Bombenattrappe: Polizei wirft Busfahrer Leichtsinn vor

Die Beamten ermitteln weiter zu den Hinter- gründen eines herrenlosen Rollkoffers in Oberfrohna. Demnächst soll eine verdächtige Anwohnerin befragt werden.

Limbach-Oberfrohna.

Eine Bombenattrappe, die nicht von der Polizei, sondern von einem zufällig anwesenden Busfahrer "entschärft" wurde? Drei Tage nach dem Fund eines herrenlosen Rollkoffers mit den Aufschriften "Bombe" und "Achtung Bombe" in Limbach-Oberfrohna am Karfreitag konnte sich der diensthabende Beamte im Lagezentrum der Zwickauer Polizeidirektion dies beim besten Willen nicht vorstellen. "Der Koffer wurde von einem Polizisten geöffnet", sagte er am Ostermontag. Damit widersprach er den Aussagen eines Zeugen, der das Geschehen aus seiner Wohnung beobachten konnte. Dieser hatte gegenüber der "Freien Presse" beteuert, ein Busfahrer habe nachgesehen, was sich in dem Gepäckstück befindet. Es war leer und damit ungefährlich.

Knapp drei Wochen später räumt die Polizei ein, dass der Zeuge die Wahrheit gesagt hat. "Ein Busfahrer hat den Koffer geöffnet", berichtet Polizeisprecher Oliver Wurdak. Dies sei zu einem Zeitpunkt geschehen, als die Polizei den Bereich um die Bushaltestelle an der Straße des Friedens, wo die Bombenattrappe abgestellt worden war, schon abgesperrt hatte. "Die Polizisten haben das Gespräch mit dem Busfahrer gesucht und ihn aufgefordert, sich nicht in Gefahr zu begeben", berichtet Wurdak. "Aber der Mann hat eigenmächtig gehandelt."

Der Mann saß an jenem Abend am Steuer eines Busses der Linie 254 und war von Oberfrohna in Richtung Limbach und dann weiter zum Chemnitz-Center unterwegs. Wegen der Sperrung musste er die Fahrt auf der Straße des Friedens unterbrechen und wollte offenbar der Ursache der Behinderung auf den Grund gehen. Der Busfahrer ist beim Regionalverkehr Erzgebirge angestellt. Das Unternehmen lehnt es ab, einen Kontakt zu dem Mitarbeiter herzustellen. Sprecherin Annika Engelmann weist lediglich auf eine allgemeine Anweisung hin: "Bei Gefahrensituationen sind unsere Busfahrer angehalten, die Leitstelle zu informieren." Diese setze sich daraufhin mit der Polizei in Verbindung. Die Frage, welche Konsequenzen die Firma aus dem offensichtlichen Fehlverhalten ihres Angestellten zieht, will Engelmann nicht beantworten.

Einen positive Wirkung hatte das unorthodoxe Handeln des Busfahrers vielleicht doch: Der Polizeieinsatz war auf diese Weise schnell beendet. Nach Zeugenaussagen dauerte er eine gute halbe Stunde. Wäre unklar geblieben, was sich in dem Koffer befindet, hätte die Polizei nach Angaben von Sprecher Wurdak Sprengstoff-Spezialisten des Landeskriminalamtes angefordert. "Das hätte dann länger gedauert." Trotzdem stellt Wurdak fest: "Das Verhalten des Busfahrers sollte nicht Schule machen." Man könne nie mit Bestimmtheit sagen, ob von einem verdächtigen Gegenstand Gefahr ausgeht oder nicht.

Unterdessen ermittelt die Polizei weiter wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Verdächtig ist eine Limbach-Oberfrohnaerin, die sich mit dem Aufstellen des Rollkoffers wohl einen Scherz erlauben wollte. "Eine Nachbarin hat sich gemeinsam mit ihrer Tochter einen Spaß erlaubt", sagte ein Zeuge der "Freien Presse". Die beiden hätten einen Zettel an den Koffer geklebt und ihn an die Bushaltestelle gestellt. Die Frau und das Mädchen hätten den Tatort anschließend noch eine Weile beobachtet und auf ein Spektakel spekuliert, vermutete der Oberfrohnaer. Erst als die Polizei kam, seien sie geflüchtet. Nach Angaben des Polizeisprechers soll der Rollkoffer demnächst auf Spuren wie Fingerabdrücke untersucht werden. Auch eine Befragung der verdächtigen Frau steht laut Wurdak noch aus. Falls sie als Täterin überführt werden kann, droht ihr eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis.

Zudem könnten der Frau die Kosten für den Polizeieinsatz in Rechnung gestellt werden. Die Grundlage dafür bildet das Verwaltungskostengesetz des Freistaates. Ein Kostenverzeichnis legt wiederum die konkreten Summen fest. Diese betragen beispielsweise für ein Fahrzeug mit zwei Bediensteten 85 Euro pro erste angefangene Stunde und für jede weitere angefangene halbe Stunde 37, aber höchstens insgesamt 250 Euro. Nach Angaben von Oliver Wurdak rückten wegen der Bombenattrappe fünf Beamte an. Wie viel der Einsatz insgesamt gekostet hat, kann der Polizeisprecher noch nicht sagen. (mit mib)

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