheit; alles klar!

    Je öfter Sie diesen Unsinn behaupten, desto lächerlicher wird es.

  • 9
    20
    06.06.2019

    Und ich behaupte trotzdem WIR sind mehr weil es so ist. Marke hin oder her.

  • 13
    18
    franzudo2013
    06.06.2019

    In Chemnitz braucht diese "Marke" kein Mensch.
    Was die Berliner vielleicht noch nicht wissen, Chemnitz ist weder rot noch grün.

  • 13
    11
    CPärchen
    06.06.2019

    Ich finde das überhaupt nicht toll, dass er sich diese Markenrechte sichern will.

    Der Satz steht nicht in Zusammenhang dieser "Modemarke", welche natürlich mit der Diskussion einen tollen Marketing-Coup landete.
    Man weiß ja auch nicht, was mit dem Schlagwort #wirsindmehr in Zukunft geschieht. Den Schutz vor Rechten halte ich vorgeschoben, da der Bedarf von deren gar nicht existiert. Anfängliche Versprechen müssen übrigend nicht zukünftig gelten, inkl. Abmahnungen von Privaten.
    Diese Namensbezeichnung ist von Aktionisten vergangenen Jahres nicht ins Leben gerufen worden, damit sich dieser Typ daran bereichert.

  • 14
    14
    ArndtBremen
    06.06.2019

    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Sagte Gorbi einst.

  • 22
    7
    Amiga
    06.06.2019

    "Ob die Eintragung gelingt, steht jedoch noch nicht fest"

    Aber Hauptsache vorher schon mal richtig rumgebrüllt und mit Abmahnungen und Duldungen für Nutzung der "Markenrechte" - welche er noch gar nicht rechtmäßig hat - um sich geworfen. Eine Marke ist dann geschützt, wenn sie auch eingetragen ist. Das ist ein riesen Unterschied zur reinen Beantragung der Marke. Und wenn der Wortlaut schon länger existiert und genutzt wurde, dann wünsche ich viel Erfolg beim Registrieren der Marke ein Jahr drauf, inbesondere im Bereich "Veranstaltungen".



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