Bildung: Keine guten Noten für Chemnitz

Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die Stadt im landesweiten Vergleich oft nicht besonders gut abschneidet. Die größten Baustellen im Überblick.

Schulabbrecher: Nirgendwo sonst in Sachsen verlassen so viele Abgänger die Schule, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Während diese Fälle landesweit seit 2007 leicht zurückgegangen sind, nahm in Chemnitz der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss weiter zu - und zwar mit Abstand so deutlich wie nirgendwo sonst im Lande (plus 4,4 Prozent). Ergebnis: Mehr als 13 Prozent der Schüler hier erreichten zuletzt gar keinen Abschluss mehr. Ein typisch städtisches Phänomen? Nein, wie ein Blick nach Leipzig oder Dresden zeigt. Auch dort haben Schulen zunehmend mit größeren Leistungsunterschieden und individuell sehr verschiedenen Voraussetzungen zu kämpfen. Doch zeigt der Trend da - wie in fast allen anderen Regionen Sachsens - in eine positive Richtung. "Die Diskrepanz zwischen den kreisfreien Städten bleibt erklärungsbedürftig", konstatieren die Autoren des kürzlich vorgestellten "Bildungsberichts 2018". "Hier bedarf es vertiefender Analysen."

Gymnasialquote: Sachsenweit wechseln heute weniger Schüler nach der Grundschule aufs Gymnasium als noch vor gut zehn Jahren. Die Quote sank von 2007 bis 2017 von 46 auf 43 Prozent. Nirgendwo sonst im Land jedoch ist sie derart zurückgegangen wie in Chemnitz. Ein Minus von 7,4 Prozentpunkten binnen zehn Jahren steht hier zu Buche. Dies ist auch insoweit bemerkenswert, da in den Ballungszentren Leipzig und Dresden die Ausbildung am Gymnasium nach wie vor eine große Bedeutung besitzt. Dort schlägt noch immer mehr als die Hälfte der Grundschüler ab Klasse 5 den direkten Weg zum Abitur ein. Die rückläufige Entwicklung in Chemnitz hingegen ähnelte in den vergangenen Jahren eher der in ländlichen Regionen, gleichwohl hier anteilig noch immer mehr Schüler ein Gymnasium besuchen als in den meisten sächsischen Landkreisen. An fehlenden Angeboten kann es nicht liegen: Mit der Gründung dreier freier Gymnasien hat sich die Anzahl der Standorte im Stadtgebiet in den zurückliegenden Jahren deutlich erhöht.

Kita-Betreuung bis drei Jahre: Im Jahr 2006 gehörte Chemnitz noch zu den Städten und Landkreisen, in denen besonders viele Kinder unter drei Jahren eine Betreuungseinrichtung besuchten oder in einer Tagespflege betreut wurden. Zehn Jahre später hat sich das Blatt gewendet: Mit 45Prozent Betreuungsquote in diesem Alterssegment bildete die Stadt gemeinsam mit dem Erzgebirgskreis das Schlusslicht im Freistaat. Und das vor allem, weil andere Regionen ihre Betreuungsangebote weitaus intensiver ausgebaut und damit enorm aufgeholt haben. Zuletzt waren allerdings auch in Chemnitz weitere Kindertagesstätten neu gebaut und eröffnet worden, zusätzliche werden folgen. Aktuell können laut Rathaus in Chemnitz 81 Prozent der hier wohnenden Kinder unter drei Jahren mit einem Betreuungsplatz versorgt werden. "Das ist eine Verbesserung gegenüber dem Jahr 2016", betonte eine Sprecherin.

Integration: In den Kitas und Tagespflegeeinrichtungen der Stadt hat mittlerweile mehr als jedes zehnte betreute Kind mindestens ein Elternteil, das im Ausland geboren wurde. Der Wert liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (20Prozent in Krippen, 30 Prozent in Kindergärten), ist jedoch so hoch wie sonst in Sachsen nur in Dresden (12 Prozent) und Leipzig (14 Prozent). Der Landes-Durchschnitt bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt bei neun Prozent. "Damit verbundene potenzielle Herausforderungen etwa für den Spracherwerb der Kinder stellen sich in Sachsen selbst in den Ballungszentren weniger massiv", resümieren die Autoren des Bildungsberichts. Gleichwohl, so warnen sie, könnten sich innerhalb der Städte in bestimmten Einrichtungen Problemlagen konzentrieren.

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