Betriebskosten: Wo es für Mieter der GGG besonders teuer wird

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Innerhalb von zehn Jahren haben sich beim größten Vermieter der Stadt die Beiträge zur Gebäudeversicherung mehr als verdreifacht - auf ein Niveau, das weit über dem anderer Wohnungsgesellschaften liegt. Wie kommt das?

Mit rund 25.000 Wohnungen stellt die kommunale Wohnungsgesellschaft GGG das mit Abstand größte Schwergewicht im Chemnitzer Wohnungsmarkt dar. Im Vergleich der Betriebskosten aber schneidet das Unternehmen offenbar nicht immer gut ab. Besonders eine Position dürfte den Mietern der GGG bei der Durchsicht ihrer Nebenkostenabrechnungen in den zurückliegenden Jahren unangenehm aufgefallen sein: die Beiträge zur Gebäudeversicherung.

Derlei Versicherungen schützen Eigentümer von Wohnhäusern vor den finanziellen Folgen eines Sachschadens, etwa durch Brände, durch Blitzschlag oder Explosionen, durch Sturm und Hagel, aber auch durch geplatzte Wasserleitungen und Schäden durch Überspannung. Deutschlandweit kommt da einiges zusammen. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV zahlten die Gebäudeversicherer von 2002 bis 2019 für alle versicherten Gefahren insgesamt 77 Milliarden Euro aus. Fast die Hälfte der Leistungen entfielen auf Leitungswasserschäden.

Dass Vermieter die Prämien der Gebäudeversicherung entsprechend der jeweiligen Wohnungsgröße auf ihre Mieter umlegen dürfen, ist unstrittig. Doch die Höhe dieser Beiträge unterscheidet sich bisweilen erheblich - selbst bei vergleichbaren Standortbedingungen.

Stichproben der "Freien Presse" bei Mietern diverser Groß- und Privatvermieter in verschiedenen Stadtteilen anhand der jüngsten Betriebskostenabrechnungen ergaben eine Belastung zwischen 0,69 und 1,39 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Deutlich höhere Beiträge zahlen nur die Mieter der GGG. Ob unsanierte Plattenbauwohnung in Markersdorf, modernisierter Altbau auf dem Sonnenberg oder Achtgeschosser im Flemminggebiet: Der größte Vermieter der Stadt stellt für die Gebäudeversicherung mittlerweile rund drei Euro pro Quadratmeter in Rechnung. Das ergibt etwa für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern Wohnfläche eine jährliche Belastung von immerhin gut 220 Euro.

Damit liegt die GGG nicht nur in Chemnitz weit über dem Schnitt, sondern auch im Vergleich mit anderen kommunalen Wohnungsgesellschaften. Bei der LWB in Leipzig (35.500 Wohnungen) wurden nach Unternehmensangaben zuletzt etwa 1,80 Euro pro Quadratmeter und Jahr fällig, bei der Zwickauer GGZ (ca. 7000 Wohnungen) ca. ein Euro.

Auch im Langzeitvergleich erweist sich die GGG als außergewöhnlicher Fall. Eine Auswertung der Stichproben ergab, dass sich beim kommunalen Großvermieter die Beiträge zur Gebäudeversicherung innerhalb von zehn Jahren verdreifacht haben. Allein für die Jahre 2017 bis 2019 steht ein Plus von über 60 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Für die Mieter der LWB in Leipzig erhöhten sich die Beiträge im selben Zeitraum nur um 16 Prozent, bei einigen Chemnitzer Wohnungsbaugenossenschaften - mitunter mit Beständen in unmittelbarer Nachbarschaft zu GGG-Wohnhäusern - gingen sie zuletzt sogar zurück.

Unternehmenssprecher Erik Escher betont, dass die Höhe der Versicherungsprämie im Wesentlichen zurückgehe auf Anzahl und Umfang der eingetretenen Schadensfälle sowie auf die allgemeine Kostenentwicklung im Handwerk. "Im Zeitraum der Jahre 2010 bis 2019 hat sich der durchschnittliche Aufwand je eingetretenem Schadenfall mehr als verdoppelt", rechnet er vor.

Da von dieser Kostenentwicklung aber alle Vermieter gleichermaßen betroffen sind, bleibt nur der Schluss, dass die GGG weit häufiger von Schadensfällen betroffen ist als andere Wohnungsunternehmen und/oder die Schäden tendenziell deutlich höher ausfallen. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass der Großvermieter vergleichsweise viele Hochhäuser im Bestand hat, mit bis zu elf Etagen. Kommt es dort in einem der oberen Stockwerke etwa zur Havarie einer Wasserleitung, sind oft auch viele darunter liegende Wohnungen betroffen. Hinzu kommt: Die GGG unterhält, anders als andere Großvermieter, in größerem Umfang Wohnungen im Reitbahnviertel, das wiederholt von Überflutungen betroffen war. Fünf Millionen Euro soll die Schadenssumme dort allein beim letzten Hochwasser 2013 betragen haben.

Dass die GGG zu besonders ungünstigen Konditionen versichert ist, sei nicht der Fall, heißt es vom Management des Unternehmens. Prämienhöhe und Wirtschaftlichkeit des Versicherungsvertrages seien zuletzt in den Jahren 2016 und 2018 einer Überprüfung unterzogen worden, erläutert Unternehmenssprecher Escher. "Angebote anderer Versicherer lagen deutlich über dem bestehenden Versicherungsvertrag und wären mit Einschränkungen im Versicherungsumfang verbunden gewesen."

Immerhin, einen kleinen Lichtblick gibt es für die Mieter der GGG offenbar: Für die Jahre 2020 und 2021 soll die Prämienhöhe nach Angaben des Unternehmens konstant bleiben - und damit auch die Beiträge in den Nebenkostenabrechnungen für die jeweiligen Jahre.

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