Bilder über Wandel und Veränderung

Im Dezember wird der Mühlauer Künstler Johannes Borges 80 Jahre alt. Bei einer Ausstellung in Burgstädt offenbart er Charaktereigenschaften.

Burgstädt.

"Ich bin ein Zeichner", sagt Johannes Borges manchmal fast entschuldigend. Dabei könnte er hinter den Satz ein Ausrufezeichen setzen. Der Mühlauer Künstler hat sich immer zur Handzeichnung bekannt - wenngleich er anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages in der Galerie Art Forum in Burgstädt auch Aquarelle und Ölgemälde ausstellt. Doch das Zeichnen ist sein eigentliches Talent.

Am 11. Dezember 1936 in Mölkau bei Leipzig geboren, lernte Borges zunächst Technischer Zeichner, holte dann an der Volkshochschule das Abitur, auch mit Prüfungen in Kunstgeschichte und Zeichnen, nach. Von 1963 bis 1970 nahm er weiteren Zeichenunterricht und absolvierte ein Abendstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er arbeitete als Technischer Zeichner und als Gärtner, seit 1987 ist er freischaffend.

"Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen", hatte Paul Klee gesagt. Oft sind es im wörtlichen Sinne Spaziergänge gewesen, auf denen Johannes Borges Motive für seine Zeichnungen fand. Sie sind nicht willkürliche Ausschnitte aus der Natur, sind nicht einfach nur Abbilder dessen, was der Künstler zufällig gerade gesehen hat, sondern auch Ausdruck seines Denkens und Fühlens. Und so wie das Zeichen oft auf ein Wunder deutet, so nah ist das Wunder auch der Wunde. Die krummen Wurzeln, die verwachsenen Äste, die abgebrochenen Stämme in Borges' Bildern sind sorgfältig ausgewählt und sie sind wie Sinnbilder von Lebensläufen die sich selten geradlinig vollziehen, die ihre Brüche, Verwerfungen, Zerstörungen, Wunden - selbst erlittene und anderen zugefügte - haben. Manchmal erscheinen zufällig oder auch nicht zufällig Gesichter, Körper, Andeutungen von Menschen in den Zeichnungen, so, als wollten sie sich leise zu Wort melden. Manchmal experimentiert Johannes Borges auch - sanft und nicht auf Effekte bedacht. Wie seine Kunst überhaupt eine leise ist. Sie beteiligt sich nicht am modernen Multitasking, am Crossover, sie verwandelt nicht eine klassische Arie in einen Popsong. Sie bleibt bei der Zeichnung - selbst wenn sie zum Gemälde oder zum Aquarell wird. Das hat angesichts der handwerklichen Fähigkeiten von Johannes Borges ganz sicher nichts damit zu tun, dass er nicht anders könnte - es hat wohl eher etwas mit Bescheidenheit und Demut gegenüber den Objekten seiner künstlerischen Sehnsucht zu tun. Eine Art zu leben und zu zeichnen, die er in Kursen gern und oft weitergibt.

Die Ausstellung mit Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden von Johannes Borges ist bis 13. November in der Galerie Art Forum in Burgstädt zu sehen. Geöffnet Dienstag, Mittwoch, Sonntag 14 bis 17, Donnerstag 15 bis 18, Freitag 10 bis 15 Uhr.

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