Evakuierung in Chemnitz: Die Bombe ist entschärft

Am frühen Freitagnachmittag kam die Entwarnung: Die Bombe ist entschärft. Rund 15.000 Menschen können in ihre Wohnungen zurückkehren.

19:52 Uhr: Die Entschärfung der Fliegerbombe ist geglückt. Der Tag im kurzen Rückblick. 

 

16 Uhr: Die Stadt baut die Absperrungen nach und nach zurück. Anwohner können wieder in ihre Wohnungen zurück. Das Bürgertelefon bleibt laut Stadtverwaltung weiterhin geschaltet: 0371 488-3344.

 

14.35 Uhr: Die Bombe ist entschärft. Alle Anwohner können in ihre Wohnungen zurückkehren. Das teilte der Pressesprecher der Stadt, Matthias Nowak, mit. Sprengmeister Jörg Lange sagt, es sei ein einfacher Heckzünder gewesen. "Er ging gut raus."  Die Entschärfung hatte anderthalb Stunden gedauert. Für Lange war es die 20. Bombe.

Der Zünder an der Bombe lag quer, es handelt sich um einen sogenannten Aufschlagzünder. Laut Lange braucht er Schub, um hochzugehen. Er funktioniert nicht bei Erschütterung.

Die Chemnitzer Bombe wird jetzt in der Zerlege-Einheit Zeithain auseinandergenommen und zersägt. Der Sprengstoff wird verbrannt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen besteht aus insgesamt 21 Leuten, vier waren in Chemnitz vor Ort.

 

 

 

 

14:00 Uhr: Das Ausweichquartier in der Sporthalle am Schloßteich wird geschlossen. Wie die Stadt auf Twitter mitteilte, ist die Unterkunft dort nicht genutzt worden. In den anderen Quartieren seien noch ausreichend Plätze vorhanden. Zu finden sind diese an folgenden Orten:

  • Messe Chemnitz (Halle 1), Messeplatz 1
  • Richard-Hartmann-Halle, Fabrikstraße 9
  • Sportforum, Leichtathletikhalle, Reichenhainer Straße 154
  • Gymnasium Einsiedel, Niederwaldstraße 11
  • Hartmannschule, BSZ für Technik III, Annaberger Straße 186-188

13:40 Uhr: Nach Einschätzung des Pressesprechers der Stadt, Matthias Nowak, waren etwa 750 der insgesamt 1000 Einsatzkräfte damit beschäftigt, das Sperrgebiet zu räumen. Laut der Polizei Chemnitz mussten zehn Wohnungen mit "erhöhtem Nachdruck" von Polizeibeamten geräumt werden. Am Bürgertelefon der Stadt, das extra für die Evakuierung eingerichtet wurde, gibt es viele Nachfragen, so Nowak. 40 Mitarbeiter sind dafür da, diese zu beantworten. Erreichbar ist das Bürgertelefon unter 0371 4883344.

13.15 Uhr: Die Evakuierung ist beendet. Gegen 13 Uhr haben die letzten Anwohner den Sperrkreis verlassen. Laut dem Pressesprecher der Stadt Chemnitz kann der Kampfmittelbeseitigungsdienst jetzt mit der Freilegung der Bombe beginnen. Erst wenn dieser Schritt erledigt ist, steht fest, ob die Bombe überhaupt entschärft werden kann. Dies könne einige Zeit in Anspruch nehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann muss gesprengt werden. Dafür soll die Bombe auf ein Feld in Neukirchen transportiert werden. Das Problem: Alle Gebäude entlang der Route müssten evakuiert werden. Deshalb bereitet sich auch Neukirchen auf eine Evakuierung vor. Es stehen Notunterkünfte in der Oberschule sowie in den Turnhallen an der Jahnstraße und an der Oberschule bereit. Die Halle an der Jahnstraße ist für Corona-Patienten vorgesehen. In Neukirchen wären folgende Straßen von der Evakuierung betroffen:

