Beschädigte Schillingsche Figur wird wieder in Ordnung gebracht

Die Spuren der Vandalismus-Attacke im Frühjahr sind noch nicht beseitigt, da gibt es bereits neue Schmierereien.

Immer wieder aufs neue Ziel von Vandalismus: Der Sockel einer der benachbarten Skulpturen wurde vor kurzem mit einer Schmiererei verunstaltet.
Restaurator Matthias Mann bei der Reparatur des Kopfes eines Lauten-Instruments an der Figurengruppe "Der Abend". Das Teil und die Hand der Lautenspielerin waren im Mai abgeschlagen oder abgetreten worden. Fotos: Andreas Seidel (2)

Für Sie berichtet: Michael Müller

Ein wenig erinnert die Arbeit von Matthias Mann an die eines Chirurgen: Damit die Hand des Laute spielenden Mädchens künftig wieder richtig sitzt, wird sie mit einem Gewindebolzen aus Metall zusätzlich fixiert. Nur dass der Bolzen hier seinem Durchmesser und seiner Länge nach eher nach Baumarkt aussieht denn nach OP-Saal. Und die Hand, die angepasst werden muss, ist etwa 150 Jahre alt und aus Sandstein. Unbekannte Täter hatten sie im Frühjahr einer der sogenannten Schillingschen Figuren in den Schloßteichanlagen abgeschlagen - samt des Kopfes jener Laute, die sie umfasst.

Bis Ende kommender Woche, so schätzt Restaurator Matthias Mann, wird er an der derzeit eingerüsteten Figurengruppe "Der Abend" noch zu tun haben. Damit danach alles wieder so aussieht wie vorher, hat er Fotos, die bei der letzten Sanierung des vierteiligen Ensembles "Vier Tageszeiten" gefertigt wurden, zu Detailaufnahmen vergrößert. Während die seinerzeit abgetrennte Hand kurz nach der Tat bei der Polizei abgegeben wurde und nun im Wesentlichen nur um einige fehlende Finger vervollständigt werden braucht, muss Matthias Mann den Kopf der Laute völlig neu modellieren. Dazu hat er zunächst ein Modell aus Gips gefertigt. "Auch um zu schauen, ob der Winkel zum übrigen Instrument passt", erläutert er. Später wird der Restaurator das fehlende Teil aus Restauriermörtel für Sandstein nachmodellieren.

Obwohl die vom Mittweidaer Bildhauermeister Bernhard Schilling ursprünglich für die Brühlsche Terrasse in Dresden gefertigten Figuren ihn nicht zum ersten Mal beschäftigen, stellt dieser Auftrag für Matthias Mann immer noch etwas Besonderes dar. "Die Figuren sind von hoher bildhauerischer Qualität, und auch der von Schilling genutzte Sandstein ist schon etwas Besonderes", verdeutlicht er. Trotzdem fürchte er, dass die Zeit einer Präsentation des Ensembles unter freiem Himmel, bei Wind und Wetter, über kurz oder lang abgelaufen sein dürfte. Eine im vergangenen Jahr aufgebrachte Schutzschicht aus Silikon soll die Figuren zwar vor den ärgsten Witterungseinflüssen schützen. "Was mit der Feuchtigkeit darunter passiert, im Mikrobereich, das wissen wir jedoch nicht", so Mann.

Die Stadt plant, die Figuren mittelfristig aus den Schloßteichanlagen am Rande des Stadtzentrums an einen neuen Standort umzusetzen. Favorit ist der Theaterplatz im Herzen der Stadt. Dort, so die allgemeine Überzeugung, gibt es mit König- Albert-Museum, Opernhaus und St. Petri-Kirche nicht nur ein passendes städtebauliches Ambiente. Auch die Gefahr des Vandalismus wäre wohl eine geringere als derzeit an dem etwas abgelegenen Standort. "Ich habe selbst schon gesehen, wie Leute auf den Figuren herumgeklettert sind und Fotos davon gemacht haben", erzählt Matthias Mann. Er könnte sich alternativ zu einem neuen Standort auch eine großzügige Einhausung aus einer vandalismussicheren Glaskonstruktion vorstellen. Zumal nebenan, an der Figurengruppe "Der Mittag", bereits wieder die nächste Verunstaltung zu erkennen ist - in Form einer Schmiererei auf dem Sockel.

Ob die Verantwortlichen für diese und andere Verunstaltungen und Beschädigungen je zur Rechenschaft gezogen werden, erscheintindes zweifelhaft. Der Vorfall vom Mai, bei dem Hand und Lautenkopf von einer der Figuren abgetrennt worden war, ist mittlerweile zu den Akten gelegt - ohne Ergebnis. "Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, da bislang kein Täter ermittelt werden konnte", erläutert eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sobald neue Hinweise vorlägen, könne es jedoch jederzeit wieder aufgenommen werden.

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