Besuch im Märchenwald

Die Weihnachtsausstellung im Schloßbergmuseum erinnert an Märchenaufführungen in Chemnitzer Theatern seit 1862 - Zur Eröffnung kam sogar eine leibhaftige Hexe zu Besuch.

Ernst und kalt blickt die Schneekönigin in die Märchenhöhle. Vielleicht ärgert sie sich, dass sie es auf nicht ganz so viele Aufführungen gebracht hat wie "Hänsel und Gretel". Die Oper von Engelbert Humperdinck steht schon seit 28 Jahren auf dem Spielplan des Chemnitzer Opernhauses.

Auch daran erinnert die Ausstellung "Weihnacht im Theater", die gestern im Schloßbergmuseum eröffnet wurde. Die Hexe aus der Oper in Gestalt von Jürgen Mutze, der die Partie sogar schon seit 1978 singt, kam höchstselbst zur Eröffnung - mit Buckel und Hexennase. Viele der etwa 150 Eröffnungsgäste werden ihn auch auf der Bühne gesehen haben. Das sind Erinnerungen, die die Ausstellung ganz bewusst wecken will. Schließlich bedeuteten für viele Chemnitzer die Weihnachtsmärchen den Eintritt in die wunderbare Bühnenwelt, sagte Uwe Fiedler, Leiter des Schloßbergmuseums. Ganz besonders freute er sich über die "hervorragende Zusammenarbeit" mit den Chemnitzern Theatern bei der Vorbereitung der Ausstellung, die, wie die Museen auch, "essenziell für Stadt und Umland" seien.

Obwohl man in der Ausstellung etwa Jürgen Mutze beim Schminken zuschauen kann, Einblicke in die aufwendigen Vorarbeiten der Aufführung gewährt werden, Besucherinnen und Besucher auch selbst Bühnenbeleuchtungen ausprobieren können, nimmt die Ausstellung nicht den Zauber der wunderbaren Märchenaufführungen, wie Christoph Dittrich, Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz, betonte. Nebenbei versicherte er, dass man auch mit Zusatzvorstellungen oder spätestens in der nächsten Spielzeit der riesigen Nachfrage nach dem aktuell über Wochen ausverkauften Ballett "Der Nussknacker" gerecht werden wolle.

Von ähnlich erfolgreichen Aufführungen in Oper, Schauspiel und Figurentheater erzählt die Ausstellung mehrfach, seit 1862 das erste Weihnachtsmärchen, "Rotkäppchen" in der Bearbeitung von Ludwig Tieck, auf dem Spielplan stand, woran Kuratorin Andrea Kramarczyk erinnerte. Sie erläuterte die vier Abteilungen der Ausstellung, die die Weihnachtsaufführungen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen: Eine "Chronik" verweist auf bedeutende Stücke wie die schon 1894 aufgeführte Oper "Hänsel und Gretel" und das Stück "Der silberne Bergmann", für das die Chemnitzer Schriftstellerin Hanna Klose-Greger 1946 auch das Bühnenbild schuf. "Entwürfe" zeigt Skizzen und Zeichnungen des legendären Ausstatters Ralf Winkler (1936 bis 2009), die einmal mehr deutlich machen, mit welcher Hingabe, Fantasie und mit welchem Aufwand sich die Theater um die Aufführungen für Kinder verdient gemacht haben. "Märchen erleben" nimmt die Zuschauerperspektive ein, sodass man unter anderem Zar Wasserwirbel, die Schneekönigin und den Wesir aus Kalif Storch gleichsam auf der Bühne sehen kann. Hinter die Kulissen schaut die Abteilung "Achtung Aufführung!", in der auch Maskenbildnerei, Bühnen- und Lichttechnik zu Ehre und Aufmerksamkeit kommen.

Der Besuch im Märchenwald ist ein schönes Ausstellungsprojekt für die ganze Familie, das einmal mehr die wachsende Zusammenarbeit städtischer Kultureinrichtungen im Allgemeinen und der städtischen Museen im Besonderen belegt.

Die Ausstellung "Weihnacht im Theater: Chemnitzer Märchenaufführungen seit 1862" ist bis 26. Januar 2020 im Schloßbergmuseum zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18, Mittwoch von 14 bis 21 Uhr. Am 24. und 31. Dezember ist geschlossen. Zur Finissage am 26. Januar um 15 Uhr wird Musikdramaturgin Christiane Dost den Weg "Von der Idee zur Premiere" vorstellen.

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