Bis auf wenige Ausnahmen: Sparkasse schafft Bargeld-Kasse ab

In 23 von 28 Chemnitzer Filialen sind Ein- und Auszahlung künftig nur noch am Automaten möglich

Die Sparkasse im Moritzhof an der Bahnhofstraße ist eine von fünf Filialen, in denen der Bargeld-Schalter nicht abgeschafft wird.

Von Benjamin Schaller

Die Umstellung auf Automaten, an denen Ein- und Auszahlungen möglich sind, hat bereits begonnen und wird bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Wichtig zur Urlaubszeit: Auch beim Umtausch in Fremdwährungen gibt es Änderungen. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Was genau ändert sich?

Die meisten Filialen der Sparkasse Chemnitz - 23 der insgesamt 28 - werden bis Jahresende ausschließlich bargeldfreie Schalter haben. Das heißt, dass nur noch am Automaten Bargeld ein- oder ausgezahlt werden kann. Die Schalter werden zwar nach wie vor zu denselben Zeiten wie bisher mit Personal besetzt sein - die Angestellten haben allerdings keine Kasse mehr. Ausgenommen sind im Chemnitzer Stadtgebiet insgesamt fünf größere Filialen, die die Sparkasse Beratungscenter nennt.

In welchen Filialen gibt es auch künftig einen Bargeld-Schalter?

Die sogenannten Beratungscenter sind die Geschäftsstellen Moritzhof (Bahnhofstraße 51), Hainstraße 112 bis 114, Gablenz-Center (Hans-Ziegler-Straße 3), Vita-Center (Wladimir-Sagorski-Straße 24) und Trabant-Passage (Zwickauer Straße 452). Bei den anderen, kleineren Filialen im Stadtgebiet läuft der Bargeldverkehr künftig ausschließlich über die Automaten.

Was sind die Gründe für die Umstellung?

Laut Roger Wirtz, Pressesprecher der Sparkasse, nutze man die Gelegenheit, dass viele der Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker in den Filialen in diesem Jahr turnusmäßig ersetzt werden müssten. Die neuen Geräte hätten zusätzliche Funktionen, zum Beispiel zur Geldeinzahlung oder für Überweisungen, für die Kunden bisher zum Schalter mussten - das sei nun nicht mehr notwendig. "Zudem geht es um die Sicherheit unserer Mitarbeiter", sagt Wirtz. Wenn die Filialen keine Kassen mit Bargeld mehr haben, lohne es sich auch nicht mehr, Banken zu überfallen. In diesem und im vergangenen Jahr habe es bei der Sparkasse Chemnitz aber keine Überfälle gegeben, so Wirtz auf Nachfrage.

Wie zahle ich künftig Bargeld ein oder aus?

Am Automaten. Filialen, in denen es bisher keinen Einzahlungsautomaten gibt, sollen bis Jahresende einen bekommen. Wer Unterstützung bei der Automaten-Bedienung benötigt, kann sich an einen Sparkassen-Mitarbeiter wenden.

Ändern sich durch die Umstellung die Gebühren?

Derzeit sei keine Änderung der Gebühren für Ein- und Auszahlungen, Überweisungen und ähnliches geplant, sagt Sprecher Wirtz.

Wie funktioniert der Umtausch in andere Währungen?

In den fünf Beratungscentern sind einige gängige Fremdwährungen vorrätig. Andere können bestellt und abgeholt werden. Während die Bestellung in allen Filialen möglich ist, muss der Kunde zur Abholung aber in eines der fünf Beratungscenter kommen. Alternativ können sich Kunden das Geld auch nach Hause schicken lassen. Dafür werde laut Sparkassen-Sprecher Roger Wirtz aber ein Entgelt in Höhe von 12 bis 15 Euro fällig.

Wie komme ich an Geld von meinem Sparbuch?

Dies wird auch weiterhin in allen Filialen möglich sein. In den 23 Filialen mit bargeldfreiem Schalter müssen sich die Kunden zunächst beim Personal melden. Anschließend kann das Personal mit einer speziellen Karte die gewünschte Summe, die anschließend vom Sparbuch abgebucht wird, aus dem Automaten ziehen.

Wie ist es bei anderen Banken geregelt?

"Die Reise geht dorthin", sagt Nancy Mönch, Sprecherin der Sparda-Bank, über den geringer werdenden Bargeldhandel. In den ostdeutschen Filialen ihrer Bank werde es aber weiterhin Bargeld am Schalter geben. Lediglich das Geschäft mit Fremdwährungen habe die Sparda-Bank vor einiger Zeit komplett an die Reisebank ausgelagert. "Wir leisten uns das nicht mehr selbst, weil die Kunden dafür auch keine Gebühren bezahlen wollen", so ihre Begründung. Bei den beiden Chemnitzer Filialen der Commerzbank bleibt die Bargeld-Kasse am Schalter ebenfalls erhalten, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Auch bei der Deutschen Bank gebe es laut einem Sprecher keine Pläne für eine Umstellung. In allen 28 Filialen der Volksbank Chemnitz, wozu auch die Regionen Zwickau und Erzgebirge gehören, können Kunden Bargeld an einer personenbesetzten Kasse ein- und auszahlen, erklärt eine Sprecherin. Soll ein Betrag ausgezahlt werden, der über dem Automatenlimit liegt, müsste dies in der jeweiligen Filiale angemeldet werden.

1Kommentare
👍6👎4 Letsop 08.08.2018 Unsere digitale Welt macht das Leben für diejenigen schwieriger, die damit nicht klar kommen. Das sind überwiegend sehr alte Menschen, die irgendwann den Einstieg verpasst haben und das nun im vorgerückten Alter einfach nicht mehr schaffen.

Die meisten von diesem Personenkreis sind Sparkassenkunden und werden es damit in Chemnitz in Zukunft mit ihren Geldangelegenheiten etwas schwerer und umständlicher haben.

Der Sparkasse ist dennoch diesbezüglich kein Vorwurf zu machen. Sie muss in Konkurrenz mit den anderen Geldinstituten bezüglich ihrer Effektivität Schritt halten und hat kaum andere Alternativen.
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