  • Am Hirschsteig - komplett
  • Hauptstraße - ab Ecke Schönauer Straße/Hausnummer 201 landwärts in Richtung Autobahn  A72
  • Heiterer Blick - komplett
  • Nordstraße ab Schönauer Straße landwärts in Richtung Autobahn  A72
  • Schönauer Straße komplett


11:15 Uhr: Nach Informationen der "Freien Presse" sind 80 Prozent aller Wohnungen leer geräumt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst rechnet damit, 12 Uhr beginnen zu können. Laut Matthias Nowak müssen nur noch einige Krankentransporte das Sperrgebiet verlassen. Auch er geht davon aus, dass die Arbeiten an der Fundstelle innerhalb der nächsten Stunde beginnen können. Die Arbeiten der Experten an der Fundstelle werden dann einige Zeit in Anspruch nehmen, wie die Stadt auf Twitter schreibt.

10.15 Uhr: Wie der Pressesprecher der Stadt Chemnitz, Matthias Nowak, erklärt, wollen viele Menschen den Sperrkreis nicht verlassen. Dies ist aber notwendig, damit die Entschärfung der Bombe überhaupt beginnen kann. Die Polizei ist mit 300 Kräften im Einsatz. Aktuell wird überlegt, ob Polizeifahrzeuge mit Lautsprecherdurchsagen durch die Straßen fahren sollten. Auch auf Twitter machte die Stadt noch einmal deutlich, dass alle Anwohner den Sperrkreis verlassen müssen.

9.30 Uhr: In den Notunterkünften ist bislang nur sehr wenig los. In der Richard-Hartmann-Halle seien bislang etwa 30 Menschen untergekommen. In der Sporthalle am Schloßteich sogar nur zwei Personen. Deutlich mehr Menschen hätten sich bereits gemeldet, sich wegen des schönen Wetters aber für einen Spaziergang entschieden. Insgesamt sind in den Notunterkünften bisher etwa 300 Menschen angekommen. Die Räumung des Sperrkreises geht indes weiter. Die Polizei musste bislang bei drei Personen anrücken, die sich zunächst geweigert hatten, ihre Wohnung zu räumen. Unterstützung gibt es auch von der Landesdirektion Sachsen. Diese stellt unter anderem  45 Krankentransportwagen bereit. Wegen der Evakuierung muss auch die Apotheke im Vita-Center am Freitag und am Samstag geschlossen bleiben.

8.45 Uhr: Der derzeitige Finanzbürgermeister und baldige OB Sven Schulze (SPD) hat bereits einiges an Erfahrung, wenn es um Evakuierungen geht. "Es ist meine dritte oder vierte Evakuierung in der Stadt. Hinzu kommen zwei, die wir nicht gemacht haben, zum Beispiel auf dem Sonnenberg", so Schulze. Im Rahmen seines derzeitigen Amtes ist er auch für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständig. Laut Andrzej Rydzik, dem stellvertretenden Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz, sind allein für die Evakuierung zwei Hundertschaften der Polizei unterwegs. Bislang habe Rydzik von einem Fall gehört, bei dem die Polizei einschreiten musste. Nachdem diese den Ernst der Lage erklärt hatte, habe aber auch dieser Anwohner seine Wohnung geräumt. Laut Matthias Nowak, dem Pressesprecher der Stadt Chemnitz, ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst bereits vor Ort. Seinen Einsatz beginnen kann dieser aber erst, wenn die Evakuierung beendet ist. Bislang haben laut Nowak um die 7000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Damit ist etwa die Hälfte der Evakuierung abgeschlossen. Etwa 300 Menschen kommen bislang in den Notunterkünften unter.

