Bildungsmesse von Platznot an Schulen überschattet

Gymnasien, Oberschulen und auch freie Schulen stellten sich am Wochenende den Grundschülern und ihren Eltern vor. Für viele von ihnen kommt die Wahl der weiterführenden Schule zu früh.

Die Auswahl an Schulen ist groß: sieben Gymnasien, neun Oberschulen sowie fünf Schulen in freier Trägerschaft stellten sich mit ihrem vielfältigen Angebot bei der diesjährigen Bildungsmesse der Stadt Chemnitz vor. Aber trotz der Vielzahl an Schulen wird es besonders an den Oberschulen eng: Nicht immer können alle Kinder aufgenommen werden. "Natürlich habe ich Angst, dass mein Kind am Ende jeden Tag in eine weit entfernte Schule muss, weil die Plätze nicht genügen", sagt die Chemnitzerin Heike Engisch, die mit ihrem neunjährigen Sohn die Messe besucht. Die Sorge ist nicht unbegründet. Die nächste Schule wäre in ihrem Fall in Neukirchen, falls die aber einen zu großen Zulauf hätte, müsste sie auf die Albert- Schweitzer-Oberschule im Stadtteil Morgenleite ausweichen. Dort wurde es aber schon im vergangenen Jahr knapp mit den Plätzen: "Wir können maximal drei Klassen mit je 28 Schülern aufnehmen", so die stellvertretende Schulleiterin Sylvia Friebel. Im vorigen Jahr gab es über 100 Bewerber, weshalb man weitere drei Klassen in einer Außenstelle angesiedelte: "Wir erwarten wieder so viele Bewerber, daher wird die Außenstelle in zwei Jahren vermutlich eigenständig."

Auch beliebte Gymnasien wie das Dr.-Wilhelm-André Gymnasium haben mehr Bewerber als Plätze; fünf Klassen mit je 28 Schülern reichen nicht aus. Zum Glück habe man bisher das Zufallsprinzip umgehen und durch Absprachen mit anderen Gymnasien und den Familien jedem Kind einen zufriedenstellenden Schulplatz gewährleisten können, sagt der stellvertretende Schulleiter Tobias Reuther. Die Nachfrage wird in diesem Jahr ähnlich hoch erwartet.

Ob es das Gymnasium oder doch die Oberschule werden wird, da sind sich Heike Engisch und ihr Sohn Elias noch unsicher. Ähnlich ergeht es anderen Müttern wie Janine Kaulfuß. Auch sie und ihr Sohn haben sich bisher nicht entschieden. In der Frage, ob die Entscheidung, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschulzeit gehen soll, zu früh ist, sind sie sich allerdings einig: "Es wäre viel besser, wenn diese Entscheidung erst später getroffen werden müsste", sagt Janine Kaulfuß. Dieser Meinung sind die meisten Eltern und unterschreiben, noch bevor sie in die Halle mit den Informationsständen gehen, eine Petition der Initiative "Gemeinsam länger lernen". 40.000 Unterschriften werden benötigt, damit sich der Sächsische Landtag mit dem Thema beschäftigt. Ziel der Initiatoren ist es, dass Kinder bis zur zehnten Jahrgangsstufe in einer gemeinsamen Klasse lernen können. "Die Kinder haben ihr Potenzial in der vierten Klasse noch nicht entfaltet", sagt Christine Schmidt vom Verein Gute Schule. Ohnehin sei ein gemeinsames Lernen für das Sozialleben der Kinder untereinander besser, fügt sie hinzu. Das findet auch Heike Engisch: "In anderen Ländern geht es doch auch, dass man diese Entscheidung erst später treffen muss - warum dann nicht auch bei uns in Sachsen?"

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