Betrug mit Staubsaugern: Familie lockt Verdächtigen in eine Falle

Ein angeblicher Vertreter hat einer älteren Frau Geld und ein Markengerät abgenommen und ihr ein Billig-Produkt untergejubelt. Deren Angehörige ergriffen die Initiative - mit Erfolg.

Altendorf.

Irgendwann war die ältere Dame doch misstrauisch. Bei einer Geburtstagsfeier im Familienkreis, so schildert es ihre Nichte Caroline Schurz, habe die 87-Jährige von mehrfachen Besuchen von Staubsauger-Vertretern berichtet, die gegen Geld Geräte oder Einzelteile austauschten. Schnell sei sie sich sicher gewesen, dass da etwas faul sei, sagt Schurz: "Eine Quittung, die meine Tante erhalten hatte und uns zeigte, war mit Toni Tiger unterschrieben. Da war klar, dass etwas nicht stimmt." Also ließ sie sich die Besuche im Detail schildern.

Laut Schurz ist folgendes passiert: Ihre Tante, die alleine lebt und schwerhörig ist, sei seit längerem im Besitz eines Staubsaugers der Marke Vorwerk. Im August sei ein Mann bei ihr zuhause im Stadtteil Altendorf aufgetaucht und habe sich als Vertreter der Staubsaugerfirma ausgegeben. Er habe erklärt, dass das Gerät ausgetauscht werden müsse und dass dafür eine Gebühr in Höhe von 100 Euro fällig sei. Ihre Tante habe nach einigem Widerstand schließlich eingewilligt, sagt Schurz. Wenige Tage später sei ein anderer Mann gekommen, der sich ebenfalls als Vertreter ausgab und nun gegen 300 Euro den Filter austauschte. Und kurz darauf sei erneut ein Mann erschienen und habe das ganze Geräte ausgetauscht - und wieder 300 Euro verlangt. Bei dem neuen Gerät habe es sich aber nicht um ein Marken-, sondern um ein Billigprodukt gehandelt, erklärt Schurz. Insgesamt 700 Euro habe ihre Tante so eingebüßt - und den Marken-Staubsauger.

Das wollte Caroline Schurz nicht einfach so hinnehmen. Sie rief eine Telefonnummer an, die auf der ominösen Quittung stand, die ihre Tante von einem der Vertreter ausgestellt bekam. "Ich habe etwas rumgedruckst. Der Mann am Telefon ist dann selbst auf das Thema Staubsauger gekommen und ich habe gesagt, dass wir ein Problem mit einem Gerät haben." Sie machte einen Termin mit ihm in der Wohnung der Tante aus. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass er wirklich kommt", so Schurz.

Kurz vor diesem Termin suchte die Burgstädterin aber noch die Polizei auf, um Anzeige zu erstatten. Die Beamten hätten ihr gesagt, dass sie den Mann - sollte er auftauchen - festhalten dürfe und in diesem Fall die Polizei alarmieren sollte. An jenem Tag im September schickte Schurz ihren Mann und ihren Bruder zu dem Treffen. Der angebliche Vertreter sei tatsächlich erschienen - und ihr Bruder und ihr Mann hielten ihn fest. "Er hat sich dann versucht, freizukaufen, hat einen Teil des Geldes wiederhergegeben", sagt Schurz.

Ihr Bruder habe dennoch die Polizei gerufen. Die Beamten seien mit dem Verdächtigen zu dessen Wohnung gefahren, wo er weiteres Geld herausgegeben habe.

Die Polizei bestätigt den Fall auf Anfrage. Gegen den damals vorübergehend festgenommenen Mann, einen 50-jährigen Italiener, werde wegen Betrugs ermittelt, sagt eine Sprecherin; die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Ihr zufolge ist eine derartige Betrugsmasche in der Region neu. Eine Sprecherin des Unternehmens Vorwerk teilt auf Anfrage mit, solche Fälle gebe es "immer mal wieder vereinzelt". Sie verweist auf Tipps des Unternehmens zum Schutz gegen Betrüger. So habe ein echter Kundenberater immer einen Firmenausweis bei sich, den er auf Wunsch der Kunden vorzeige. Er sei zudem nicht befugt, Geld einzuziehen und führe eine Beratung in Ruhe und ohne Druck durch, erläutert Vorwerk.

Für Caroline Schurz' Tante hat der Fall dank ihres Einsatzes noch eine gute Wendung genommen. Das Geld hat sie fast komplett zurückbekommen. Allerdings blieb der Marken-Staubsauger verschollen. Das billigere Ersatzprodukt habe die Polizei als Beweismittel eingezogen, sagt Schurz. Ihre Tante könne ihre Wohnung dennoch sauberhalten. "Sie hatte kürzlich Geburtstag und wir haben ihr einen neuen Staubsauger geschenkt."

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 10 Bewertungen
1Kommentare
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  • 11
    0
    08539Holzmichl
    06.11.2019

    Clever gemacht.
    Solche Typen müssen aus dem Verkehr gezogen werden.
    Respekt für die Zivilcourage.



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