8 Uhr: Die Evakuierung ist in vollem Gange. Immer wieder sind Sirenen in Markersdorf zu hören, der Katastrophenschutz ist unterwegs. Die Zufahrten zum Sperrkreis werden inzwischen von der Polizei kontrolliert. In den Notunterkünften kommen die ersten Menschen unter. In der Messehalle 1 sitzen Familien zusammen, die auf den Zuschauerrängen platziert werden. Dazwischen viel Platz - der Schutz vor dem Coronavirus spielt eine große Rolle bei dieser Evakuierung. In der benachbarten Messehalle 2 kommen liegende Patienten unter. Laut dem künftigen OB Sven Schulze gibt es vereinzelte Personen, die ihre Wohnungen nicht verlassen wollen. Derzeit versuche man, diese zum freiwilligen Verlassen der Wohnung zu überreden. "Wenn das nicht wirkt, hilft die Polizei", so Schulze.

6 Uhr: Seit Freitag, 6 Uhr, müssen etwa 15.000 Menschen in Chemnitz ihre Wohnungen verlassen. Grund dafür ist eine alte Fliegerbombe, die bei Bauarbeiten an der Wilhelm-Firl-Straße im Stadtteil Markersdorf gefunden wurde. Bereits am Donnerstag hatte die Räumung von Pflegeheimen begonnen. Dies gestaltete sich auch deshalb als besondere Herausforderung, weil es in einem Heim einen Corona-Fall gibt. Erst wenn der Sperrkreis von etwa einem Kilometer evakuiert wurde, können die Experten mit der Entschärfung der Bombe beginnen.

Für die Evakuierung hat die Stadt mehrere Notunterkünfte bereitgestellt. Die Betroffenen sind aber aufgerufen, sich auch aufgrund der aktuellen Corona-Situation nach Möglichkeit eigene Bleiben zu suchen. Für den Transport zu den Notunterkünften werden Busse zur Verfügung gestellt. Einrichtungen wie Schulen und Kitas sowie alle Geschäfte müssen am Freitag im Sperrkreis schließen. Alle wichtigen Informationen zur Evakuierung finden Sie hier.

Auf Ihrer Internetseite hat die Stadt Chemnitz eine Liste mit allen betroffenen Adressen veröffentlicht. Zudem gibt es eine Karte, die den Sperrkreis genau zeigt. Gezogen wurde dieser in einem Umkreis von etwa einem Kilometer um den Bombenfund. Für Betroffene hat die Stadt Chemnitz ein Bürgertelefon eingerichtet. Zu erreichen ist dieses unter 0371 4883344.

Neben den Anwohnern werden auch zahlreiche Autofahrer betroffen sein. Der Sperrkreis geht auch über Teile des Südrings, der deshalb zwischen Annaberger und Stollberger Straße ab 8 Uhr gesperrt werden soll. Auch die Stollberger Straße soll ab 8 Uhr zwischen Neukirchner Straße und Südring dicht sein. Im öffentlichen Nahverkehr wird es zu zahlreichen Einschränkungen kommen. Die CVAG kündigte an, dass ab 8 Uhr die Linien 4, 5, 39, 43, 52 und 53 nicht mehr vollständig bedient werden können. Es werde versucht, so die Linien so nah wie möglich an den Sperrkreis weiter zu bedienen.

Der Bombenfund und die damit verbundene Evakuierung trifft die Menschen in Markersdorf mitten in der Corona-Pandemie. Die Bombe selbst wurde auf einer Baustelle entdeckt, die mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet liegt. Während einige Anwohner ihre Wohnungen bereits am Donnerstag verließen, zeigten andere wenig Verständnis für die Räumung. Wie sich die Stimmung am Tag vor der Evakuierung war, erfahren Sie hier [FP+]. (luka/ros/saho/dy)

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    12
    lax123
    06.11.2020

    Glückwunsch ????
    Da kann jemand heute stolz ins Bett gehen!

  • 33
    0
    20Online20
    06.11.2020

    Glückwunsch an solche mutigen Männer!!!